Manchen Sommerurlaub möchte man am liebsten sofort wieder vergessen, die Entfernen-Taste drücken, wie bei einem schlechten ersten Satz. Der hier war ganz okay. Es war aber auch der dritte Versuch. Bei Ferien geht das nicht. Da hat man nur einen Versuch. Der muss sitzen.

Man kann sich den Sommer aber auch schön trinken. Damit meine ich nicht, dass Sie die Ferienzeit im Vollrausch verbringen sollen. Gott bewahre! Obwohl das womöglich auch ginge. Dazu fällt mir eine Studie von Barry T. Jones und seinen Kollegen vom psychologischen Institut Glasgow aus dem Jahr 2003 ein, die später sogar in der Zeitschrift Addiction veröffentlicht wurde. Dazu rekrutierten die Forscher auf ihrem schottischen Campus zunächst je 40 nüchterne und 40 betrunkene Stundenten beiderlei Geschlechts. Die Betrunkenen hatten sie binnen einer halben Stunde zusammen. Die 40 anderen mussten erst drei Tage ausnüchtern.

Dann ging das Experiment los: Zuerst sollten die Probanden 118 Porträts auf deren Attraktivität hin beurteilen. Damit sie nicht merkten, worum es geht, beurteilten sie zuerst 114 Armbanduhren. Die Nüchternen sagten so was wie „Schön!“, „Wundervoll!“, „Großartig!“ Die Angeschickerten sagten: „Oh, schon wieder Zeit für einen Drink!“ Danach kamen die Porträts. Die Männer beurteilen hierbei Frauen, die Frauen beurteilten Männer. Und tatsächlich: Wer einen im Kahn hatte, fand die Gesichter im Schnitt um 25 Prozent attraktiver. Barry T. Jones und seine Kollegen waren damals geradezu berauscht von ihrem Ergebnis. Den hübschesten Kommilitoninnen schenkten sie daraufhin noch kräftig einen ein und gingen mit ihnen abends aus, denke ich mir jedenfalls. Aber darüber wollte ich jetzt gar nicht schreiben.

Wo kommen eigentlich Cocktails her?

Worüber ich eigentlich schreiben wollte: Sommer, Sonne, Urlaub – das kann man auch in einem Glas destillieren. Im Fachjargon heißt das Ergebnis Cocktail. Diese meist quietschbunten und belebenden Sommerdrinks, eignen sich ideal, um so was wie Urlaub zu simulieren, um bei flirrender Hitze cool zu bleiben oder – wie oben beschrieben – um auf das andere Geschlecht attraktiver zu wirken – vorausgesetzt man trinkt die gemixten, gerührten und geschüttelten Prickelwasser-Drinks nicht allein.

Ich habe mal gelesen, dass es Cocktails schon über 200 Jahren gibt. Wie der Name entstanden ist, weiß keiner genau. Darum ranken sich viele Legenden. Manche verbinden den Begriff mit Hahnenkämpfen, die im Englischen cockfight heißen; andere mit Eierbechern, die im Französischen coquetier heißen. Außerdem bezeichnete man den Spund eine Holzfasses im 19. Jahrhundert als cock und die im Fass verbleibende Flüssigkeit als tail. In einigen Cocktailbüchern steht, dass eine gewisse Betsy Flanagan Namenspatin gewesen sein soll. Aber Cocktailbüchern traue ich nicht. Man weiß nie, unter welchem Einfluss sie geschrieben wurden.

Wirklich dokumentiert ist nur eine Erwähnung des Begriffs Cocktail als Getränk in der wöchentlich erscheinenden Zeitung The Balance and Columbian Repository. Das war am 6. Mai 1806. Der Artikel war eine humorige Abrechnung mit einem unterlegenen demokratischen Wahlkampfkandidaten. In der Bilanz erschienen 25 do. cock-tail. In der folgenden Woche, am 13. Mai, veröffentlichte die Zeitung einen Leserbrief dazu: „…never in my life did I hear of cock tail before. Is it peculiar to a part of this country?“ Die Zeitung antwortete darauf: „…Cock tail, then is a stimulating liquor, composed of spirits of any kind, sugar, water and bitters it is vulgarly called a bittered sling.“ Der Cocktail war geboren.

