Spitznamen: Namen sind Nachrichten!
Namen sind Nachrichten. Das gilt auch für Spitznamen im Büro. Denn manchmal sagen sie mehr über das Standing eines Kollegen im Team aus, als sich der Erfinder bewusst macht. Weiß der Träger eines Beinamens von diesem, handelt es sich in aller Regel um eine harmlose Neckerei. Anders sieht es jedoch aus, wenn man keinen Schimmer von seinem Spitznamen hat. Das bedeutet häufig nichts Gutes...

Jeder Spitzname transportiert eine Wahrheit

Die Hierarchien im Berufsleben sind in vielen Bereichen flacher geworden, heutzutage wird mehr und mehr geduzt. Das macht die Zusammenarbeit familiärer und vertrauter. Die Lockerheit im Büro verführt manchmal dazu, Kollegen Spitznamen zu verpassen. Wenn man sich schon lange kennt, ist die Hemmschwelle besonders niedrig.

Doch das ist eine Wanderung auf einem schmalen Grat. Denn jeder Kosename transportiert eine Wahrheit, die für den Träger einen negativen Beigeschmack haben kann. Verniedlichungen stempeln ihn beispielsweise als Weichei ab.

Ein Beispiel: Ein Macher scheint Kollege Putziwutzi von vornherein schon mal nicht zu sein. Doch dieser erste Eindruck kann trügen. Ungücklicherweise ist kürzlich einfach nur sein eigentlich lustig - und alles andere als ernst gemeinter - Kosename der Liebsten durchgesickert und sorgt nun für Furore. Das kann im schlimmsten Fall zu Lasten der beruflichen Rolle gehen. Gerade, wenn Neulinge von dem Spitznamen erfahren, ohne die eigentlichen Hintergründe zu kennen.

Wer den Chef dagegen als "Wärter" abstempelt, schlägt einen anderen Ton an:

  • Mit diesem Zeitgenossen sind Gespräche auf Augenhöhe nicht zu führen.
  • Das letzte Wort hat immer er.
  • An Spaß bei der Arbeit ist ohnehin nicht zu denken.
  • Ein rauer Ton ist an der Tagesordnung.

Verbotene Spitznamen sind besonders verführerisch

Minerva Studio/shutterstock.comSolche Spitznamen kursieren meist im Geheimen. Intern mag das lustig sein, gleichzeitig bewegt man sich mit solchen Aussagen jedoch auf dünnem Eis. Was ist zum Beispiel, wenn der Wärter Wind davon bekommt?

Solche Demütigungen hängen lange nach. Kurzum: Bei diesem Thema ist Vorsicht geboten. Aber gerade das macht die Angelegenheit offenkundig auch so verführerisch. Verbotenes reizt bekanntlich am meisten.

Und so ist es auch erklärbar, warum die Liste der kruden Spitznamen, die in Büros kursieren, schier endlos ist. Hier eine kleine Auswahl:

  • Abteilungssirene: Hier hat jemand eine nur allzu deutlich wahrnehmbare Stimme.
  • Bildschirmschoner: PC-Benutzung ist dem Kollegen eher fremd, er schont ihn und lässt andere machen.
  • CCO (Chief Copying Officer): Ein Kollege der alten Garde, das papierlose Büro ist ihm kein Begriff. Stattdessen wird alles kopiert und ausgedruckt, was ihm auf digitalem Weg in die Finger kommt.
  • Clownfrühstücker: Der Kollege liebt Witze. Allerdings kann nur er darüber lachen.
  • Mailbomber: Fan von Rundmails mit großzügigem Verteiler.

Manche Spitznamen sind wie Ehrentitel

Und dann gibt es noch Spitznamen, die wie Ehrentitel sind, und in der Regel nicht hinter vorgehaltener Hand die Runde machen. Der Problemlöser zum Beispiel. Selbst wenn das für den jeweiligen Kollegen eine Auszeichnung sein mag - auch dieser Beiname hat seine Schattenseiten. Schließlich impliziert er für den Rest des Teams, dass dieser Koryphäe keiner das Wasser reichen kann. Unter Umständen ein Dämpfer für die Motivation.

Dass Spitznamen in den Büros die Runde machen, lässt sich wohl kaum verhindern. Aus psychologischer Sicht haben sie sogar durchaus ihre Berechtigung.

  • Sie dienen dem Dampfablassen über Vorgesetzte und Kollegen, die als unangenehm oder spleenig erlebt werden.
  • Kollektives Lästern oder Spotten erzeugt eine Art Gemeinschaftsgefühl.

Doch es ist ratsam, die Spottnamen sehr dosiert und in einem überschaubaren Kreis zu verwenden. Nichts ist blöder, als wenn ein Teammitglied dem Chef steckt, dass ihm schon seit längerer Zeit das Etikett des Underperformers anhängt. Für den, der den Stein ins Rollen brachte, kann das unangenehme Folgen haben - mindestens im zwischenmenschlichen Bereich.

Auch sollten Spitznamen niemals verschriftlicht werden. Die Gefahr besteht, dass der Betroffene im Verlauf eines Projektes einem E-Mailverteiler hinzugefügt wird. Unschön, wenn er beim herunterscrollen in einer der älteren Nachrichten nachlesen kann, wie sein Team ihn nennt. Dann könnte der Underperformer möglicherweise zum Abteilungs-Sanierer werden.

Vorsicht bei humorlosen Spitznamenträgern

Die große Frage ist immer, wie viel Fähigkeit jemand besitzt, über sich selbst zu lachen, sobald er von seinem Beinamen erfährt. Betroffenen sei geraten, Größe zu bewahren.

  • Klug ist, wer sich Selbstironie bewahrt und die Souveränität besitzt, mit seinem Spitznamen zu leben.
  • Dann ist die Chance auch am größten, dass den Lästereien der Kollegen die Luft ausgeht. Schließlich macht es keinen Spaß, sich lustig zu machen, wenn es den Betroffenen nicht im Geringsten zu stören scheint.
  • Wie es innerlich aussieht, ist eine andere Sache. Aber im Grunde hat der Träger eines Beinamens nur eine Chance: Durchalten, bis der Spuk vorbei ist.

Doch zu verharmlosen ist das Ganze auch nicht. Bei manchen Spitznamen ist die Grenze zum Verbalmobbing oder Sexistischen durchaus erreicht. Wer seine Kollegin vor allen anderen regelmäßig dummes Blondchen oder Püppchen nennt, überschreitet eindeutig die Grenzen des guten Geschmacks.

Betroffene sollten sich wehren, um dem Einhalt zu gebieten. Fruchtet das offene Gespräch nicht, sind der direkte Vorgesetzte und die Personalabteilung die richtigen Anlaufstellen. Ein erster Schritt könnte eine Mediation sein. In besonders schlimmen Fällen kann auch eine Abmahnung ausgesprochen werden.

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