Das Wetter kann es uns nicht recht machen: Im Winter liegt nicht genug Schnee, der April war zu wechselhaft und spätestens, wenn bald die Temperaturen konstant die 20-Grad-Marke knacken, geht auch das Gemecker in den Büros wieder los: „Was für eine Affenhitze! – So kann ich nicht arbeiten.“ Wenn dann selbst offene Fenster, Erfrischen mit Wasser und Ventilatoren auf Hochtouren keine Erleichterung mehr verschaffen, ist die Versuchung groß, überflüssige Kleidungsstücke wegzulassen und mehr Haut zu zeigen. Aber geht das im Büro? Wir zeigen, wie sich die Kleiderordnung der warmen Jahreszeit anpasst und welche Sommertrends sie zulässt.

An dieser Stelle kann man sich mal wieder fragen, wer sich diesen Mist eigentlich ausgedacht hat. Denn brühende Hitze hin oder her: In vieler Hinsicht zeigt der Dresscode einfach kein Erbarmen. Und so bleiben viele eigentlich angenehme Kleidungsstücke weiterhin vom Arbeitsplatz verbannt. Leider. Vorweg muss man aber sagen: Es gibt zum Glück immer mehr Arbeitgeber, die ein Einsehen haben und ihren
Mitarbeitern wenigstens textilregelfrei geben. Nur: Wenn Sie partout nicht wissen, was erlaubt ist und was nicht – oder wenn Sie die strenge Etikette wahren müssen (etwa, weil Sie in einer konservativen Branche oder direkt mit Kundenkontakt arbeiten), dann empfiehlt es sich an diese klassischen Regeln zu halten:

Hüllen, die nie fallen dürfen

„Kleidung, die am Strand nicht auffällt, ist auf der Arbeit fehl am Platz“, fasst die Knigge- und Stil-Beraterin Christina Tabernig die Faustregel für den sommerlichen Dresscode zusammen. In diese Kategorie fallen ganz offensichtlich Sandalen, kurze Jeans und Röcke, die höher als eine Handbreit über dem Knie enden. Dass tiefe Ausschnitte und Spagettiträger nicht ins Büro gehören, versteht sich von selbst.

Aber selbst ärmellose Etuikleider oder hochgeschlossene Tanktops sind für das Arbeitsleben zu freizügig. „Schon nackte Schultern sind ein erotisches Signal, mit dem wir unbewusst Flirtbereitschaft andeuten. Deshalb sollten sie immer bedeckt sein, zumindest durch einen leichten Ärmel“, sagt Tabernig. Auch das genaue Gegenteil, völlige Bedeckung mit einem Maxikleid, fällt wieder in die Faustregel: eigentlich ein Strandlook, oder? Dasselbe gilt für die sehr angesagten Shorts mit Bundfalten. Die deuten zwar den Business-Look an, bleiben aber Shorts und somit Freizeitkleidung.

Genauso Sandaletten: Sie sehen zwar schick aus, gehören aber zur Kategorie “zu freizügig”. Offene Schuhe sowie (rote) Zehennägel sind der Entblößung einfach zu viel. Zudem lassen sie sich nicht mit einer Feinstrumpfhose kombinieren, die Sie selbst im Sommer bei Kundenkontakt unbedingt tragen sollten. Hier lohnt es sich, das Geld dann wenigstens in ein hochwertiges Produkt zu investieren, das selbst bei angenehm dünner Den-Zahl nicht reißt. Tipp von Tabernig: „Ziehen Sie die Strümpfe in den frühen Morgenstunden an, wenn es noch kühler ist. Den Unterschied im Laufe des Tages merken Sie kaum.“

Zudem sehr verlockend im Sommer: Leichte Leinenoberteile und -Hosen. Auch davon rät Tabernig ab: Die verknittern zu schnell im Sitzen und sehen danach (besonders am Po) latent unseriös aus.

Trotzdem kommt Frau dabei noch gut weg. Den Männern ergeht es noch schlechter. Ihnen bleiben nicht nur die meisten Trends im Arbeitsleben verwehrt – nein, auch im Sommer haben sie kaum eine Wahl: Die Hosen bleiben lang, die Ärmel dran und das Sakko an.

Gelockerte Vorschriften

Einzige Alternative: Wenn Sie nicht zu stark schwitzen und ein Hemd aus blickdichtem Stoff tragen, lässt sich zumindest das Unterhemd weglassen oder spezielle schweißaufnehmende Business-Unterhemden tragen. Für Extrem-Schwitzer gibt es noch Achselpads, die auf die Kleidung geklebt Schweißflecken verhindern sollen.

Bei einem entspannteren Dresscode und keinem Kundenkontakt können Sie auch ein kurzärmeliges Hemd oder Polo-Shirt wählen. Dann aber auf keinen Fall mit Krawatte oder Sakko: Stilbruch! Auch auf den Kragen sollte laut Tabernig auf keinen Fall verzichtet werden. Das aber gelte nur für die Herren. Frauen dürfen im Sommer durchaus hochwertige T-Shirts tragen. Tja Jungs, Pech gehabt. Sorry.

Aber nicht verzagen, es gibt noch einen Weg, sich bei hohen Temperaturen Erleichterung zu verschaffen, ohne den Dresscode zu verletzen: Helle Farben. Bei den Herren geht das mit Anzügen in Beige, hellem Grau, oder dieses Jahr besonders angesagt: im Wüstenlook mit Sandfarben. Modisch lässt der Sommer auch die etwas bunteren Farben für Hemden oder Blusen zu. Aktuell im Trend: Pastellfarben wie Zitrus, Mint, Flieder und Aprikot. Große Trendfarbe für 2012 ist zudem puristisches Weiß, allerdings wieder nur für die Frauen.

Und die haben noch einen zusätzlichen Sommer-Bonus durch luftige Schnitte und Stoffe, die in diesem Jahr ohnehin angesagt sind. Besonders modisch und gleichzeitig angenehm: Pettycoats im Fifties-Look, fließende Tuniken, Rüschen und Volants.

Tabernig rät beim Material allerdings von reiner Seide ab. Die nimmt den Schweiß zu schnell auf. Besser eignen sich Baumwoll-Seiden-Gemische. Aber Vorsicht: Unter diesen eher transparenten Stoffen nur weiße Tops tragen. Alles andere wirkt wieder zu erotisch.

Weitere Hitze-Hintertürchen: Tragen Sie Slingpumps statt komplett geschlossenen Schuhen. Wenn Sie gerade nicht im Kundenkontakt sind und gepflegte Beine ohne Makel haben, dürfen Sie die Strumpfhose ebenfalls weglassen. Außerdem können Sie seriöse Sommerkleider ohne Ärmel auch zur Arbeit tragen, wenn sie mit einen hochwertigen kurzärmeligen Cardigan oder Blazer geschlossen darüber getragen werden. Wenigstens das.

(Bildnachweis: Austin Reed, Orsay)