Ob Pressestelle, Marketingabteilung oder Kundenmanagement – kaum einer bezweifelt noch, dass Social Media nicht ein Sonderfall des Internets ist: Es ist das Internet! Ein Blick auf die SERPs, die Suchmaschinenlisten, reicht schon: Neben den Fundstellen tauchen die Profilbilder der Autoren auf, Bewertungen (etwa auf Google+) werden gleich dazu angezeigt. Öffentliche Einträge in Foren stehen gleichauf mit Blogs, Tweets, Presseorganen und Unternehmensseiten. Und zunehmend mehr Menschen informieren sich hauptsächlich über die Nachrichtenströme ihrer Freunde – sei es auf Twitter, Facebook oder Youtube. Oft sogar besser und schneller als über klassische Nachrichtenticker.

Der Schluss, den viele Unternehmen daraus ziehen, lautet: Auch wir müssen ins Social Web und dort eigene Präsenz zeigen. Sonst machen den Job andere – nur dann eben Kritiker und Wettbewerber. Der Gedanke ist richtig, die Umsetzung oft leider nicht. Nachdem Christian heute schon eine ausführliche Negativliste mit 66 Wegen, jeden Social Media Auftritt zu vergeigen, gepostet hat, muss jetzt natürlich noch die Positivliste folgen, sozusagen das kleine Einmaleins für jeden angehenden Social Media Manager. Oder wie wir es genannt haben…

