Spitznamen: Namen sind Nachrichten!
Nomen est omen und so sind mit jedem Namen immer auch Nachrichten verbunden, die von der Umwelt sehr gezielt wahrgenommen werden. Das gilt auch für Spitznamen im Büro. Denn manchmal sagen sie mehr über das Standing eines Kollegen im Team aus, als sich der Erfinder bewusst macht oder vielleicht sogar beabsichtigt. Weiß der Träger eines Beinamens von diesem, handelt es sich in aller Regel um eine harmlose Neckerei, einen Insiderwitz, über den alle Beteiligten gemeinsam lachen und schmunzeln können. Anders sieht es jedoch aus, wenn jemand keinen Schimmer von seinem Spitznamen hat. Das bedeutet häufig nichts Gutes...

Wie entstehen Spitznamen?

Spitznamen gibt es in der unterschiedlichsten Varianten. Die einen wünschen sich eine neue Version des eigenen Namens, weil Sie sich dann cooler vorkommen oder das Gefühl haben, zu einer Gruppe dazuzugehören. Andere hoffen nichts sehnlicher, als einen unliebsamen Spitznamen endlich wieder loszuwerden und einfach nur mit Vornamen angesprochen zu werden.

Die Entstehung von Spitznamen ist ebenso individuell wie der Umgang mit diesen. Ein kreatives Genie ist dabei in der Regel nicht nötig, die meisten Spitznamen werden durch die immer gleichen Methoden gebildet: Abkürzungen, Änderung des Ende eines Namens oder eine Kombination aus diesen beiden. Aus Josephine wird nur noch Fine, Karolina wird zu Karo, Andreas heißt fortan Andi und Matthias wird Matze.

Hinzu kommen dann noch Verniedlichungen, um dem Spitznamen auch wirklich den letzten Schliff zu verleihen. Neben diesen eher klassischen Spitznamen, die direkt auf dem Vornamen basieren, gibt es aber auch andere, die sich eher auf ein besonders markantes körperliches Merkmal beziehen. Ausbleibender Haarwuchs bringt gerne einen Spitznamen wie Locke ein, blonde Haare und entsprechendes Verhalten sorgen für den Kosenamen Barbie und auch die Körperfülle eines Menschen ist immer wieder Anlass für Spitznamen - sowohl dick als auch dünn.

Zu guter Letzt gibt es in beruflicher Hinsicht noch die Möglichkeit, die die meisten Arbeitnehmer gerne vermeiden möchten: Ein privater Spitzname macht plötzlich auch im Job die Runde. Vielleicht gab es ein gemeinsames Essen unter Kollegen und dem Partner ist ein Hasi rausgerutscht und schon ist Kollege Hasi auch im Büro Gesprächsthema Nummer Eins.

So facettenreich die Entstehung von Spitznamen auch sein kann, so gilt doch immer wieder: Kaum jemand weiß wirklich, woher der Name genau kommt, wann und wo er entstanden ist und zum ersten Mal verwendet wurde. Das ändert allerdings nichts daran, dass Spitznamen eine gefühlte Ewigkeit anhaften und dabei zum Teil große Wirkung entfalten.

Jeder Spitzname transportiert eine Wahrheit

Die Hierarchien im Berufsleben sind in vielen Bereichen flacher geworden, heutzutage wird mehr und mehr geduzt. Das macht die Zusammenarbeit familiärer und vertrauter. Die Lockerheit im Büro verführt manchmal dazu, Kollegen Spitznamen zu verpassen. Wenn man sich schon lange kennt, ist die Hemmschwelle besonders niedrig.

Doch das ist eine Wanderung auf einem schmalen Grat. Denn jeder Kosename transportiert eine Wahrheit, die für den Träger einen negativen Beigeschmack haben kann. Verniedlichungen stempeln ihn beispielsweise als Weichei ab.

Ein Beispiel: Ein Macher und Entscheidungstreffer scheint Kollege Putziwutzi von vornherein schon mal nicht zu sein. Doch dieser erste Eindruck kann trügen. Ungücklicherweise ist kürzlich einfach nur sein eigentlich lustiger - und alles andere als ernst gemeinter - Kosename der Liebsten durchgesickert und sorgt nun für Furore. Das kann im schlimmsten Fall zu Lasten der beruflichen Rolle gehen. Gerade, wenn Neulinge von dem Spitznamen erfahren, ohne die eigentlichen Hintergründe zu kennen.

