Arbeitsrecht-Richter-Urteile
Peter Groll ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt. Für die Karrierebibel analysiert und kommentiert er in seiner Arbeitsrechtkolumne regelmäßig wichtige und aktuelle Urteile aus dem deutschen Arbeitsrecht. So bleiben Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Fach- und Führungskräfte stets über ihre Rechte informiert.

Hundefreies Büro?

Az.: 9 Sa 1207/13 Zwischen einer Angestellten einer Werbeagentur und ihrem Arbeitgeber herrscht Streit, ob diese ihren dreibeinigen Hund Kaya mit ins Büro bringen dürfe. Dies war über drei Jahre lang für den Arbeitgeber kein Problem gewesen. Auch andere Hunde der übrigen Mitarbeiter gesellten sich währende des Arbeitstages gerne im Büro dazu.

Nunmehr hat der Arbeitgeber einen Schlussstrich gezogen und die Anwesenheit des Hundes Kaya im Büro untersagt. Dieser knurre Kollegen an, sei zutiefst traumatisiert und zeige ein gefährliches und territorial-aggressives Verhalten gegenüber "eindringenden" Kollegen. Als Folge trauten diese trauten sich nicht mehr in das Hundebüro zu gehen, so der Arbeitgeber. Dadurch werde der betriebliche Arbeitsablauf erheblich gestört.

Die Angestellte verfolgte nunmehr gerichtlich die Durchsetzung ihres Anspruches auf Zutritt zu den Büroräumlichkeiten mit ihrem Hund. Hilfsweise beantragte sie, ihren Hund Kaya in einem 1,20 Meter mal 1,20 Meter großen Laufstall im Büro halten zu dürfen. Die Kosten des Laufstalls trage die Klägerin selbst. Die Angestellte sehe in dem Verbot, ihren Hund mitbringen zu dürfen, einen unverhältnismäßigen Eingriff in ihre Rechte. Sie trägt weiter vor, ihre Kolleginnen und Kollegen seien selbst verantwortlich für das aggressive Verhalten des Hundes. Schließlich haben diese die falschen Schuhe an und unterließen es nicht mit dem Papier zu rascheln, dadurch fühle sich der Hund provoziert und knurre die betreffenden Personen an.

Was sagt das Landesarbeitsgericht?

Die Richter des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf kam zu dem gleichen Ergebnis wie das Arbeitsgericht: Es gibt einen sachlichen Grund für die Änderung der Zusage, die ursprünglich die Mitnahme des Tieres gestattete. Die Mitarbeiterin dürfe den Hund nun nicht mehr mitbringen, denn sowohl andere Mitarbeiter als auch der Arbeitsablauf leiden unter der Anwesenheit des Hundes. Die Ausübung des Weisungsrechtes und damit verbundene Zusagen des Arbeitgebers können im Rahmen der Einzelfallabwägung auch nachträglich noch abgeändert werden.

Der arbeitsrechtliche Grundsatz der Gleichbehandlung könne zwar das Weisungsrecht des Arbeitgebers beschränken, trotzdem sei eine sachliche Differenzierung möglich. Diese sei vorliegend darin zu sehen, dass der Hund Kaya von den übrigen Mitarbeitern als Bedrohung gesehen werde, die anderen Hunde jedoch nicht. So sei zu rechtfertigen, dass zwar das grundsätzliche Mitbringen von Hunden in der Agentur gestattet sei, Kaya jedoch Daheim bleiben müsse. Auf die objektive Gefährlichkeit des Tieres kam es laut Landesarbeitsgericht gerade nicht an, das bloße subjektive Empfinden einer Bedrohung sei ausreichend. Auch ein Mobbingverhalten konnte das Landesarbeitsgericht in dem Verhalten des Arbeitgebers nicht erkennen.

Kaya muss daher künftig Daheim bleiben, um den übrigen Mitarbeitern ein angstfreies Arbeiten zu ermöglichen.

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