So werden Sie eine gute Führungskraft
Ein Manager-Seminar und schon ist mir die Loyalität meiner Abteilung sicher, der Erfolg des Unternehmens gewiss. Ganz so einfach ist der Weg zur akzeptierten Führungskraft leider nicht. Was kann ich tun, um ein besserer Leader zu werden? Patentrezepte gibt es nicht, aber einige gute Hinweise. Wir haben vier wesentliche Punkte gesammelt ...

Führungskräfte: Superkräfte

Die jüngste Beobachtung zum Thema Leadership hat die Uni Melbourne gemacht. "Die gängige Meinung ist, dass Führungspersönlichkeiten, in Wirtschaft und Politik, auch anhand ihrer körperlichen Erscheinung ausgewählt werden und Größe mit einem besseren Leader assoziiert wird", so Professor Mark Elgar. Der Evolutionsbiologe verglich daher über 2.800 Athleten, die bei den Olympischen Sommerspielen von London 2012 in einer Mannschaftssportart wie Fußball, Basketball oder Hockey an den Start gegangen waren.

Die Zahlen, die sich ihm offenbarten, bestätigten diese Annahme allerdings nicht. Die Mannschaftskapitäne der einzelnen Teams waren keineswegs größer als ihre Kameraden. Aber: "In nahezu allen Sportarten waren die Spielführer erheblich älter als ihre Mannschaftskameraden, so dass Alter offenbar ein großer Faktor ist, wenn es um ihre Auswahl geht."

Zwar waren nun die Teams mit den ältesten Anführern keineswegs erfolgreicher. Aber sie handelten sich weniger Strafen ein, gelbe Karten zum Beispiel. "Also gibt es Vorteile, einen älteren Kapitän zu haben. Aus dem einfachen Grund, dass er oder sie anscheinend besser in der Lage ist, ein undiszipliniertes Team unter Kontrolle zu bringen", so Elgar. "Und langfristig könnte sich dieser Fakt auch in Team-Erfolg umwandeln."

Team-Leader mit 28

Diese Schlussfolgerung ist - zumindest im Sport - höchst zweifelhaft. Der Grundgedanke aber, dass man erst ab einem bestimmten Alter zum Leader taugt, kauft man ihm trotzdem gerne ab. Alter hat mit Erfahrung, Autorität, Wissen zu tun - das sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen für einen Käpt'n.

Problem: Am eigenen Alter drehen kann man nicht. Wer mit 28 zum jüngsten (beziehungsweise zweitjüngsten) Bundesliga-Cheftrainer aller Zeiten ernannt wird, der muss sich dieser Herausforderung auch ohne Weisheitsbonus stellen.

Wir haben deshalb einige Punkte zusammengestellt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), die man aktiv beeinflussen kann, um eine bessere Führungskraft zu werden ...

4 Tipps für angehende Leader

  1. Reflektieren

    Ärzten wird oft mangelndes Einfühlungsvermögen vorgeworfen. 33 junge Assistenzärzte hatte daher die Tufts University in Boston gebeten, im Laufe eines Jahres eine Art „offene Reflexion“ zu verfassen, über ihren Austausch mit den Patienten. Herausgekommen sind Aussagen wie diese: "Die Patientin (im Teenager-Alter) hätte mehr Vertrauen und Anteilnahme gebraucht. Ich habe mich gefragt, wie ich einen besseren Zugang zu ihr hätte finden können." Eine andere: "Ich habe ihm gesagt, dass diese Vorfälle auf Demenz hindeuten können. Er sah mich verständnislos an und sagte 'Vorfälle?' Ich realisierte, dass ich sowohl Fachsprache als auch zweideutige Sprache vermeiden musste." Und: "Ich bin an dem Punkt angelangt, wo ich Reflexion als langfristiges Ziel erachte."

