FerienlektüreGute Leser schaffen über 250 Wörter pro Minute. Das ist natürlich abhängig vom Text, dessen Inhalt, der eigenen Lust und Ablenkung von Außen. Im Urlaub gibt es viel Ablenkung: laute Nachbarn, spielende Kinder, fremde nackte Haut – insbesondere in Strandnähe. Trotzdem lesen die meisten Menschen mehr, wenn Sie Ferien machen.

Ich gehöre ebenfalls dazu. Bei meiner Strandlektüre fällt mir auf, dass ich vor allem lese, weil ich ein schlechtes Gewissen habe. Das ganze Jahr über bekomme ich Bücher zugeschickt, die ich rezensieren soll. Viele Bücher sind so schlecht, dass ich schon beim Anblick des Inhaltsverzeichnisses um Ablenkung bete. Andere Bücher sind eine einzige Netzhautpeitsche. Die heißen Fachliteratur. Es gibt aber auch Bücher, die verheißen gleich dreierlei Gutes: Aufschluss, Bildendes, Amüsantes. Weil es davon glücklicherweise mehr Bücher gibt, als ich im Alltag schaffe, nehme ich mir vor, diese Bücher im Urlaub zu lesen.

Mit diesem Vorsatz verhält es sich allerdings wie mit anderen Vorsätzen auch: Ich halte mich nicht konsequent daran. Tatsächlich schmökere ich allenfalls nur maximal zwei Gewissensbücher. Die andere Ferienliteratur lese ich allein zu Unterhaltungszwecken, weshalb ich später zwar weniger gebildet ins Büro zurückkehre, dafür aber amüsiert.

Ich habe irgendwo gelesen, das Lesen einmal „einzeln einsammeln“ bedeutete. Der Wortstamm ist heute noch in einigen Redewendungen enthalten. Wer etwas vom Boden aufsammelt, kann die Sache genauso gut auflesen; wer die besten Talente für sein Unternehmen rekrutieren will, initiiert meist einen Ausleseprozess; und wer die Leute höchstpersönlich auswählt, der hat hinterher nicht nur eine erlesene Truppe, sondern meist auch eine handverlesene.

Wenn Menschen Texte lesen, machen sie im Grunde nichts anderes als einzelne Buchstaben oder ganze Wörter aufzusammeln. Ich habe ebenfalls gelesen, dass wir dabei nicht jedes Wort einzeln fixieren. Lange und seltene Wörter benötigen je nach vorhandenem Wortschatz sogar mehrere Fixationen, damit wir es erkennen. Ich vermute, bei dem letzten Satz brauchten Sie auch ein paar Fixationen. Entschuldigung.

Für meinen baldigen Urlaub habe ich mir vorgenommen, möglichst nur Bücher zu lesen, die ohne Fixationen und Frustrationen auskommen. Da ich aber nicht schlauer bin als meine Leser, habe ich sie/Sie gefragt, was denn wohl die empfehlenswertesten Sommerbücher 2009 seien. Genauer: Ich habe das auf Twitter gefragt. Herausgekommen ist eine bunte Liste von rund 40 Büchern (siehe unten), von denen mich einige sicher demnächst zum Strand begleiten werden. Ich danke herzlich dafür!

Natürlich können auch Sie die Liste in den Kommentaren fortsetzen. Erstens bin ich ja noch nicht weg, zweitens lesen hier auch ein paar andere mit, so um die 10.000 am Tag. Die lesen bestimmt auch Bücher…

Sommer- und Strandbücher 2009 – Die Leserempfehlungen

twitter-t

  • David Gilmour: Unser allerbestes Jahr (@DagmarConsolati)
  • Marlen Haushofer: Die Wand (@patmosverlag)
  • Timothy Ferriss: Die 4-Stunden-Woche (@maxreport, @joergoyen)
  • Karen Rose: Todesbräute (@m_muehlhauser)
  • Nils Minkmar: Mit dem Kopf durch die Welt (@quadro)
  • Irene Dische: Ein Job (@SueWestCom)
  • William Trevor: Felicias Reise (@SueWestCom)
  • Roberto Saviano: Gomorrha (@alexdomene)
  • Keith Ferrazzi: Never eat alone (@Thomas_J)
  • Rajaa Alsanea: The Girls of Riyadh (@PersonalPraxis)
  • Andrea Russo: Gefühlsecht (@Scherzinfarkt)
  • Jeffery Deaver: Der Täuscher (@Scherzinfarkt)
  • Aravind Adiga: The White Tiger [Eine fantastische Aufsteigergeschichte aus Indien] (@smatthes, @wigansalazar)
  • Delphine de Vigan: No & ich (@Tiffylein)
  • Caprice Crane, Catrin Lucht: Von jetzt auf gleich (@Tiffylein)
  • Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt (@lucassius)
  • Martin Suter: Der letzte Weynfeld (@UlrikeSchmid)
  • Mia Morgowski: Kein Sex ist auch keine Lösung (@EurowebGroup)
  • Jens Wonneberger: Gegenüber brennt noch Licht [Obskure, gut recherchierte Voyeurs-Story aus Sicht eines BfA-Mitarbeiters] (@corvus_albus)
  • Dan Brown: Das verlorene Symbol (@Saschagrafie)
  • Carlo Manzoni: Der Finger im Revolverlauf (@joergoyen)
  • Don Winslow: Pacific Private [Furioser Surfer-Krimi] (@frank_riedel)
  • Ralf Bönt: Die Entdeckung des Lichts [Kein typisches Strandbuch, aber sehr gut] (@fst)
  • Orson Scott Card: Das große Spiel (@Pfuscher)
  • Andrej Kurkow: Picknick auf dem Eis und Pinguine frieren nicht (@Phuxxx)
  • Michael Lentz: Pazifik Exil (@Leopom)
  • Chris Anderson: Free (@lermann)
  • Danny Goldberg: Bumping Into Geniuses (@lermann)
  • Simon Beckett: Leichenblässe (@consero)
  • Stefan Klein: Zeit, der Stoff aus dem das Leben ist (@consero)
  • Claas Triebel: Der Übergang (@Maennig)
  • Moritz Netenjakob: Macho Man (@ABuschmeier)
  • Bruno Martin Walker: Chef de police [Buch mit Guter-Laune-Garantie: Trüffel, Käse, Wein, Sonne und eine Leiche] (@buchh_mackensen)
  • Tobias Wolff: Das blaue vom Himmel (@knipsbuex)
  • Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent (@Networkerin)

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