Dieses Jahr wird die Zahl der Unternehmen, die Social Media für sich entdecken und einsetzen noch einmal kräftig steigen. Das zeigt schon die seit einiger Zeit wachsende Nachfrage nach sogenannten Social Media Managern. Doch Halt! Bevor Sie mit irgendetwas davon loslegen, stellen Sie sich selbstkritisch ein paar Fragen (zur Orientierung).
Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit (deshalb dürfen Sie diese gerne per Kommentar ergänzen), beinhaltet aber aus meiner Sicht die beiden wichtigsten Themenfelder: Fragen zur Zielgruppe sowie Fragen zu den Inhalten. Schließlich ist das wichtigste Wort in Social Media der Begriff “Social” – also die Interaktion und Kommunikation mit anderen. Und dies geschieht in aller Regel über Inhalte. Statt den folgenden 25 Fragen können Sie sich allerdings auch nur eine einzige stellen: Was haben Sie wirklich Nützliches zu bieten? Denn darauf läuft es letztlich immer hinaus…
Fragen zur Zielgruppe
- Was soll der Einsatz von Social Media für unser Unternehmen erreichen?
- Was kann der Einsatz von Social Media für unser Unternehmen tatsächlich erreichen?
- Wie häufig kommunizieren wir heute mit unseren Kunden, Zulieferern, Mitarbeitern?
- Was würde/müsste sich durch Social Media daran ändern?
- Was würden diese Menschen von uns wissen wollen?
- Womit können wir Ihnen helfen?
- Woran ist unsere Zielgruppe noch interessiert?
- Worin läge für unsere Zielgruppe(n) ein echter Mehrwert?
- Können wir das zeitlich und personell leisten?
- Können wir das auch inhaltlich leisten?
- Wie möchte unsere Zielgruppe mit uns kommunizieren – über welche Medien(kanäle)?
- Wie gut kennen sich unsere Leute mit der Technik dazu aus?
- Sind wir geschult genug im Umgang mit Social Media und den jeweiligen Kommunikationsarten?
Fragen zum Inhalt
- Welche unserer Informationen sind es wert, weitergetragen zu werden?
- Welche Art von Informationen besitzen wir exklusiv und können diese dennoch teilen?
- Welches Hintergrundwissen über unsere Produkt können wir weitergeben?
- Was können wir besonders gut erklären?
- Welche Inhalte, die nicht von uns sind, können wir ebenfalls anbieten, um das Portfolio abzurunden?
- Mit wem können wir Interviews machen, Videos, Podcasts, die die Zielgruppe interessieren?
- Welche Inhalte sind besonders kontrovers, regen Diskussionen an?
- Welche Sprache, welche Stilmittel wählen wir dabei – und welche passen am besten zu uns?
- Welche Inhalte sind tabu, was muss weiterhin nicht-öffentlich bleiben?
- Wie können wir das gewährleisten?
- Wie viele Inhalte können wir maximal pro Woche/im Monat teilen?
- Was davon ist das Minimum für unsere Zielgruppe, ab wann ist sie davon genervt?
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Nicole Simon
Alles richtig, alles relevant – und genau die Art von Fragen die die meisten nicht beantworten können bzw. wollen. Das Spiel spielen wir schon seit Zeiten von neuen Computer / IT-Projekten und ich habe die Hoffnung aufgegeben, daß Kunden vorbereitet starten. Was dann auch ein Geschäftsmodell ist: Zusammen mit dem Kunden diese Fragen zu beantworten, zu strukturieren, zu dokumentieren. ;))
Jochen Mai
Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zum Schluss… Und genau: Wenn der Kunde sich die Fragen nicht stellt, ist es zumindest eine gute Checkliste für die anschließende Arbeit.
Fehlen denn noch Fragen aus deiner Sicht?
Sven Solterbeck
Lieber Herr Mai,
vielen Dank für diesen Fragenkatalog. Ich betreibe als Hobby ein Blog über IT-Ansätze im Luftverkehr und dort speziell Flughäfen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir erlauben, dass ich diesen Fragenkatalog in Englisch übersetze und in meinem Blog zitiere … sowie soweit nötig auch um die Besonderheiten der Branche ergänze.
Ich habe bei eigenen Recherchen festgestellt, dass bei Social-Media-Planungen insbesondere die Frage 11 deutlich unterschätzt wird.
Wichtig erscheint mir auch noch ein Aspekt zu sein. Wer bietet sich als Marken- oder Unternehmensbotschafter an? Das können Mitarbeiter oder auch Zulieferer/Dienstleister sein? Inwieweit werden Social-Media-affine Mitarbeitern eingebunden?
Viele Grüße,
Sven Solterbeck.
