Sport ist Mord, aber Teamsport macht teamfähig. So jedenfalls die beiden klassischen Klischees über die regelmäßige körperliche Ertüchtigung. Und so schmücken denn auch viele Bewerber ihren Lebenslauf gerne mal mit dem subtilen Hinweis, dass sie im Verein Fußball, Volleyball, Basketball, Hockey spielen oder Cheerleading machen. Der Subtext: Ich bin kein Einzelkämpfer, sondern rackere fürs Team, kann mich einfügen und bin obendrein gesellig. Personaler würden es auch den Nachweis für soziale Kompetenz nennen – und würden irren.

Wer Sport treibt, besitzt nicht automatisch eine höhere soziale Kompetenz. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Hochschule Osnabrück, die damit ein typisches Credo der Personalauswahl entkräftet. Der Studienautor und Experte für Diagnostik und Personalauswahl Professor Uwe Kanning sagt darin ganz klar: Einen Zusammenhang zwischen sozialer Kompetenz und sportlichem Engagement gibt es nicht:

Im Lebenslauf wird die Angabe, sportlich aktiv zu sein, von vielen Arbeitgebern gern gesehen und gilt als Indikator für soziale Kompetenz. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass Mannschaftssportler teamfähiger sind als Einzelsportler.

Mannschaft oder Einzelsport macht keinen Unterschied

Insgesamt 360 Probanden füllten für die Untersuchung einen Fragebogen aus, bei dem ihre sozialen Kompetenzen gemessen wurden und ob sie sportlich aktiv sind – entweder in einer Mannschaft oder in einer Einzelsportart. Beim anschließenden Abgleich mit einer sogenannten Normstichprobe von 4000 Menschen ließen sich jedoch keinerlei signifikante Unterschiede feststellen. Oder kurz: Sportler unterscheiden sich in keiner Weise von Menschen, die keinen Sport treiben – jedenfalls nicht im Hinblick auf ihre Teamfähigkeit.

Der Wirtschaftspsychologe rät Unternehmen daher, bloß keine Bewerber auszuladen, nur weil im Lebenslauf der Hinweis auf irgendeine Mannschaftssportart fehlt. Kanning:

Das kann eine klare Fehlentscheidung sein. Und angesichts der in vielen Branchen insgesamt schrumpfenden Auswahl an Bewerbern sollten Personaler nicht voreilig handeln.