laechelnZum Auftakt jenes Abends gab es ein Menü von Spargelschaumsüppchen, Jakobsmuschelfilets und Lardo und zu alledem sehr viel trockenen Rotwein, sodass sich diese erste vorsichtige Begegnung, die er mit hochtrabenden Gesprächen eingeleitet hatte nun allmählich im rotblauen Schummerlicht des Restaurants in tanninhaltige Komplimente verflüssigte. Während er noch seinen Gedanken beim Verklären zuschaute, schenkte sie ihm ein spontanes Lächeln. Es war ein warmes Lächeln, nicht zu flüchtig, aber auch nicht so konkret, dass es ins Maskenhafte erstarren könnte. Er hielt inne. Für eine Sekunde war da nichts. Nur Schweigen. Und ein bezauberndes Lächeln. Er mochte sie. Ja, er mochte sie auf einmal wirklich, und obwohl er sie gar nicht recht kannte, war er überwältigt von ihrem zarten Gestus und ihrer stummen Sympathie…

So könnte eine romantische Kurzgeschichte beginnen. Vielleicht auch eine kitschige. Man kann das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich entscheiden. Für Sozialpsychologen aber wäre der Fall trotzdem längst klar: typisch Akzeptanzresonanz. Dieses Phänomen besagt, dass Sympathie eine Art selbsterfüllende Prophezeihung ist. Wenn wir glauben, dass uns ein anderer Mensch mag, dann verhalten wir uns demjenigen gegenüber meist automatisch freundlicher und wärmer, mit dem Effekt, dass uns unser Gegenüber anschließend tatsächlich mehr mag. Umgekehrt: Wenn wir uns bei der entgegneten Sympathie unsicher sind oder gar Zurückweisung fürchten, verhalten wir uns reservierter und kühler – und riskieren tatsächlich einen Korb.

Zugegeben, dabei handelt es sich um eine recht simple Kausalität – aber auch um eine, die erklären kann, warum sich manche Menschen auf Anhieb mögen oder eben nicht. Oder warum einige Menschen stets beliebter sind als andere.

Dazu gibt es ein bemerkenswertes Experiment des Psychologen Danu Anthony Stinson von der Universität von Waterloo, bei dem er 28 Männer zu einem Blinddate mit einer attraktiven Frau einlud. 14 seiner Probanden erzählte er, dass die Frau sehr nervös und aufgeregt sei, ob die Männer sie wohl attraktiv finden würden. Den anderen 14 schwitzenden Jungs gab er nur ein paar demografische Daten über ihr Blinddate. Zwar kann man davon ausgehen, dass wohl alle 28 Männer mit klammen Händen zum Rendezvous erschienen, aber nur die erste Gruppe fühlte sich angesichts der Nervosität ihrer Begleiterin augenblicklich besser und verhielt sich fortan selbstbewusst, aufgeschlossen, freundlich und spürbar warmherziger (was wiederum einen deutlich anziehenderen Effekt auf die Frau hatte – auch wenn die eingeweiht war).

Das faszinierende an diesem Versuch ist, dass er nicht nur bestätigte, was die Forscher längst vermuteten: Dass Menschen, die glauben von anderen akzeptiert und gemocht zu werden, sich Fremden gegenüber reflexartig so verhalten, dass sie tatsächlich akzeptiert und gemocht werden. Der Versuch offenbarte auch die Existenz von sogenannten sozialen Optimisten. Diese Extremtypen kommen ganz ohne Manipulation aus und haben ein solch unerschütterliches Selbstvertrauen, beliebt zu sein, dass sie in Konsequenz zu regelrechten Natursympathen avancieren (im Gegensatz zu den sozialen Pessimisten, die entsprechend einsam bleiben). Bei dem Versuch gab es einige Männer, denen Stinson und sein Team gar nichts sagen musste, sie verhielten sich unabhängig davon offen und warmherzig gegenüber der Fremden – und schnitten am besten ab.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Sie zu einem Gutteil beeinflussen können, wie sympathisch Sie auf andere wirken – und zwar nicht nur bei einem Rendezvous, sondern genauso im Job. Letztlich ist das natürlich eine Binsenweisheit, eine, die im Alltag allerdings oft untergeht und die Volksmund längst kennt als: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.