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Die besten Stellen werden über Vitamin B - also gute Kontakte - und/oder aufgrund einer hervorragenden Reputation besetzt. Bewerber tun daher gut daran, ihr Netzwerk aktiv auszubauen und Social Media für ihre Jobsuche zu nutzen. Neu ist diese Erkenntnis nicht (mehr), doch nach wie vor unterschätzen viele Bewerber die notwendige Arbeit, die in aktivem Networking und ebenso aktiver Kommunikation steckt. Denn eine strategische Social Media Jobsuche - gerne auch Bewerbung 2.0 genannt - ist viel mehr als die Nutzung von Facebook und anderen Netzwerken...

Social Media Jobsuche: Am Anfang stehen Profil und Themen

Ollyy / shutterstock.comZugegeben, es wirkt ein wenig seltsam, das Profil an den Anfang der Social Media Jobsuche zu stellen. Soll eben dieses Profil nicht erst durch Kommunikation und Netzwerkarbeit aufgebaute und geschärft werden? Doch, allerdings sollten Bewerber zwei Grundsätze von Anfang an im Blick haben:

  1. Klares Ziel-Profil - Bevor Sie sich an irgendeine Aktivität für die Social Media Jobsuche machen, sollten Ihr Ziel-Profil klar vor Augen haben. Nur wenn Sie wissen, welches Profil Sie aufbauen und gestalten wollen, können Sie Ihre Strategie und Aktivitäten entsprechend ausrichten.
  2. Klare Kern-Themen - Hand in Hand mit Ihrem Ziel-Profil gehen dann auch Ihre Kern-Themen. Hier handelt es sich um die Themen, mit denen Sie sich positionieren und für die Sie bekannt werden wollen. Sie ergeben sich aus Ihrem Ziel-Profil und prägen dieses in der Umsetzung natürlich auch.

Sind Ziel-Profil und Kern-Themen klar, steht die Auswahl der individuell passenden Netzwerke, Kanäle und Medien an. Denn auch wenn wir vom Karrierebibel Team Ihnen ein Bewerbungsblog als Zentrum Ihrer Social Media Jobsuche empfehlen, gibt es zahlreiche Netzwerke und Kanäle, die sich - je nach Branche - eignen.

Um deutsche Unternehmen - vor allem im Mittelstand - zu erreichen, eignet sich Xing beispielweise hervorragend. Sind Ihre Wunscharbeitgeber jedoch eher international ausgerichtet, sollten Sie sich intensiv mit Instagram befassen.

Wenn Bilder und Videos für Sie interessant sind, ist sowohl die Bewerbung über Youtube als auch die Nutzung von Instagram ein Thema. Für Instagram gilt: Teilen Sie Ihre Instagram-Bilder auch auf Facebook und/oder Twitter und sprechen Sie dort Ihre Wunsch-Unternehmen an. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie...

  • ... Bilder posten, auf denen Produkte der Unternehmen zu sehen sind.
  • ... Ihre Bilder in einen klaren Bezug zur jeweiligen Marke setzen können.
  • ... Bilder posten, die vom Unternehmensaccount retweetet oder geteilt werden.
  • ... regelmäßig Bilder diese Art posten und dem Unternehmen zukommen lassen.

Vorteilhafte Fotos der jeweiligen Produkte, Bilder des Firmensitzes, der entsprechenden Stadt oder Motive, die einen Bezug zum Unternehmen nahelegen, werden von Unternehmen gerne geteilt und genutzt. Wenn Sie solche Bilder regelmäßig - jedoch nicht täglich, das wäre definitiv zu viel - mit den jeweiligen Unternehmensaccounts oder Fanpages teilen, werden die früher oder später auf Sie aufmerksam. Kurzvideos auf Vine und Instagram lassen sich - mit einigem Aufwand - ebenfalls für die Bewerbung nutzen.


Der hier genannte Grundsatz gilt für alle Netzwerke:

Nur wenn Sie Wunsch-Unternehmen regelmäßig und kontinuierlich - jedoch nicht übertrieben oder nervig - ansprechen und auf deren Radar erscheinen, können Sie deren Aufmerksamkeit erregen.