Wer den Chef dagegen als Wärter abstempelt, schlägt einen anderen Ton an:

  • Mit diesem Zeitgenossen sind Gespräche auf Augenhöhe nicht zu führen.
  • Das letzte Wort hat immer er.
  • An Spaß bei der Arbeit ist ohnehin nicht zu denken.
  • Ein rauer Ton ist an der Tagesordnung.

Verbotene Spitznamen sind besonders verführerisch

Solche Spitznamen kursieren meist im Geheimen. Intern mag das lustig sein, gleichzeitig bewegt man sich mit solchen Aussagen jedoch auf dünnem Eis. Was ist zum Beispiel, wenn der Wärter Wind davon bekommt?

Solche Demütigungen hängen lange nach. Kurzum: Bei diesem Thema ist Vorsicht geboten. Aber gerade das macht die Angelegenheit offenkundig auch so verführerisch. Verbotenes reizt bekanntlich am meisten.

Und so ist es auch erklärbar, warum die Liste der kruden Spitznamen, die in Büros kursieren, schier endlos ist. Hier eine kleine Auswahl:

  • Abteilungssirene: Hier hat jemand eine nur allzu deutlich wahrnehmbare Stimme.
  • Bildschirmschoner: PC-Benutzung ist dem Kollegen eher fremd, er schont ihn und lässt andere machen.
  • CCO (Chief Copying Officer): Ein Kollege der alten Garde, das papierlose Büro ist ihm kein Begriff. Stattdessen wird alles kopiert und ausgedruckt, was ihm auf digitalem Weg in die Finger kommt.
  • Clownfrühstücker: Der Kollege liebt Witze. Allerdings kann nur er darüber lachen, alle anderen sind sich einig, dass er einen absolut schrecklichen Humor hat.
  • Mailbomber: Fan von Rundmails mit großzügigem Verteiler.

Spitzname im Job: Was tun?

Spitzname im Beruf Spitznamen für Kollegen Was tunEinen Spitznamen im Büro können Sie sich in der Regel nicht aussuchen. Es wird keine Liste aufgehangen, aus der Sie sich den neuen Wunschtitel aussuchen können, den Sie für sich am passendsten finden. Vielmehr wird er Ihnen verpasst und kann plötzlich auftreten und sich unter den Kollegen wie ein Lauffeuer verbreiten. Verhindern lässt sich das nur schwer, zu gut funktioniert der Flurfunk an den meisten Arbeitsplätzen. Aber wie sollten Sie sich dann verhalten?

Die beste Reaktion Ihrerseits hängt dabei immer von der genauen Situation ab. Handelt es sich um einen sehr verletzenden Spitznamen, der nur darauf abzielt, Sie zu diskreditieren oder sich über Sie lustig zu machen, können Sie versuchen, über der ganzen Sache zu stehen und sich nicht auf das Niveau herabzulassen. Dies gilt allerdings nur bis zu einem gewissen Grad. Fällt der Spitzname schon in den Bereich des Mobbings, sollten Sie dagegen vorgehen und falls nötig auch den Chef einschalten.

Ist Ihr Spitzname hingegen eher harmlos und macht Ihnen nicht viel aus, sollten Sie eine andere Strategie verfolgen: Lernen Sie, über sich selbst zu lachen und den Spitznamen nicht so ernst zu nehmen. Damit beweisen Sie wahre Größe und demonstrieren Selbstbewusstsein, mit dem Sie andere beeindrucken - auch jene, die Ihnen mit dem Spitznamen vielleicht eins auswischen wollten.

Spitznamen können auch loben und positiv sein

Und dann gibt es noch Spitznamen, die wie Lobgesang sind und in der Regel nicht hinter vorgehaltener Hand die Runde machen. Der Problemlöser zum Beispiel, ebenso der Computerprofi, die gute Seele des Büros oder auch der Teamplayer. Selbst wenn das für den jeweiligen Kollegen eine Auszeichnung sein mag - auch dieser Beiname hat seine Schattenseiten. Schließlich impliziert er für den Rest des Teams, dass dieser Koryphäe keiner das Wasser reichen kann. Unter Umständen ein Dämpfer für die Motivation.