Das Social Media ABC

  • Akzeptieren Sie, dass zwar alle Plattformen Social Media sind, Twitter aber eine völlig andere Kultur besitzt als etwa Facebook und dessen Bewohner wiederum gänzlich anders ticken als bei Google+. Deshalb sollten Sie niemals überall gleiche Inhalte veröffentlichen, sondern diese der jeweiligen Kultur anpassen – zum Beispiel mit Tipps und Links auf Twitter, Fotos und Umfragen auf Facebook und so weiter.
  • Beginnen Sie nie ohne Plan: Brauchen Sie wirklich eine Facebook-Seite – und noch dazu einen Twitter-Kanal, Google+, Pinterest, Youtube, ein Blog…? Und haben Sie auch die Zeit, Mitarbeiter und Inhalte, um all das über Jahre zu füllen? Oder reicht am Anfang nicht vielleicht doch jene Plattform, wo Sie vor allem Ihre Zielgruppe erreichen?
  • Charakter zeigt nicht nur, wer konstruktive Kritik stehen lässt und darauf reagiert. Zu einer Social Media Kultur gehört auch, dass der Hausherr die Einhaltung transparenten Netiquette wahrt. Das hat nichts mit Zensur zu tun, eher mit Kommunikations-Hygiene. Und die ist wichtig für eine vitale Community.
  • Design wird oft unterschätzt. Fehler! Gute Gestaltung hebt Sie von der Masse ab, erzählt eine eigene Geschichte und erleichtert die Kommunikation. Sparen Sie niemals an diesem Ende!
  • Ein Leitfaden, auch Social Media Guideline genannt, ist unumgänglich, wenn Mitarbeiter sich am Auf- und Ausbau der Social Media Kanäle beteiligen und im Netz engagieren sollen. Das aber ist ein kluge Idee, denn Mitarbeiter können wichtige und starke Markenbotschafter sein.
  • Fehler macht am Anfang jeder. Womöglich auch bei der Strategie. Daraus zu folgern, Social Media funktionieren nicht, wäre aber töricht. Der Hammer funktioniert ja auch noch, selbst wenn er mal den Finger statt des Nagels trifft.
  • Gags und Humor müssen ab und an sein, sie verleihen Ihrem Online-Auftritt die Würze und machen diesen menschlicher. Mit einer Ausnahme: Ironie. Denn: Ironie ist, wenn’s der Leser nicht versteht.
  • Helfen Sie anderen so oft Sie können. Nicht nur wegen des Reziprozität-Effekts. Es ist ein sozialer Akt – und genau darum geht es im Kern in Social Media.
  • Influencer – um kaum einen Begriff ranken sich so viele Mythen wie über die ebenso rare wie umworbene Gruppe der Menschen, die Meinungen, Trends und Hypes im Web scheinbar mühelos auslösen und beeinflussen können. Aber es stimmt: Solche Influencer sind stets wichtige Multiplikatoren. Und Sie gewinnen Sie vor allem, indem Sie ihre Autorität und Meinung wertschätzen, vorab informieren und deren Rat suchen.
  • Ja, Sie werden durch Social Media transparenter, Fehler sichtbarer, Nachahmer haben es leichter. Aber was steht dem Gegenüber? Auch Ihre Leistungen werden sichtbarer, die Verbesserungen; Sie binden die Kunden und Leser an sich – nicht an die Nachahmer. Und die Community gibt Ihnen viel zurück: Ideen, Reputationsschutz, Empfehlungen.
  • Kopieren Sie nicht, was andere schon machen. Seien Sie ein Original – und originell. Gerade für Viralmarketing gilt ein klarer First Mover Advantage.
  • Leider denken viele Unternehmen bei Social Media immer zuerst an die üblichen Verdächtigen: Facebook, Twitter, vielleicht noch Youtube. Corporate Blogs jedoch werden sträflich vernachlässigt. Dabei bietet ein eigenes, gepflegtes Blog viel mehr Potenzial für die Unternehmenskommunikation – beim Design, beim Einbinden und Teilen von fremdem Content, bei den eigenen AGB. Und Blogthemen und Ideen gibt es genug!
  • Managen Sie Ihren Social Media Auftritt möglichst selbst. Auch wenn die Versuchung groß ist, hierfür Agenturen einzusetzen. Solche Inhalte können nie wirklich persönlich sein, sondern allenfalls funktional. Und das wirkt irgendwann blutleer und halbgar. Verstehen Sie das nicht falsch: Agenturen können wunderbar unterstützen, aber das Momentum und das Herzblut muss von Ihnen selbst kommen.
  • Natürlich kommen auch Social Media nicht ohne ein bisschen SEO aus. Schließlich wollen Sie später mit Ihren Inhalten auch gefunden werden. Beziehen Sie etwaige Dienstleister dafür aber möglichst frühzeitig ein – am besten schon bei Design und Konzeption. Fehler, die Sie hier machen, sind später nur mit unnötig großer Anstrengung auszubügeln.
  • Organisieren Sie sich und ihre Zeit – und gegebenenfalls auch Ihre Redaktion gründlich. Sonst werden Sie scheitern. Social Media lassen sich eben nicht wieder mir nichts, dir nichts abschalten. Vor allem ein dreiteiliger, zunehmend detaillierter Redaktionsplan hilft: 1. Was sind die Highlights des Jahres? 2. Was machen wir konkret diesen Monat? Was erscheint nächste Woche wo und wie?
  • Posten Sie – insbesondere in der Startphase – Ihre Beiträge nach einem erkennbaren Rhythmus. Also etwa immer dienstags und donnerstags um 9 Uhr. So gewöhnen sich die Leser daran und es entsteht Neugier sowie eine Erwartungshaltung (die Sie bitte auch nicht enttäuschen sollten). Berücksichtigen Sie dabei allerdings die unterschiedlichen Rhythmen der einzelnen Kanäle: Fünf Tweets am Tag sind kein Problem, fünf Facebook-Postings täglich wirken schnell wie Spam.
  • Qualität geht sowieso immer vor Quantität. Auch wenn Sie meinen, mal wieder was posten zu müssen: Publizieren Sie bloß kein Zeugs. Die Marke verwässert so nur.
  • Respektieren Sie abweichende Meinungen, insbesondere konstruktive Kritik. Auch wenn es schmerzt: Bedanken Sie sich und lernen Sie daraus – sichtbar. Und kommunizieren Sie, während Sie lernen. So gewinnen Sie Sympathien.
  • Sich immer wieder neu ausrichten und anpassen zu können, ist ein wesentlicher Erfolgsschlüssel. Denn soziales Miteinander funktioniert nie nach starren Regeln. Menschen verändern sich, ebenso Gruppen und Communities.
  • Trolle und Hater gehören zu Social Media wie Kaugummis auf Gehwegen. Ignorieren Sie diese, solange es geht. Geht es nicht, reagieren Sie schnell und schmerzlos: löschen, blockieren. Hausverbot.
  • Unterschätzen Sie nie die suggestive Macht der Bilder! Alle großen Plattformen – Facebook (Instagram), Pinterest, Tumblr, Youtube – werden längst von Bildern dominiert. Kein Wunder: Sie sind leichter zu konsumieren – und dank moderner Smartphones, Tablets & Co. heute auch ebenso leicht zu produzieren und zu verbreiten.
  • Vergessen Sie Zahlen wie Anzahl der Fans oder Follower. Sie sagen wenig aus. Klar brauchen Sie am Anfang erst einmal eine relevante Größe, um Gehör zu finden. Danach aber zählt nicht die Größe, sondern die Stärke der Gemeinschaft: Engagieren sich Ihre Fans? Teilen sie Ihre Inhalte? Helfen sie sich untereinander? Entstehen so neue Impulse? Das zählt viel mehr.
  • Wo steht geschrieben, dass Social Media ausschließlich im Internet stattfinden muss? Eben! Realisieren und besuchen Sie daher unbedingt auch ein paar Offline-Events: Barcamps, Bloggertreffen, Twittwoche. Und sei es nur zum Netzwerken.
  • X-beliebige Posts und sogenannte Fake-Dialoge vom Typ: Heute ist Weltknuddeltag. Wen knuddelt ihr heute so? gibt es inzwischen leider zuhauf. Eine moderne Unart. Auch wenn es dafür ein paar Likes und Kommentare gibt – interaktiv und engagierend wird und wirkt es erst, wenn Sie auch auf die Kommentare eingehen und antworten. Sonst ist es auch kein Dialog, sondern Betteln um Aufmerksamkeit.
  • YEAH! *lol* ROFL ^_^ Zwinkersmiley OMG & co. gehören längst zur Websprache. Lernen Sie sie, aber setzen Sie diese bitte nur äußerst sparsam ein. Wesentlich seriöser und überzeugender ist zum Beispiel der professionelle Umgang mit sogenannten Hashtags.
  • Zuhören ist essenziell. Deswegen beginnt jedes Social Media Engagement zuerst mit Zuhören: Worüber wird gesprochen? Wie wird gesprochen und geschrieben? Was beschäftigt, was interessiert wen? Nur wer das weiß, versteht und erreicht seine Zielgruppe.