Groll’s Arbeitsrechtskolumne
Peter Groll ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt. Für die Karrierebibel analysiert und kommentiert er regelmäßig wichtige und aktuelle Urteile aus dem deutschen Arbeitsrecht. So bleiben Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Fach- und Führungskräfte stets über ihre Rechte und rechtliche Fallstricke informiert.
Eigenmächtig Urlaub genommen
Az.: 1 Ca 960/11 Der verrichtete seit 18 Jahren ohne Beanstandungen seine Arbeit. Dann wollte seinen Urlaub auf das nächste Jahr übertragen lassen. Doch der Chef lehnte ab. Da trat der Mitarbeiter verärgert und ohne Genehmigung eben so seinen Resturlaub von fünf Tagen an. Keine gute Idee! Das fanden auch die Richter am Arbeitsgericht Krefeld. Eine eigenmächtige Selbstbeurlaubung rechtfertige grundsätzlich auch ohne vorherigen Ausspruch einer Abmahnung die fristlose Kündigung. Nur eine umfangreiche Interessenabwägung konnte den Mitarbeiter am Ende davor bewahren – trotzdem wurde die Kündigung in eine Abmahnung umgewandelt.
Kündigung nach Wutausspruch
Az.: 8 Sa 361/10 Die Emotionen kochten hoch. Dann fiel der markige Satz: „Sie haben hier nichts mehr zu sagen, Ihre Zeit ist abgelaufen“, blaffte der Mitarbeiter seinen Chef an. Folge: fristlose Kündigung. Zu Recht, wie die Richter des Landesarbeitsgerichts Rheinland-Pfalz urteilten. Denn dabei handele es sich um eine erhebliche Missachtung des Arbeitgebers in dessen Arbeitgeberstellung. Der Chef könne hernach nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich der Arbeitnehmer künftig nicht mehr zu einem ähnlichen Fehlverhalten hinreißen lasse. Das Vertrauen, dass der Arbeitnehmer die Würde des Chefs zukünftig ausreichend respektiere, sei zerstört – und das Ende des Arbeitsverhältnisses damit begründet.
Bei Ankündigung krank
Az.: 10 Sa 308/10 Ein LKW-Fahrer weigerte sich kurz vor Feierabend noch eine weitere Tour zu fahren. Gleichzeitig machte er klar, er werde jetzt zum Arzt gehen, um sich krankschreiben zu lassen, da er seit Wochen schon trotz verletzten Fußes arbeiten würde. Der Arzt schrieb krank, der Chef kündigte fristlos. Geht nicht, erklärten das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz und hob die Kündigung auf. Dem Arbeitgeber mit Krankschreibung zu drohen, könne zwar eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Dies gilt jedoch nicht, wenn der Arbeitnehmer tatsächlich arbeitsunfähig ist. Dann nämlich besteht keine Pflicht zu arbeiten und der Arbeitgeber ist nicht berechtigt, von seinem Mitarbeiter eine Arbeitsleistung zu verlangen.
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Croaker
Alles drei traurige Beispiele wie sich das Arbeitsklima in den vergangenen Jahren in Deutschland verändert hat. Auch im eigenen Betrieb kann man zunehmend feststellen, dass es immer weniger Miteinander zwischen Mitarbeitern und Chefs gibt.
Bsp. 1 Wo zum Henker liegt das Problem Urlaub mit ins nächste Jahr zu nehmen wenn der Mitarbeiter es im aktuellen Jahr (vermutlich wegen Arbeit?) nicht geschafft hat diesen Abzubauen. Chef und Mitarbeiter hätten doch eigentlich nur vernünftig miteinander Reden müssen.
Bsp. 2 Ich frag mich was läuft im Verhältniss MA/Chef falsch das sich beide derartig angehen? So etwas passiert doch in den seltensten Fällen aus einer Laune heraus. Solche Sätze sind doch nur die Spitze eines Eisbergs bzw. der Ausbruch einer lange aufgestauten Frustration
Bsp. 3 Krank arbeiten, Überstunden bis zum Abwinken ist ja alles Problem, dass wird mitlerweile stillschweigend vorausgesetzt. Wenn ein MA dann mal die Notbremse zieht und sagt es geht nicht mehr, folgt die Fristlose Kündigung. Womit wir wieder bei Bsp. 2 und dem Wutausbruch wären.
Es ist traurig zu beobachten wie sich das Klima in der Deutschen Gesellschaft und Wirtschaft entwickellt. Dies ist im Umgang mit Kunden / Lieferanten spürbar und auch im Umgang mit MItarbeiter / Chefs. Das berühmt berücktigte Betriebsklima geht mit jeder neuen Restrukturierung, Neuausrichtung etc. weiter ein Stück weit den Bach runter.
Auch die steigende Zahl Burnouts, Mobbing unter MA, Bossing und innerer Kündigungen sind ein Alarmsignal das zwar gesehen wird, auf das aber wie mir scheint keiner Reagiert.
Lediglich vom angeblich steigenden Fachkräftemangel ist zu hören und zu lesen. Wie ist das im Zusammenhang mit den o.g. Themen wie innere Kündigung etc. zu bewerten? Ist es wirklich die Lösung Menschen in unseren Arbeitsmarkt zu holen, weil die hier ansässigen Verheizt werden bzw. gar keine Chance bekommen?
Croaker