In Erlangen pilgern Siemens-Mitarbeiter morgens schon mal in den „Himbeerpalast“, das „Kleeblatt“ oder den „Bananenbau“. So heißen die Betriebsstätten dort intern. Daimler-Kollegen nennen ihren rollenden Winzling Smart inoffiziell auch schon mal „Elefantenrollschuh“ – auch wenn den spöttischen Begriff einst die Konkurrenten von VW ersannen. Und bei uns in der WirtschaftsWoche gibt es mitten in der Redaktion ein „U-Boot“. In dem ovalen, fensterlosen Raum, der aufgrund seiner Architektur und Bestuhlung an die Kommandobrücke eines Tauchboots erinnert, kann man zwar nicht abtauchen, dafür finden dort regelmäßig Layoutbesprechungen statt.
In jedem Unternehmen gibt es solch eigentümliche Wortschöpfungen und Sprachcodes. Die jeweiligen Büroslangs, in der Wissenschaft auch Soziolekte genannt, sind Balsam für das Betriebsklima und für den Zusammenhalt einer Gruppe geradezu unerlässlich. Zum einen machen sie die Kommunikation einfacher und schneller, weil wer die internen Floskeln nutzt, nicht mehr viel erklären muss – alle wissen sofort bescheid. Zum anderen wirkt der Firmenjargon wie ein verbaler Dresscode: Die Kollegen passen sich nicht nur optisch, sondern auch in ihrem Vokabular an und drücken damit subtil Loyalität und Anpassungswillen aus.
Mein Kollege Uli Schulte-Döinghaus widmet sich dem Thema ausführlicher in der aktuellen WirtschaftsWoche. Dazu haben wir ein paar interne Slangbegriffe aus unterschiedlichen Unternehmen gesammelt. Ich finde, das ist ein schöner Anfang für ein kleines Wörterbuch Deutsch/Büro – Büro/Deutsch. Deshalb meine Frage an Sie:
Was sagt man so bei Ihnen – und was ist tatsächlich damit gemeint?
Als Anregung vorab ein paar Begriffe zum Schmunzeln und künftig besseren Verstehen:
Was Mitarbeiter meinen, wenn sie sagen…
- Brücke Bezeichnung der Metro-Gebäude in Düsseldorf, Hauptgebäude = Brücke 1
- Denkerzelle Besprechungsraum bei Bosch, in den sich Mitarbeiter zurückziehen können
- Mehdornenkrone Bezeichnung für die Schaffnermütze unter Bahn-Mitarbeitern
- Ölkantine kleine Kantine im Daimler-Werk Untertürkheim aus den Siebzigerjahren, ursprünglich für Bandarbeiter gedacht
- Pflaume interne Bezeichnung des Ford-Logos
- Träne interne Bezeichnung des Vodafone-Logos
- Transe Transfer- und Austauschserver für größere Datenmengen bei Jung von Matt
- Walhalla Design-Zentrum von Volkswagen
- Wattikan Firmenzentrale von RWE
- Zonenbesuch Visite einer L’Oréal-Führungskraft, die für mehrere Länder verantwortlich ist
- Zoogler Zürcher Mitarbeiter von Google







Me
Herausforderung = Problem (Hotelbranche)
Katharina Borchert
Die “Seufzerbrücke” über der Sachsenstrasse verbindet zwei Verlagshäuser bei der WAZ.
Jochen Mai
@Katharina: Ich hoffe, da wird in diesen Tagen nicht allzu viel geseufzt…
Max
Kleine Anmerkung: Das oben angesprocheneSiemens-Gebäude in Erlangen (Werner-von-Siemens 60) wird nur “Banane” genannt, den “Bananenbau” habe ich noch nie gehört.
Jochen Mai
@Max: Da haben uns die Siemensianer aber was anderes erzählt. Offenbar existieren mehrere Versionen.
DreamFlasher
Neuer Stern = SAP Gebäude WDF19, welches Sternform hat (soll die beste Flächenausnutzung besitzen)
Peter
Das Verwaltungsgebäude auf der Lufthansa Werft in Hamburg wird von den Mitarbeitern “der Sarg” genannt. Vorwiegend, weil das Gebäude schwarz und rechteckig ist, siehe hier: http://www.panoramio.com/photo/4922609
Max
@Jochen: Hmmm, komisch. Ich hab da (also wirklich in dem Gebäude) gearbeitet und kenne eigentlich nur die Kurzvariante. Vielleicht von Abteilung zu Abteilung unterschiedlich…
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