Souveraen-bleiben- praesentieren-cool
Angenommen, Sie halten einen Vortrag vor Kollegen oder eine Präsentation vor Kunden. Natürlich wünschen Sie sich, dass alles wie am Schnürchen läuft. Doch stattdessen werden Sie durch unangemessene Sprüche unterbrochen oder mit kritischen Fragen bombardiert. Manche gehen gar unter die Gürtellinie oder zielen darauf ab, Sie zu diskreditieren. Wie jetzt richtig reagieren? Wir zeigen Ihnen, wie Sie dabei souverän bleiben und dumme Sprüche gekonnt ausmanövrieren...

Störenfried im Publikum: Der Auftritt macht die Präsentationen

Eigentlich haben Sie alles richtig gemacht. Doch während des Vortrags passiert es: Der Chef oder ein typischer Querulant unterbricht Sie, stellt rhetorische Rückfragen oder kommentiert sofort den Inhalt oder Vortragsstil. Kann passieren - und wirft so manchen ungeübten Redner aus der Bahn, eben weil es so unerwartet kommt.

Genau darin liegt schon der erste Konter-Trick: Rechnen Sie einfach generell damit, dass so etwas passieren kann, spielen Sie ein paar richtig unangenehme Situationen durch und überlegen Sie, was Sie dazu sagen könnten... Schon bringt Sie der Zwischenruf so leicht nicht mehr aus dem Konzept.

Und bei der Gelegenheit stellen wir Ihnen auch gleich ganz typische dumme Sprüche vor, die kommen können - sowie Vorschläge, wie Sie darauf reagieren.

Als Faustregel gilt aber in jedem Fall: Immer gelassen bleiben und weiterhin auf den roten Faden des Vortrags konzentrieren.

Dumme Sprüche bei einer Präsentation souverän parieren

  • Sieht für Sie so ein ein gelungenes Outfit aus?

    • Gemeint ist: Sie sehen so aus, als würden Sie gleich auf eine Party gehen.
    • Auslöser: Sie standen am Morgen vor Ihrem Kleiderschrank und haben noch darüber sinniert, was das richtige Outfit ist. Aus Angst, overdressed zu sein, haben Sie sich für eine legere Variante mit Blazer entschieden. Ihrer Meinung nach, reichen Blazer beziehungsweise Sakko in Kombination mit einer Jeans für eine interne Präsentation aus.
    • Richtige Reaktion: Im ersten Moment ist Ihnen die Aussage Ihres Chefs peinlich, denn damit hat er die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf Ihr Outfit gelenkt. Zwangsläufig schauen Sie nun alle an. Wahrscheinlich ist Ihnen das unangenehm und Sie beginnen an Ihrer Kleiderwahl zu zweifeln. Schauen Sie nicht verschämt zu Boden und weichen den Blicken der anderen aus. Die falsche Taktik ist es auch, sich zu rechtfertigen oder zu entschuldigen. Sehen Sie Ihrem Chef direkt und selbstbewusst in die Augen und sagen Sie zum Beispiel: Aus Ihrer Sicht ist dies gut möglich. Ich empfinde es aber passend. Mit dem ersten Teil beschwichtigen Sie Ihren Vorgesetzten, doch Sie stehen gleichzeitig zu Ihrer Entscheidung.
    • Fehler vermeiden: Beobachten Sie Ihre Kollegen. Wie kleiden sich diese im Büroalltag und wie kleiden sie sich für Präsentationen. Das kann Ihnen als Orientierung dafür dienen, was in Ihrem Unternehmen als overdressed und was als underdressed empfunden wird.
  • Dafür, dass Sie noch grün hinter den Ohren sind, treten Sie ganz schön flott auf.

