gpointstudio/ShutterstockSocial Media und Kommunikationsagenturen spielen in der heutigen Kommunikationslandschaft eine wichtige Rolle. Viele Unternehmen können oder wollen ihre Kommunikation - nicht nur in den sozialen Netzwerken - nicht komplett alleine stemmen suchen sich dafür kompetente Partner. Doch wie in jeder Branche sind Kompetenz und Fähigkeiten hier eher ungleichmäßig verteilt, was auch der zweifelhafte Ruf der einen oder anderen Agentur zeigt. Manche haben eben nicht die Interessen des Kunden und Auftraggebers, sondern primär den eigenen Profit im Blick und versuchen diesen mit allen Mitteln zu erreichen. Eine beliebte Strategie: Fehlende Kompetenz und mangelnde Vorbereitung durch leere Phrasen und Buzzwords zu überspielen. Willkommen zum Social Media Bullshit Bingo.

Social Media Bullshit Bingo: Die Dosis macht das Gift

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Für Unternehmen, die das erste Mal mit einer Agentur zusammenarbeiten, kann die Unterscheidung zwischen einem kompetent durchgeführten Meeting und einer Runde Social Media Bullshit Bingo dabei durchaus schwierig sein. Ein gesundes Denglisch ist im Agenturbereich völlig normal und kann für Aussenstehende, die mit der Branche nicht vertraut sind, grundsätzlich immer wie Bullshit Bingo klingen. Daher kommt es hier ganz klar auf die Dosis an. Englische Begriffe sind völlig okay - solange sie inhaltlich zum aktuellen Thema passen und eine klare Aussage enthalten.

Werden jedoch nur noch Buzzwords aneinandergereiht, wohlklingende Sätze ohne Inhalt gebildet und kommt in jedem dritten Satz ein Kompliment für die "tolle Vorarbeit" oder die "hervorragende Leistung" des Kunden vor, ist Vorsicht geboten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass hier gerade fehlende Kompetenz - oder schlicht mangelnde Vorbereitung - durch schönes Labern vertuscht werden soll. Ein oder zwei Runden Bullshit Bingo im Rahmen einer längeren Zusammenarbeit sind dabei in der Regel kein Zeichen mangelnder Qualität oder Kompetenz, an schlechten Tagen kann das auch der besten Agentur passieren. Doch wenn solche Meetings zur Regel werden, sollten Sie sich als verantwortlicher Social Media Manager oder Geschäftsführer ernsthaft fragen, ob das der richtige Partner für Ihr Unternehmen ist.

Bevor wir voll ins Social Media Bullshit Bingo einsteigen - das Sie natürlich mit einem gewissen Augenzwinkern lesen und nicht 100-prozentig ernst nehmen sollten - noch ein Kommentar zu einer weit verbreiteten Praxis: Immer mehr Unternehmen engagieren für den Erstkontakt mit Agenturen externe Social Media Berater und Strategen, die im Umgang mit Agenturen Erfahrung haben und bei der Kommunikation und Koordination helfen sollen. Diese Vorgehensweise kann sinnvoll sein - wenn Sie einen kompetenten Berater haben. Spielt dieser jedoch auch Bullshit Bingo mit Ihnen - die Begriff dürften denen der Agenturen auffallend ähneln - läuft der eigentlich gute Ansatz ins Leere und Sie verbrennen Geld. Sollten Sie also auf diesen Ansatz zurückgreifen, empfehlen wir Ihnen, sich für die Auswahl des passenden Beraters - und natürlich der Agentur - Zeit zu nehmen.

Das Bullshit Bingo fürs Agentur-Meeting


Kernkompetenz


Garantierter ROI


Influencer Relations


Innovativ


Unique


High Engagement


Benchmark


Hoch effektiv


Mehrwert


Konkurrenzlos


Trackrecord


Trend


Customer Relation


Sparringspartner


Herausforderung


Strategisch


Sind begeistert


Kultmarke


Highly emotional


Challengen


Customer driven


Proaktiv


Budgetorientiert


Maximaler Reach


Brainstorming

So erkennen Sie Bullshit Bingo

Wie gesagt sind diese Begriffe an sich durchaus sinnvoll und gehören zum Standard-Wortschatz der meisten Social Media und Kommunikationsagenturen. Unser Tipp: Fragen Sie ruhig nach, wenn Sie Aussagen nicht verstehen oder Ihnen bestimmte Erklärungen nicht schlüssig erscheinen. Begehen Sie keinesfalls den Fehler, unklare Formulierungen und Aussagen stehen zu lassen, weil Sie fürchten, sich durch eine Nachfrage zu blamieren. Vergessen Sie bitte nicht: Die Agentur ist Dienstleister für Ihr Unternehmen und es gehört zu ihrem Job, Ihnen Strategie, Konzept und Ausrichtung so nachvollziehbar und klar wie möglich zu kommunizieren. Handelt es sich bei einer inhaltlich sinnvollen Aussage einfach nur um Agentur-Slang, ist die verständliche Erklärung in der Regel kein Problem.

Beginnen die Mitarbeiter der Agentur bei der Erklärung jedoch zu schwimmen und ziehen sie sich immer weiter auf Buzzwords und Worthülsen zurück, ist das ein klares Zeichen für Social Media Bullshit Bingo und den Versuch, Lücken zu kaschieren. Neben den genannten Buzzwords gibt es auch einige Formulierungen, bei denen Sie hellhörig werden sollten. Auch hier gilt: Einige davon sind völlig normal und okay, doch eine Häufung kann als Warnzeichen dienen:

  • Die neue Ausrichtung bietet uns viel mehr Chancen... - Äh und wie sah das beim alten Ansatz aus?
  • Wenn alles klappt wird das richtig gut... - Das versteht sich wohl von selbst. Aber was, wenn etwas schief geht?
  • Das wird ein neuer Benchmark... - Klingt gut, aber was genau macht das Projekt zum Maßstab?
  • Das zahlt voll auf Ihre Marke ein... - Das soll es ja auch. Aber folgt jetzt noch eine Erklärung, wie und warum es das tut?
  • Davon sind wir ehrlich begeistert... - Und von den anderen Projekten und Ansätzen nicht?
  • Jetzt passt wirklich alles zusammen... - War bisher alles nur Flickwerk?

Sie merken: Wenn Sie jede dieser Formulierungen immer auf die Goldwaage legen würden, könnten Sie jedes Gespräch als Bullshit Bingo. Daher kommt es hier auf die Mischung an. Wenn sich Buzzwords häufen und zusätzlich immer mehr Floskeln im Gespräch auftauchen, sollten Sie vorsichtig werden und kritische Nachfragen stellen. Und bei einer Häufung solcher Meetings sollten Sie sich ernsthaft fragen, ob die jeweilige Agentur für Sie der richtige Partner ist.

Welche Buzzwords und Floskeln kennen Sie noch?