Twitter, Facebook, Google+, Linkedin, Xing, Pinterest – Die Liste der Sozialen Netzwerke ist lang und viele Menschen nutzen deutlich mehr als eine Plattform, um sich mit anderen auszutauschen und sich mit Informationen zu versorgen. Diese Vielfalt und die einfache Kommunikation sind zwei Faktoren, die Social Media für viele tausend Nutzer interessant machen. Doch es ist eben diese Vielfalt, die manchmal zu viel wird. In manchen Phasen fühlt sich der Einzelne von der schieren Masse der Informationen fast schon erschlagen, jede Benachrichtigung wird zum Stressfaktor und die sonst so geschätzte Kommunikation zur Belastung. Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann habe ich einen Vorschlag für Sie.

Wenn Sie jetzt an eine der in letzter Zeit populär gewordenen Internet-Fastenzeiten denken, muss ich Sie enttäuschen. Zugegeben, es klingt durchaus attraktiv: Alle Geräte ausschalten, die Sozialen Netzwerke ignorieren und sich völlige Ruhe gönnen. Das diese Strategie gegen die Informationsflut beliebt ist, überrascht nicht. Schließlich handelt es sich um den einfachsten Weg, allen Anfragen, Nachrichten und Tweets für einige Zeit zu entkommen.

Symptombekämpfung oder Ursachenforschung?

Das bedeutet allerdings nicht, dass eine solche Internet-Abstinenz auch die beste Strategie gegen die Informationsüberflutung ist. Denn wenn Facebook, Twitter, Google+ und all die anderen Netzwerke für Sie phasenweise zur Belastung werden, ist es mit abschalten nicht getan. Damit finden Sie zwar Ruhe und bekämpfen die Symptome Ihres Problems, doch die Ursachen gehen Sie so nicht an.

Dabei gibt es immer einen Grund dafür, dass aus dem gewohnten Informationsstrom eine Überflutung wird. Meist ändert sich die Frequenz und das Volumen der Kommunikation nicht. Es handelt sich oft um einen rein subjektiven Eindruck. Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen: Erstens ist es ein Problem der Wahrnehmung und vor allem des Umgangs mit den Informationen und zweitens können Sie etwas dagegen tun.

Filtern statt abschalten

Ein – temporärer – Verzicht auf Social Media kann einen weiteren Nachteil haben. In vielen Branchen und Berufen sind die Sozialen Netzwerke inzwischen wichtige Informationsquellen oder werden von den Mitarbeitern genutzt, um ihr Wissen auf dem aktuellen Stand zu halten oder nach einem neuen Job zu suchen. Schalten Sie jedoch ab, entgehen Ihnen so natürlich auch diese Informationen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich sage nicht, dass Sie jede Minute online sein müssen, um ja nichts wichtiges zu verpassen. Doch es gibt einen Mittelweg: aktives Filtern. Das funktioniert – genau wie eine Auszeit – allerdings nur, wenn Sie rechtzeitig damit beginnen. Konkret bedeutet das: Analysieren Sie genau, welche Faktoren den gewohnten Nachrichtenstrom zur Belastung werden lassen. Oft gehören dazu beispielsweise Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie, ein Projekt, bei dem Sie ohnehin schon viele Informationen aufnehmen müssen, der Druck eines nahenden Abgabetermins oder ähnliches. Erst wenn Sie wissen, was Ihre Stressoren sind, können Sie auch rechtzeitig reagieren.

Alle Netzwerke bieten mehr oder weniger ausgefeilte Filter an. In Google+ können Sie nur bestimmte Kreise verfolgen, in Facebook einstellen, wie viel Sie von welchen Nutzern sehen wollen und bei Twitter – je nach Client – bestimmte Hashtags ausblenden. Doch um diese Filtermechanismen sinnvoll einsetzen zu können, müssen Sie zuerst wissen, welche Quellen für Sie wichtig sind. Nehmen Sie sich daher bitte die Zeit und legen Sie auf Google+ entsprechende Kreise mit den Themen an, die für Sie essentiell sind. Auf Facebook definieren Sie, welche Kontakte und Seiten zu dieser Grupper gehören und auf Twitter ist es vielleicht mal wieder an der Zeit, die Zahl der Nutzer denen Sie folgen zu reduzieren und aufzuräumen. Fühlen Sie sich bereits überlastet, können Sie diesen Sortiervorgang auch nur grob durchführen. Dabei gilt: Filtern Sie lieber mehr als weniger, denn zu Beginn müssen Sie denn gefühlten Druck schnell reduzieren. Setzen Sie sich beispielsweise in Google+ ein Limit von 10 Nutzern, bei denen Sie noch mitlesen und wählen Sie diese mit Bedacht aus. Ebenfalls hilfreich: Deaktivieren Sie die automatischen Benachrichtigungen und rufen Sie Ihre Netzwerke nur zu festen Zeiten ab. Das muss kein Dauerzustand sein, doch als erste Hilfe Maßnahme ist es auf jeden Fall sinnvoll.

Langfristig bringt Ihnen das Filtern – wenn Sie Ihre Filterkriterien regelmäßig überprüfen und Ihre Auswahl kritisch hinterfragen – einen weiteren Vorteil: Sie entwickeln ein Gespür dafür, welche Informationsquellen für Sie wichtig sind und auf welche Sie verzichten können. Wenn Sie dieses Wissen dann konsequent anwenden, wird eine Informationsüberflutung bald kein Thema mehr für Sie sein. Und Sie können dennoch alle Vorteile der Social Media nutzen.