SEO für Bewerber

Sowohl in Ihrem Online Lebenslauf als auch in Ihren Profilen - mehr Informationen und Tipps dazu finden Sie auch am Ende des Artikels - sollten Sie zumindest grundlegend auf die Suchmaschinenoptimierung achten. Das umfasst vor allem den Einsatz der passenden Keywords.

Was logisch klingt, scheitert oft an einem Problem: Die richtigen Keywords zu finden. Die folgenden Tipps können Ihnen genau dabei helfen:

  1. Jobtitel: Was haben Sie bisher gemacht? Schauen Sie sich an, wie entsprechende Stellenangebote in Jobbörsen getextet und formuliert werden. Ein Beispiel: Wenn derzeit vor allem Brand Manager gesucht werden, Sie selbst aber in der Vergangenheit vor allem als Online-Marketing Manager fungiert haben, ist es vielleicht hilfreicher seinen bisherigen Werdegang begrifflich anzupassen. Wenn Sie ganz korrekt sein möchten, können Sie in Klammern immer noch den damals tatsächlichen Titel ergänzen.
  2. Berufserfahrung: In der Regel werden Sie Ihre beruflichen Stationen tabellarisch auflisten: Januar 2011 - Dezember 2012. Soweit, so korrekt. Doch sucht kaum ein Personaler nach Datumsangaben, wohl aber nach einer x-jährigen Berufserfahrung. Nutzen Sie das, indem Sie beispielsweise in der Online-Version Ihres Lebenslaufs noch in Klammern dazu schreiben: Januar 2011 - Dezember 2012 (2 Jahre Berufserfahrung). Das sieht vielleicht erstmal komisch aus, so als könne der Personaler nicht selber rechnen, erfüllt aber seinen Zweck.
  3. Qualifikationen: Jetzt wird es tricky. Leider ist es so, dass Unternehmen keine einheitlichen Begriffe verwenden. Jede Branche hat da ihre eigenen Sprach-Codes für sogenannte Skills und Zusatzqualifikationen. Hier hilft dann nur der Blick auf die Unternehmens- oder Karriereseiten der infrage kommenden Arbeitgeber. Erstellen Sie sich eine Liste der dort meist verwendeten Beschreibungen und Kompetenzbegriffe, die am ehesten auf Sie zutreffen. Die bauen Sie dann in die Bewerbung ein. So beweisen Sie nicht nur, dass Sie dieselbe Sprache sprechen, sondern eben auch die meist gesuchten Qualifikationen besitzen.

Extra Tipp: Wenn Sie dann noch Ihren SEO-optimierten Lebenslauf hochladen und in Ihre oder eine andere Seite einbauen, denken Sie daran, das PDF richtig zu benennen: Lebenslauf_Max_Mustermann.pdf ist nicht falsch, aber auch nicht optimal. Solche Dokumente werden noch besser gefunden, wenn Sie entsprechende Keywords (den Jobtitel zum Beispiel) zusätzlich in den Dateinamen integrieren. Denn auch der ist SEO-relevant.

Es versteht sich von selbst, dass Sie es bei all dieser Optimierung nicht übertreiben. Denn auch das mögen Suchmaschinen gar nicht. Zugleich verliert die Bewerbung damit ihren Charme. Der Personaler soll am Ende ja immer noch das Gefühl haben, eine echte Perle selbst herausgefischt zu haben und nicht umgekehrt einem noch schlaueren Fischer ins Netz gegangen zu sein

Social Media Jobsuche: Kombinieren Sie Netzwerke

Das Beispiel von Christine Dingler alias punktefrau - oben sehen Sie die re:publica Session dazu - zeigt vor allem eines: Eine erfolgreiche Social Media Jobsuche basiert sowohl auf einem guten Netzwerk als auch dem kombinierten Einsatz verschiedener Netzwerke. Die Voraussetzung für Bewerbung von Christine Dingler können dabei als Prototype für die Social Media Jobsuche dienen:

  • Ein existierendes Blog. Zunächst einmal braucht es für die Bewerbung per Blog natürlich ein Blog. Ein No-Brainer könnte man meinen. Aber gemeint ist natürlich auch, dass das Blog überhaupt von anderen wahrgenommen wird. Es muss nicht nur existieren, sondern auch gelesen werden. Es ist ein bisschen so wie bei der Frage: Existiert das Geräusch eines fallenden Baumes im Wald, wenn keiner da ist, der es hört? So lässt sich auch bei der Bewerbung 2.0 fragen: Existiert sie überhaupt, wenn keiner da ist, der sie liest und teilt?
  • Eine Reputation für den avisierten Job. Ein Grundsatz gilt immer: Ohne die Basis fachlicher Leistung und nachweisbarer Ergebnisse ist die Jobsuche - auch via Social Media - aussichtslos. Durch Blogs und Social Media Kampagnen sollten Sie beweisen, dass Sie nicht nur kommunizieren, sondern auch virtuos auf der Klaviatur der Social Media spielen können. Sie besitzen also hohe Glaubwürdigkeit. Ihre Online-Auftritte müssen bei einer solchen Bewerbung 2.0 vor allem eines leisten: Sie müssen dokumentieren, dass Sie als Bewerber jene Qualifikationen besitzt, die für den Job gesucht werden.
  • Eine engagierte Leserschaft. Ohne Mitstreiter geht es nicht. Gerade nicht bei dieser Form der Bewerbung, denn sie setzt natürlich auf den Viral-Effekt, also Leser und Fans, die diese Jobsuche unterstützen, indem sie diese teilen und verbreiten oder durch Kommentare Resonanz und Referenzen schaffen. Christine Heller hat das seinerzeit sehr geschickt gemacht, indem sie ihre Jobsuche regelrecht "geseeded" hat. Heißt: Noch bevor der entsprechende Blogartikel online ging, hat sie einschlägige Blogger und Freunde informiert und so dafür gesorgt, dass gleich zum Start sofort einige wichtige Retweets, Shares und Blogbeiträge im Netz online gingen und die Kampagne sofort zünden konnte.
  • Assoziierte Social Media. Damit die Freunde, Fans, Leser und Unterstützer die Kunde von der Jobsuche verbreiten können, muss aber eben auch das Teilen der Nachricht so einfach wie möglich sein. An der Stelle sind Blogger enorm im Vorteil: Natürlich lassen sich Beiträge auch auf Facebook, Twitter oder Google+ teilen - aber eben nur innerhalb des Netzwerks selbst. Aus dem Blog heraus lassen sich Beiträge aber per Button eben auch in diverse Netze weiterleiten - der potenzielle Viral-Effekt ist damit ungleich höher.

Sind diese Voraussetzung - die beiden wichtigsten Grundlagen haben wir bereits eingangs genannt - geschaffen, müssen Sie "nur" noch regelmäßig qualitativ gute Inhalte bieten und sich in den relevanten Netzwerken engagieren. Dieses "nur" kann, wenn Sie Ihre Social Media Jobsuche neben einem regulären Job betreiben, ein großer Stolperstein sein. Doch Reputationsaufbau und Netzwerkarbeit brauchen Zeit und Energie, eine Abkürzung gibt es dafür nicht.

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No-Gos für die Social Media Jobsuche

Wie bei jeder anderen Form der Jobsuche und Bewerbung gibt es auch bei der Social Media Jobsuche No-Gos und Tabus, die Sie als Bewerber beachten sollten. Die 15 wichtigsten haben wir als PDF für Sie zum Download bereitgestellt.

Neben diesen Grundsätzen sollten Sie jedoch einen weiteren Aspekt beachten: Bei traditionell aufgestellten Unternehmen sollten Sie Social Media Jobsuche und klassische Bewerbungen - auch per E-Mail - trennen. Blog und Social Media Kanäle sollten Sie nur dann erwähnen, wenn das Unternehmen sich auch aktiv in den Netzwerken präsentiert und diesen aufgeschlossen gegenübersteht.

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