Ein Gastbeitrag von Klaus Schuster, Buchautor und Managercoach

KlausSchusterManchmal beunruhigt mich, wie wenig Manager ihre Sprache verstehen. Mindestens zwei Drittel aller ins Coaching getragenen Probleme sind Kommunikationsprobleme. So auch jenes letzte Woche.

Ein Manager unterhalb der Vorstandsebene fragte mich aufgebracht: „Seit Wochen liegt mein Projektantrag bei meinem Vorgesetzten. Warum entscheidet der nicht endlich?“ Das höre ich ständig. Ich sehe das natürlich anders. Ich war selber Vorstand und sage deshalb dem jeweiligen Coachee: „Dein Vorgesetzter schaut nicht nur dein Projekt an. Er schaut gleichzeitig mindestens zwei Dutzend andere Projekte an: Überschneidet sich das? Trägt der Cash Flow des Unternehmens auch alle? Er holt vielleicht noch eine externe Expertise ein – das alles siehst du nicht und das alles kostet Zeit!“

Danach sagt der Coachee: „Aha! Jetzt verstehe ich das. Und warum muss ich dafür zu Ihnen kommen? Warum hat mir das mein eigener Vorgesetzter nicht erklärt?“ Gute Frage. Gegenfrage: Warum hast du ihn nicht danach gefragt?

    Warum meckert der untergebene Manager nur?
    Warum fragt er sich lediglich ungeduldig, warum „das denn wieder so langsam geht da oben“?
    Warum geht er nicht hin zum Vorgesetzten und fragt: „Wie weit sind Sie in Ihrer Entscheidung?
    Brauchen Sie zusätzliche Informationen?
    Auf welcher Stufe des Prozesses liegt mein Anliegen?
    Was kommt danach? Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?“

Braucht man für solche Fragen einen MBA – den übrigens viele Manager haben, die diese Fragen nicht stellen können oder wollen? Zwei erwachsene, gut bezahlte Menschen – und keiner kriegt das Maul auf! Das ist der Kapitalismus heute. Buchstäblich sprachlos. Wir leben in einer Sprachwüste: viele Worte, wenig Nahrung. Man kann das auch anders sehen. Oder eher: frau.

Frauen fragen anders

Denn eine Bereichsleiterin sagte mir diesbezüglich: „Das ist keine Frage der Führungskommunikation. Das ist eine Frage des gegenseitigen Respekts und der selbstverständlichen Höflichkeit. Wenn mir jemand etwas auf den Tisch legt, dann sage ich ihm kurz, welche Fragen ich dazu warum klären werde und bis wann er voraussichtlich mit meiner Antwort rechnen kann. Das kostet mich keine halbe Minute und bringt dem Mitarbeiter viel.“

Selbstverständlich soll das sein? Ich hatte fast einen Lachanfall. Amazon kann jedem Kunden auf den Tag genau sagen, wann er sein Buch bekommt. Warum schaffen wir das nicht mit unseren internen Kunden? Ja, ich weiß: Weil der Mitarbeiter für den Manager da ist – und nicht umgekehrt. Und das war’s schon? Das ist alles? Das reicht Ihnen?

Mir nicht. Der Manager schaltet und waltet wie Gott und der Mitarbeiter hat in Demut der Dinge zu harren, die der Thronende entscheiden wird? Und wenn wir uns schon so bei der Arbeit aufführen, wie sieht das dann wohl in unseren Familien aus? Er- und Beziehung nach Befehl und Gehorsam? Das ist weder Management noch Familie, das ist Feudalismus mit anderen Mitteln.

Das hat nichts mit Ethik und Moral zu tun. Jeder kann die Menschen in seinem Umfeld behandeln wie wer will. Willkür und Sprachwüstenei sind nicht verboten. Nur schrecklich unbefriedigend. Wenn ich es nicht schaffe, einem Mitarbeiter in 30 Sekunden zu sagen, was er von seiner Eingabe zu erwarten hat, dann fühle ich mich einfach als schlechter Manager. Und solche 30-Sekunden-Kommunikationen ergeben sich alle zehn Minuten, mindestens. An jeder Ecke lauern sie.

Haben Sie ein Auge dafür? Gehen Sie auf Entdeckungsreise! Das ist interessant für Sie und lohnend für Ihre Umwelt.

Wenn Sie so einen 30-Sekunden-Impuls entdeckt haben: Behalten Sie ihn nicht für sich. Verraten Sie ihn mir, uns. Denn ich glaube, dass wir alle einen sprachlich eleganten und transparenten Umgang mit den Menschen in unserem Umfeld gut gebrauchen können. Warum? Weil es den Menschen gut tut und den Manager adelt.

Über den Autor:
Klaus Schuster war lange Jahre Vorstand eines internationalen Finanzinstituts und als Troubleshooter in aller Herren Länder unterwegs. Inzwischen leitet er sein eigenes Unternehmen, berät und trainiert Topmanager sowie Junior Executives aller Branchen und Bereiche. Er schreibt Fachartikel und hat soeben sein erstes Buch „11 Managementsünden, die Sie vermeiden sollten“ im Redline-Verlag veröffentlicht.