Wenn Sie etwas in Ihrem Unternehmen verändern wollen, sagen nicht gleich, wie es besser geht – sagen sie, wie es nicht geht. Oder besser noch: Sagen Sie es möglichst negativ. Das klingt jetzt irgendwie schräg, funktioniert aber. Denn genau zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Ohio State Universität, die demnächst im Psychological Science Magazin erscheinen wird. Begründung: Da sich die Menschen gut mit bestehenden Systemen arrangieren – egal, wie schlecht die sind – müssen ihnen erst einmal ganz deutlich die Schwächen des Status quo aufgezeigt werden, um die Motivation etwas zu verändern zu erhöhen.

In ihren Experimenten dazu hatten die Studentin India Johnson und ihr Professor Kentaro Fujita von der Ohio State Universität Studenten mit unterschiedlichen Szenarien konfrontiert. Einmal ging es um einen Kommilitonen, der mit seiner Situation als Erstsemester an der Uni unglücklich war. Während nun einige der Probanden erzählt bekamen, es habe das System dennoch erfolgreich überwunden, wurde der anderen Hälfte berichtet, er sei gescheitert – würde aber immer noch hoffen, die Situation ließe sich verbessern.

In einem zweiten Versuch erhielten die Studenten die Information, die Uni habe eine Broschüre über den Zustand der Hochschule herausgegeben und sie könnten nun wählen, ob sie lieber die Passagen über die Stärken oder die Schwächen lesen wollten.

Mehr Leidensdruck, mehr Motivation

Sie ahnen wahrscheinlich schon, was passierte: Die Mehrheit interessierte sich für die negativen Seiten der Uni. Ebenso spornte das Scheitern des Kommilitonen mehr Probanden an, sich über die Missstände Gedanken zu machen oder etwas zu verändern.

Es ist eben so: Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, weil sie sich schneller und stärker verbreiten. Und wenn Menschen etwas verändern sollen, brauchen sie zuerst so etwas wie Leidensdruck. Dazu reicht es allerdings schon, wenn man ihnen diesen vor Augen malt, so der Tenor der Studie. Erst dann seien Menschen bereit, die negativen Aspekte oder Schwächen eines bestehenden Systems zu sehen und etwas zu verändern, so India Johnson.

Wenn Sie also das nächste Mal etwas in Ihrer Abteilung oder in Ihrem Umfeld an- oder umstoßen wollen, malen Sie ein bisschen mehr Schwarz als sonst. Das ist nicht immer einfach, Ihre Chancen aber damit einen Veränderungsprozess anzustoßen, wachsen so enorm.