Das Vorstellungsgespräch ist für viele Bewerber eine der wichtigsten Stationen auf dem Weg zum neuen Job. Hier zählen Persönlichkeit, Charakter und Auftreten mehr als geschliffene Formulierungen oder rhetorische Fähigkeiten. Verständlich, dass Bewerber im Gespräch den bestmöglichen Eindruck hinterlassen wollen. Doch um dieses Ziel zu erreichen, müssen Bewerber nicht jede Frage beantworten. Denn auch im Vorstellungsgespräch können und sollten Sie klare Grenzen ziehen.

Der eine oder andere mag jetzt den Kopf schütteln. Denn in der Vorstellung mancher Bewerber – und leider auch Personaler – dient das Vorstellungsgespräch dazu, möglichst viel über den Bewerber zu erfahren. Das ist jedoch nur teilweise richtig. Korrekt lautet der Satz: Das Vorstellungsgespräch dient dazu, die für den Job und das Unternehmen relevanten Informationen vom Bewerber zu erhalten. Das ist keineswegs eine rhetorische Spitzfindigkeit, sondern ein großer und wichtiger Unterschied. Auch wenn das Vorstellungsgespräch für die neue Stelle entscheidend sein kann, gibt es Themen und Bereiche, die den potentiellen Arbeitgeber schlicht nichts angehen.

Kompetenzen zeigen, über Privates schweigen

Ihre Stärken und Kompetenzen müssen Sie als Bewerber hervorheben. Auch Ihre Berufserfahrung, Ihre Erfolge und – wenn danach gefragt wird – Ihre Schwächen sollten Sie präzise und überzeugend darstellen können. Doch Ihr Privatleben müssen Sie nicht preisgeben. Ihre ehrenamtlichen Aktivitäten und sportlichen Interessen sind für den Personaler möglicherweise noch interessant. Doch Ihre Familienplanung, Ihr Freundeskreis, oder andere private Themen haben im Vorstellungsgespräch nichts verloren.

Leider sehen das manche Personaler ganz und gar nicht so. Sie stellen dann Fragen, die ganz klar auf den Privatbereich des Bewerbers abzielen und Themen berühren, über die Sie als Bewerber gar nicht sprechen wollen. In einem solchen Fall müssen Sie höflich aber bestimmt darauf hinweisen, dass es sich dabei um ein privates Themengebiet handelt, dass nichts mit Ihrem Job zu tun hat. Die meisten Personaler akzeptieren eine solche Antwort ohne Probleme. Stellt Ihr Gegenüber jedoch – trotz erneutem Hinweis Ihrerseits – weiter Fragen nach Ihrem Privatleben, müssen Sie deutlicher werden. Hier hilft meist die Gegenfrage, was diese Themen denn mit dem Job und der ausgeschriebenen Stelle zu tun haben. Spätestens dann merkt ein guter Personaler, dass er die Grenze überschritten hat.

Zeigen Sie Rückgrat

Gehen die Fragen trotz allem weiter, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, ob Sie bei einem Unternehmen arbeiten wollen, dass seine Mitarbeiter derart durchleuchtet. Der eine oder andere Personaler nutzt gezielte Fragen nach Ihrem Privatleben jedoch auch als Test. In diesem Fall zeigen Sie durch klare Grenzen Rückgrat und die Fähigkeit, eigene Standpunkte auch in unangenehmen Situationen zu vertreten. Vor allem für Führungspositionen ist diese Fähigkeit wichtig.

Sie sind Verhandlungspartner

Sollten Sie sich jetzt fragen, ob Sie es sich überhaupt leisten können, Grenzen im Vorstellungsgespräch zu ziehen, so ist die Antwort ein klares “Ja”. Vergessen Sie bitte nie: Auch wenn das Unternehmen wahrscheinlich die Wahl zwischen mehreren Bewerbern hat, sind Sie dennoch kein Bittsteller. Denn Sie haben etwas zu bieten: Ihre Arbeitskraft, Kompetenz, Erfahrung und Zeit. Das macht Sie zu einem Verhandlungspartner und als solcher dürfen Sie selbstbewusst auftreten. Dazu gehört auch, Grenzen zu ziehen.