Zu den Klassikern gehören etwa:
  • Sazerac Antoine Peychaud Der Apotheker aus New Orleans entwickelte Mitte des 19.Jahrhunderts nicht nur eine nach ihm benannte Bitter-Tinktur, sondern auch noch den gleichnamigen Cocktail. Ursprünglich mit Cognac und Absinth, wurde er später mit dem moderneren Rye-Whiskey und Pastis zubereitet. Die Mixtur: Whisky oder Cognac, Pastis, Bitters und Zucker.
  • Aviation Der Flügel verleihende Cocktail wurde ungefähr zur selben Zeit erfunden, als „Aviator“ Howard Hughes den bis dahin teuersten Film aller Zeiten drehte. Die Mixtur: Gin, Zitrone und Maraschino.
  • Pegu Club Cocktail „The Pegu Club seemed to be full of men on their way up or down“, schrieb Rudyard Kipling im Sommer 1889 über den britischen Kolonialclub in Burma. Der Hauscocktail wurde noch in den Dreißigerjahren lobend im Savoy Cocktail Buch erwähnt, geriet dann aber in Vergessenheit bis Audrey Sanders, eine der amerikanischen Top-Bartenderinnen, ihren 2005 eröffneten Club in New York nach ihm benannte. Rezeptur: Gin, Curacao, Limette und Bitters.
  • The Monkey Gland Die „Affendrüse” wurde nach einem Verfahren von Dr. Serge Voronoff benannt, der in den Zwanzigerjahren zum Zwecke der Lebensverjüngung versuchte, Affenhoden in Männer zu transplantieren. Urgs. Der Cocktail zeigte mehr Wirkung, sogar ein Lied wurde ihm gewidmet. Rezeptur: Gin, Orangensaft, Granatapfel und Pastis.
  • Chocolate Punch Ein vollmundiger und reicher After Dinner Cocktail. Der Barkeeper William „The Only“ Schmidt notierte ihn erstmals in seinem Buch „The Flowing Bowl“ von 1891. „KingCocktail“ Dale deGroff führte den Drink in seinem Buch „The Craft of the Cocktail“ mit leichter Abwandlung ins neue Jahrtausend. Inhalt: Cognac, Port, Kakaolikör und Sahne.

Shepheard BarNatürlich gibt es heute wesentlich mehr Rezepturen. Meine Lieblings-Cocktailbar in Köln, die Shepheard Bar, listet allein über 200 Dinks, darunter gut 50 Eigenkreationen von denen ich vor allem den von Mirko Gardelliano entwickelten scharfen „Scarface“ empfehle:

    Hausgemachter Crème de Menthe grün mit Peperoncino, Watermelon Likör Marie Brizard, frischer Zitronensaft, Läuterzucker, Litchi Juice Caraibos, rote Pepperoni, hausgemachtes Olivenöl mit Peperoncino

Mein derzeit absoluter Lieblings-Cocktail. Apropos: Was sind Ihre liebsten Sommerdrinks? Mit dem Start in die Urlaubszeit möchte mir ja wie angekündigt eine kleine thematische Auszeit gönnen und ausnahmsweise über andere Themen schreiben. Den Auftakt soll diese Blogparade machen. Schreiben, kommentieren oder bloggen Sie über Ihre besten Cocktails – Klassiker oder Eigenkreationen, mit Beeren, Limetten und Melonen oder frischen Kräutern wie Minze, Waldmeister oder Zitronenmelisse, mit Alkohol oder ohne. Erlaubt ist alles, was lecker ist. Die Parade läuft bis zum 21. Juli. Danach stelle ich die Ergebnisse hier noch einmal zusammengefasst vor. Aber nicht nur das…

Die Verlosung

Damit sich das Mitmachen noch mehr lohnt, hat Gräfe und Unzer zwei mal zwei wunderschöne Bücher im Gesamtwert von knapp 40 Euro gesponsert, die unter allen Teilnehmern der Blogparade verlost werden. Deshalb bitte bei den Kommentaren unbedingt die E-Mail-Adresse angeben (wird nicht angezeigt), damit ich hinterher die postalische Adresse der vier Gewinner erfragen kann. Und das sind die Sommerbücher: Sommerdrinks und Winterdrinks von Tanja Dusy, Alessandra Redies. Darin: Über 100 Rezepte für prickelnde Drinks, cremige Smoothies oder spritzige Bowlen mit und ohne Alkohol. Sowie Cocktails, ebenfalls von Alessandra Redies, die darin weitere 100 Cocktailrezepte, Aperitifs und Digestifs sowie Tipps zum Mixen, Rühren und Schütteln auflistet. Der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Viel Glück bei der Verlosung und viel Freude bei der Lektüre.

Sommerdrinks Cocktails