    • Gemeint ist: Ihr Ton gefällt mir gar nicht.
    • Auslöser: Es ist Ihre erste Präsentation. Sie sind neu im Unternehmen oder befinden sich gerade am Anfang Ihrer Karriere. Noch können Sie nicht auf einen breiten Erfahrungsschatz und auch keine große Reputation zurückgreifen. Sie wollen einen guten Eindruck bei Chef und Kollegen hinterlassen. Das setzt Sie enorm unter Druck und Sie sind nervös. Damit Ihnen niemand diese Nervosität ansieht, treten Sie übertrieben selbstbewusst auf, fast schon arrogant. Ihre Kollegen und Ihr Chef haben Ihre Vortragsweise oder Ihre Argumente als unangemessen empfunden.
    • Richtige Reaktion: Ohne es zu wollen, haben Sie damit Sympathien verspielt. Diese gilt es nun wieder zurückzugewinnen. Lächeln Sie aufmunternd in die Runde. Gestehen Sie ein, dass Sie noch Berufsanfänger sind. Falls Sie kühne Thesen geäußert haben, schwächen Sie diese ein wenig ab. Zeigen Sie sich kompromissbereit und einsichtig. Gerade, wenn Sie sich am Anfang Ihrer Karriere befinden, macht es keinen guten Eindruck, als Besserwisser aufzutreten.
    • Fehler vermeiden: Versuchen Sie möglichst natürlich aufzutreten. Rufen Sie sich vor der Präsentation in Erinnerung, dass niemand so gut vorbereitet ist, wie Sie. Sie brauchen nicht nervös zu sein. Vermeiden Sie lediglich persönliche Angriffe auf Kollegen sowie übertriebene Kritik an der Arbeit des Unternehmens oder Ihrer Kollegen.
  • Sprechen Sie Chinesisch? Ich verstehe nicht, was Sie uns hier erzählen wollen.

    • Gemeint ist: Reden Sie gefälligst Hochdeutsch mit mir!
    • Auslöser: Entweder Sie verwenden zu viele (oder schlimmer: falsche) Fachbegriffe oder haben während des Vortrags den Faden und Ihre Zuhörer verloren. Alles, was jetzt noch herauskommt, ist wildes Gestammel oder Bullshit-Bingo galore. Sie reden einfach weiter - und sich selbst um Kopf und Karriere. Bei Verunsicherung und Panik, greift das Gehirn gerne auf gewohnte Verhaltensweisen zurück. Sprechen Sie üblicherweise Dialekt, fallen Sie in solchen Situationen meist auch in diese Gewohnheit zurück.
    • Richtige Reaktion: Kurz innehalten, entschuldigen und den Fauxpas einfach weglächeln. Atmen Sie tief durch oder trinken Sie einen Schluck Wasser. Danach sammeln Sie sich und starten einen neuen Versuch, Ihre Gedanken auszuformulieren.
    • Fehler vermeiden: Üben Sie Ihren Vortrag möglichst oft. Es wird Ihnen dabei helfen, Sicherheit zu erlangen. Achten Sie dabei darauf, die spätere Präsentation so realistisch wie möglich nachzustellen. Schreiben Sie sich Karteikarten mit Gedankenstützen, die einen Blackout verhindern. Achten Sie bereits beim Üben darauf, auf Hochdeutsch zu sprechen - laut!
  • Nun kommen Sie schon zum Punkt!

    • Gemeint ist: Sie labern.
    • Auslöser: Sie referieren zu einem komplexen Thema. In Ihrem Bemühen, den Sachverhalt so exakt wie möglich wiederzugeben und alle Facetten darzustellen, holen Sie viel zu weit aus. Sie versorgen Ihre Zuhörer mit Informationen und Details, die diese gar nicht brauchen.
    • Richtige Reaktion: Nehmen Sie die Kritik an und gehen Sie darauf ein. Besinnen Sie sich kurz auf den Kern Ihrer Aussage und geben Sie diesen noch einmal präzise wieder. Was Ihr Gegenüber in solchen Situationen von Ihnen hören will, ist ein Merksatz. Beginnen Sie beispielsweise mit: Mein Punkt ist... oder Damit meine ich...
    • Fehler vermeiden Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche. Komplizierte Sachverhalte sind viel schwerer zu verstehen, wenn man nur zuhört. Achten Sie daher auf verständliche und einfache Worte - visualisieren Sie Ihre Botschaften aber auch. Gerade hier spielen Powerpoint, Keynote & Co. ihre Stärken aus. Versorgen Sie den Zuhörer und Zuschauer nur mit Bildern und Informationen, die er benötigt. Am besten ist: Pro Folie nur ein Bild und Merksatz.
  • Offenbar kennen Sie unser Unternehmen nicht, sonst würden Sie das nicht sagen.