Dass Spitznamen in den Büros die Runde machen, lässt sich wohl kaum verhindern. Aus psychologischer Sicht haben sie sogar durchaus ihre Berechtigung.

  • Sie sind ein Ventil für die eigene Wut, wenn der Kollege die eigenen Nerven wieder einmal überstrapaziert und Sie ihm am liebsten an den Kragen gehen würden. Besser ist es, ihm dem Spitznamen des Nervtöters zu verpassen und den eigenen Blutdruck wieder herunterzufahren.
  • Klingt gemein, doch wer sich gemeinsam Spitznamen ausdenkt und diese im Geheimen verwendet, stärkt den Zusammenhalt und baut eine engere Beziehung zu den Kollegen auf - natürlich nur zu denen, die nicht den Spitznamen erhalten.

Doch es ist ratsam, die Spottnamen sehr dosiert und in einem überschaubaren Kreis zu verwenden. Nichts ist blöder, als wenn ein Teammitglied dem Chef steckt, dass ihm schon seit längerer Zeit das Etikett der Trantüte oder der Entwicklungsbremse anhängt. Für den, der den Stein ins Rollen brachte, kann das unangenehme Folgen haben - mindestens im zwischenmenschlichen Bereich.

Auch sollten Spitznamen niemals verschriftlicht werden. Die Gefahr besteht, dass der Betroffene doch eine Mail in CC erhält und sieht, wie er hinter seinem Rücken genannt wird.

Vorsicht bei humorlosen Spitznamenträgern

Die große Frage ist immer, wie viel Fähigkeit jemand besitzt, über sich selbst zu lachen, sobald er von seinem Beinamen erfährt. Es kann noch so humorvoll und im Grunde nett gemeint sein, wenn jemand einfach nicht darüber lachen kann, ist der Spaß mit Spitznamen schnell vorbei und es droht dicke Luft im Büro.

Denken Sie deshalb immer daran: Was Sie für einen witzigen Spitznamen halten, findet der Betroffene vielleicht alles andere als lustig oder fühlt sich davon angegriffen, ausgeschlossen oder gar gemobbt. Ein Spitzname sollte deshalb immer als Kosename verwendet werden, eine Nettigkeit, die zwei Personen verbindet. Sobald aber ein Name nur heimlich verwendet wird, sollten Sie sich fragen, ob es den Ärger wert ist.

Hilfreich ist auch: Versetzen Sie sich in die Lage des anderen. Fänden Sie es gut, einen solchen Spitznamen angedichtet zu bekommen? Als Außenstehender haben Sie zwar gut reden, aus der Perspektive des Spitznamenträgers fühlt es sich ganz anders an, vom gesamten Büro nur noch mit einer Verniedlichung des eigenen Namens angesprochen zu werden. An Respekt am Arbeitsplatz ist dann nicht mehr zu denken.

Wenn Sie einen Spitznamen einfach nicht loswerden, hilft meist nur noch Augen zu und durch. Je weniger Sie darauf eingehen, desto schneller geht den Lästereien der Kollegen die Luft aus und es kann wieder ein normales Verhältnis entstehen. Schließlich macht es keinen Spaß, sich lustig zu machen, wenn es den Betroffenen nicht im Geringsten zu stören scheint.

Wie es innerlich aussieht, ist eine andere Sache. Belastet die Situation Sie zu sehr, ist Aussitzen deshalb keine Option.

Deshalb sollte das Ganze auch nicht verharmlost werden. Bei manchen Spitznamen ist die Grenze zum Verbalmobbing oder Sexistischen durchaus erreicht. Wer seine Kollegin vor allen anderen regelmäßig dummes Blondchen oder Püppchen nennt, überschreitet eindeutig die Grenzen des guten Geschmacks.

Das ist längst kein Spitzname mehr, sondern eine offene Beleidigung und Herabwürdigung. In besonders schlimmen Fällen kann dann auch eine Abmahnung ausgesprochen werden.

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