Alex
Aus einigen Business Cases kann ich nur bestätigen, dass die wenigsten Unternehmen tatsächlich eine Strategie hinter ihren Social Media Aktivitäten haben.
Zwar ist jedem bewusst, dass er diesen Zug keinesfalls an sich vorbeirollen lassen darf. Aber wie genau er aufspringen soll, das ist meiner Erfahrung nach den wenigsten klar. Auch nicht, was es bedeutet, sinnvoll Social Media für sich zu betreiben.
Da kommen diese 25 Fragen wie gerufen.
Jochen Mai
@Sven Solterbeck: Das dürfen Sie gerne tun. Immerhin fragen Sie vorher. Natürlich freue ich mich dann auch über einen Link sowie ein Update hier der von Ihnen dabei gewonnenen Erkenntnisse.
@Alex: Von irgendwas müssen die Social Media Berater ja auch leben…
Sven Solterbeck
Danke, Herr Mai, das mache ich. Zu Fragen, ist doch Ehrensache, wo Sie doch ein “gebranntes Kind” sind.
Mathias Priebe
Hallo Herr Mai,
diese Fragen treffen den Kern der Sache. Gehört verlinkt und das werde ich auch tun ;-)
Beste Grüße,
Mathias Priebe
Sean Kollak
Volltreffer!
Immer wieder erlebe ich Unternehmen, die auf den Social Media Zug aufspringen wollen, ohne sich diese Fragen zu stellen. Die Katastrophe ist vorprogrammiert.
Irgendwo habe ich gelesen, dass man nicht zu einem “Sozialen Unternehmen” wird, weil man in Social Media macht. Wer wirklich auf Augenhöhe kommunizieren will, muss sich besser früher als später mit seinem Gesprächspartner und dessen Erwartungen beschäftigen, sonst führt er einen Monolog – und macht sich in aller Öffentlichkeit lächerlich.
Astrid Schau
Danke für den hilfreichen Fragenkatalog! Aus meiner Sicht ist der von Sven Solterbeck angesprochene Aspekt “Marken- oder Unternehmensbotschafter” noch wichtig. Gibt es eine Personenmarke, an die sich anknüpfen lässt? Wenn nicht, wer eignet sich/hat Lust, als Stimme/Gesicht des Unternehmens in Erscheinung zu treten? Wenn das mit externen Dienstleistern geschieht, wie lässt sich das transparent kommunizieren?
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Sven Solterbeck
Überhaupt sollte man auch die Verwendung des Begriffes “Sozial” klarstellen. Die Angelsachsen verwenden “social” eher im Sinne von “gemeinschaftlich/vernetzt” als von “Gemeinwohl”, wie es im Deutschen naheliegt.
Pingback: 25 Fragen zum Thema Social Media von Jochen Mai | YIID Blog
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Katharina Weber
Ein wirklich sehr gelungener Fragenkatalog. Eventuell sollte man noch den folgenden Aspekt ergänzen: Ist man auch bereit sich mit Kritik auseinanderzusetzen? Denn gerade eine Kommunikation über Twitter, Facebook etc. birgt auch immer die Gefahr, ein direktes negatives Feedback zu erhalten. Das kann man dann nicht einfach ignorieren oder löschen, sondern muss sich damit beschäftigen – viele Unternehmen sind dazu aber leider nicht bereit..
Jochen Mai
Genau diese Haltung beweist aber nur das Unverständnis der Unternehmen: Die Kritik findet ja auch so statt. Nur wenn man sich ihr stellt, kann man sie auch moderieren. Und natürlich ist nicht alle Kritik gerechtfertigt – es gibt im Netz auch zahlreiche Miesepeter und Meckerlieseln. Sich dem zu stellen, schärft nur die eigene Wahrnehmung und verbessert die Kommunikationserfahrung und -kompetenz.
Katharina Weber
Da gebe ich Ihnen voll und ganz recht Herr Mai. Viele Unternehmen vergessen es nur leider diesen Aspekt rechtzeitig zu bedenken und sich darauf auch gezielt vorzubereiten.
Martina Nagell
ha ha Die Frage nach Thailand ist mein Favorit. Ein Vorstellungsgespräch könnte ja sehr stressig sein
Martina Bloch
Wunderbarer Fragenkatalog, vielen herzlichen Dank. Darf ich ihn und Sie bei einem Vortrag zum Thema Twitter und Co. zitieren?
Jochen Mai
@Martina: Das dürfen Sie gerne tun.
Martina Bloch
Danke schön.
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Max
Wenn man fragt: Bin ich “social”, d.h. könnte ich mich auf der Strasse mit meiner Zielgruppe unterhalten und habe ich überhaupt regelmäßig (permanent) Lust darauf… ? I.d.R. scheitert es ja bereits daran.