    • Gemeint ist: Sie zerstören meine Komfortzone; viel zu revolutionär!
    • Auslöser: Sie sind es Leid, immer wieder die gleichen Wege zu gehen. Sie sind es Leid, dass Projekte immer wieder auf die gleiche Art und Weise angepackt werden und Sie sind es Leid, Kunden immer wieder die gleichen Maßnahmen anzubieten. Deswegen haben Sie sich entschieden, es wird Zeit für etwas Neues. Dazu haben Sie gleich ein paar kernige Vorschläge vorbereitet.
    • Richtige Reaktion: Die Aussage Ihres Gegenübers signalisiert Skepsis, aber auch Kränkung. Denn vermutlich versuchen Sie gerade einen Zopf abzuschneiden, der ihrem Gegenüber ganz gut gefällt. Lassen Sie sich davon weder verunsichern noch provozieren. Gehen Sie nicht auf den Vorwurf ein und überhören Sie diesen geflissentlich. Jetzt sollten Sie erst recht sachlich bleiben und Ihre stärksten Argumente vorbringen. Fallen Ihnen auf Anhieb keine ein, stellen Sie die Gegenfrage: Warum sind Sie der Meinung, dass mein Vorschlag nicht funktioniert? Damit ist Ihr Gegenüber erst mal wieder am Zug.
    • Fehler vermeiden: Bereiten Sie sich auf Einwände vor. Bei Veränderungen wird es immer Skeptiker geben. Darauf müssen Sie sich einstellen. Der Mensch verlässt nur ungern gewohnte Pfade, weil er sich damit in unsicheres Terrain begibt. Versuchen Sie, bei Ihren Vorschlägen proaktiv Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen. Antizipieren Sie vorher, welche Einwände Ihre Zuhörer haben könnten und überlegen Sie sich Gegenargumente.
  • Hören Sie mal, in Ihrem Kopf mag das logisch sein, aber ich bin hier draußen!

    • Gemeint ist: Das wirre Zeug ergibt einfach keinen Sinn.
    • Auslöser: Sie kennen Sich in einem Thema gut aus. Zu gut vielleicht. Nun halten Sie einen Vortrag und sprechen einfach drauf los. Sie kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen, erzählen zu diesem Punkt etwas, springen zum nächsten, dann fällt Ihnen wieder etwas zu einem vorherigen Punkt ein und Sie ergänzen.
    • Richtige Reaktion: Besinnen Sie sich noch einmal auf das Ziel des Vortrags. Fragen Sie sich: Warum sitzen diese Menschen hier? Was interessiert sie? Womit erleichtere ich ihnen die Arbeit? Oft reicht es schon aus, wenn Sie die zweite Frage für sich beantworten. Konzentrieren Sie all Ihre Aussagen darauf. Und machen Sie aus dem Vortrag und Monolog jetzt einen Dialog, indem Sie Zwischen- und Rückfragen erbitten, um Ihre Aussagen zu präzisieren. Wenn alle etwas beisteuern können, sind sie mit der Ergebnis ohnehin zufriedener.
    • Fehler vermeiden: Strukturieren Sie Ihren Vortrag. Betrachten Sie den Wissenshintergrund Ihrer Zuhörer. Die sind im Zweifel deutlich weniger tief im Thema als Sie. Also nehmen Sie diese erst einmal mit ins Boot. Erklären Sie wichtige Fachbegriffe und Kausalitäten. Und versuchen Sie der Präsentation - egal, wie kurz - eine klassische Dramaturgie zu geben: kurze Einleitung, Analyse, Fazit.
  • Sie würden uns einen Gefallen tun, wenn Sie zum Ende kämen.

    • Gemeint ist: Sie reden schon viel zu lange.
    • Auslöser: Sie selbst sind begeistert von der Thematik und wollen diese nun von allen Seiten darstellen. Ohne es zu merken, überziehen Sie die vereinbarte Redezeit.
    • Richtige Reaktion: Nehmen Sie die Kritik an. Beenden Sie kurz den Gedanken, den Sie ausführen wollten. Danach fassen Sie die Kernaussagen Ihres Vortrags noch einmal kurz und bündig zusammen, leiten in die Diskussion ein oder übergeben das Wort dem Leiter der Sitzung. Falls Sie wichtige Punkte auslassen mussten, bieten Sie an, diese in der schriftlichen Ausfertigung hinterher allen Anwesenden zur Verfügung zu stellen.
    • Fehler vermeiden: Trainieren Sie Ihr Zeitgefühl. Halten Sie den Vortrag zuhause, stoppen Sie die Zeit und schauen Sie, wie lange Sie brauchen. Legen Sie danach ein bestimmtes Zeitfenster fest und disziplinieren Sie sich dieses auch einzuhalten. Haben Sie das einige Male trainiert, werden Sie auch während der Präsentation keine Probleme mehr haben, in der Zeit zu bleiben. Bedenken Sie: Man kann über alles reden - nur nicht über eine halbe Stunde.
[Bildnachweis: funkyfrogstock, alphaspirit by Shutterstock.com]