    Reflexion kann Ärzten also im Umgang mit Patienten helfen, kann sie besser verstehen lassen, was Worte und Verhalten bewirken. Es ist offensichtlich, dass Mediziner nicht die einzigen Profiteure sind: Reflexion führt zu besseren, durchdachteren Entscheidungen - sehr oft zumindest. Nun bietet der Arbeitsalltag nicht immer die Gelegenheit, sich in die stille Kammer zurückzuziehen und ein Tagebuch zu führen. Eine andere Option wäre die Meditation. Am Freitag eine halbe Stunde meditieren, die Arbeitswoche Revue passieren lassen, hin und her überlegen. Eine (für viele) große Hilfe bei der Entscheidungsfindung.

  2. Delegieren

    „Wer seiner Führungsrolle gerecht werden will, muss genug Vernunft besitzen, um die Aufgaben den richtigen Leuten zu übertragen, und genügend Selbstdisziplin, um ihnen nicht ins Handwerk zu pfuschen.“ Das hat Theodore Roosevelt gesagt. Und er hat es immerhin in das Pantheon der US-Präsidenten geschafft, sein Abbild thront hoch oben am Mount Rushmore neben Washington, Jefferson und Lincoln. Ein Zeitgenosse von ihm, Stahltycoon Andrew Carnegie, sagte: "Niemand, der alles alleine machen oder den gesamten Ruhm dafür bekommen will, wird jemals ein großer Leader werden." Als Unternehmer mögen Sie noch so genial sein: Ohne Hilfe schaffen Sie es nicht.

  3. Ausklinken

    "Ohne Innovation wird Ihr Unternehmen untergehen." Ein Satz, den nahezu jeder Unternehmer schon einmal gehört haben dürfte. Um aber innovativ zu werden, ist es hilfreich, das eigene Unternehmen regelmäßig zu verlassen. Die einen legen sich in die Badewanne, um neue Ideen zu generieren. Andere gehen joggen, so wie die kanadische Bloggerin und Gründerin des Frauen-Netzwerks theli.st, Rachel Sklar. Fast Company sagte sie: "Wenn mein Gehirn ohne Ablenkung rotieren kann, kommen viele tolle Sachen dabei heraus. Duschen, Joggen, Walken sind meine besten Inspirationsquellen." Die beste Idee sei ihr in der Tat bei einem Spaziergang durch ihr Viertel in Downtown Manhattan gekommen. Wichtig ist nur, sich ständig mit Notebook oder Smartphone zu bewaffnen, um jede noch so kleine Eingebung festhalten zu können. Auch im Theater, beim Rafting, in der Schiffschaukel auf der Kirmes - einfach immer und überall.

  4. Teilen

    Die berühmt-berüchtigte Sheryl Sandberg von Facebook sagte vor einigen Jahren bei einem Event: "Ein großer Leader lobt alle anderen, wenn die Dinge gut laufen." Der entscheidene Einschub aber kam erst hinterher: "Und wenn nicht, dann fragt er: Wie kann ich es in Ordnung bringen?" Das ist die Theorie, die Praxis aber sieht so aus: Nur 37 Prozent der Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen sind der Meinung, ausreichend Feedback von ihren Vorgesetzten zu erhalten. Das hat eine Umfrage des Beratungsunternehmens Rundstedt im letzten Jahr ergeben. Und: Nur jeder fünfte Befragte gab an, dass sich Vorgesetzte umgekehrt Feedback zu ihren Leistungen und ihrem Führungsstil bei ihnen einholen. Kein Zeichen von übermäßiger Wertschätzung.

    Generell: Wer die eigenen Mitarbeiter lobt, bricht sich erstens keinen Zacken aus dem Krönchen - und verpasst ihnen zudem eine kräftige Dopamin-Spritze. Was sie selbstbewusster, glücklicher, motivierter macht. Ein einfaches und wirksames Mittel, das aber ebenfalls nur selten Anwendung findet. Vier von zehn Arbeitnehmern würden sich mehr Lob von ihrem Chef wünschen.

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