Arbeitsrecht-Richter-Urteile
Peter Groll ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt. Für die Karrierebibel analysiert und kommentiert er in seiner Arbeitsrechtkolumne regelmäßig wichtige und aktuelle Urteile aus dem deutschen Arbeitsrecht. So bleiben Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Fach- und Führungskräfte stets über ihre Rechte informiert.

Alkoholiker bekommt trotz Rückfall Entgeltfortzahlung

Az.: 10 AZR 99/14 Wird ein Alkoholiker nach einer Entzugstherapie erneut rückfällig, hat er grundsätzlich einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Wenn man arbeitsunfähig krank ist, muss der Arbeitgeber nach dem Gesetz für 6 Wochen Entgeltfortzahlung leisten. Das ist allgemein bekannt, die wenigsten aber wissen, dass man dann kein Geld bekommt, wenn man die Erkrankung selbstverschuldet hat, also zum Beispiel eine absolute Risikosportart ausgeübt oder sich mutwillig in eine Schlägerei begeben hat. So entschied das Bundesarbeitsgericht auch in Bezug auf das Thema Alkoholismus, da Alkoholismus selbstverschuldet sei und deshalb ein Lohnfortzahlungsanspruch entfalle.

Was sagt das Bundesarbeitsgericht?

Wie es mit einem Alkoholiker aussieht, der immer wieder rückfällig wird und deshalb nicht arbeiten kann, beschäftigte sich das Bundesarbeitsgericht in dieser Entscheidung und rückte zugunsten des Arbeitnehmers von seinen alten Leitlinien ab. Ein Mitarbeiter war mit einer Alkoholvergiftung (4,9 Promille) bei völliger körperlicher und geistiger Bewegungslosigkeit in ein Krankenhaus eingeliefert worden, wo er intensivmedizinisch behandelt wurde. Es schlossen sich eine stationärer Behandlung und weitere Krankenhausaufenthalte über zehn Monate an.

Der Arbeitgeber verweigerte die Entgeltfortzahlung mit dem Argument, dass die Erkrankung vom Mitarbeiter selbsverschuldet sei. Nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichts, sei aber inzwischen allgemein anerkannt, dass Alkoholismus eine medizinische Krankheit sei. Dies hat zur Folge, dass eben nicht, wie vom Arbeitgeber vorgetragen, der Anspruch auf Entgeltfortzahlung wegen Selbstverschulden ausgeschlossen wird.

Deshalb entschieden die Richter vom Bundesarbeitsgericht anders als die Vorinstanzen und verurteilten das Unternehmen zur Entgeltfortzahlung.

[Bildnachweis: Andrey_Popov by Shutterstock.com]