Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Das Bild, das wir uns von einem anderen binnen maximal vier Minuten machen, ist oft sogar unverrückbar. Ausschlaggebend dabei ist jedoch weniger, was einer sagt. Vielmehr gibt die Körpersprachen mit bis zu 80 Prozent den entscheidenden Ausschlag darüber, ob uns unser Gegenüber hinterher sympathisch ist oder nicht. Mehr als 65 Prozent der Kommunikation erfolgen nonverbal. Im Geschäftsleben beeinflusst die Körpersprache gar „bis zu 60 Prozent“ darüber, wie eine Verhandlung verläuft, sagt Allan Pease, Autor von „The Definitive Book of Body Language“.

So sagt bereits der Handschlag viel über Stärke, Dynamik und Selbstvertrauen eines Menschen aus: Starker Händedruck gleich starke Persönlichkeit – so lautet das gängige Stereotyp. Tatsächlich aber sagen Hände noch mehr: Zeigt die Handfläche Ihres Gegenübers beim Händedruck etwa nach unten, so ist dies Ausdruck von Dominanz, er möchte Sie gerne kontrollieren. Zeigt sie nach oben, ist dies eher eine Art Unterwerfungsgeste.

Für Samy Molcho, einen Pantomimen und Spezialisten für Körpersprache, ist der Körper „der größte Schwätzer aller Zeiten“. Alle Empfindungen und Wünsche drückt unser Körper direkt aus – ob wir wollen oder nicht. Wer die Zeichen versteht, kann leicht die Betriebsoberfläche eines anderen durchschauen. Diese körpersprachliche Enttarnung dringt bis in unsere Sprache: Ein Freund ist aufrichtig, selbst wenn er neben uns sitzt. Der Chef zeigt kein Entgegenkommen, wenn er seinen Standpunkt verteidigt; eine Freundin lässt uns sitzen, weil uns das nötige Fingerspitzengefühl fehlte…

Aber was genau sagt das Fingerspiel? Was verraten die Arme, wenn der Mund schweigt? Und können Beine Bände sprechen? Sie können! Ein breitbeiniger aufrechter Stand zum Beispiel steht für Selbstbewusstsein und Präsenz. Versteckter Ehrgeiz wiederum offenbart sich beim Gehen, wenn bei jedem Schritt der hintere Fuß energisch abgedrückt wird. Im Sitzen wiederum spricht die Beinfreiheit Bände. Eine parallele Beinhaltung zeigt Aufgeschlossenheit an, geöffnete Beine Vertraulichkeit. Ragt dann aber ein Bein nach vorne, markiert dies den Anspruch auf ein größeres Territorium. Locker übereinander geschlagene Beine wiederum deuten auf Reserviertheit hin – je nachdem, ob das oben aufliegende Bein dem Gegenüber zugewandt ist oder ob es eine Art Schutzwall bildet. Schlangenartig verknotete Beine signalisieren Nervosität und Unbeweglichkeit. Und wer nur auf der Stuhlkante hockt, ist meist unsicher.

Auch die Arme offenbaren Emotionen. Werden sie etwa vor der Brust verschränkt oder über den Kopf geschlagen ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass sich jemand in die Enge getrieben fühlt und nun versucht, seinen Körper zu schützen. Genauso wenn sich jemand während eines Disputs zurücklehnt, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und die Ellbogen nach außen spitzt. Die Botschaft: Die Sache ist für mich gelaufen, geht mich nichts mehr an. So jemand hat alles gesagt, geht nun in Deckung und schützt seine Position.

Auch das Gesicht spricht buchstäblich Bände. Es gibt Studien, die zeigen, dass der Mensch bis zu 250.000 Gesichtsausdrücke erkennen kann. Wer unehrlich ist zwinkert beispielsweise wesentlich öfter. Normal sind sechs bis acht Augenaufschläge pro Minute. Erinnern wir uns, blicken wir hingegen meist seitlich nach oben und wer etwas zu sich selbst murmelt, schaut dabei häufig nach links unten.

Wer nicht so leicht durchschaut werden will, kann sicher an seiner Körpersprache arbeiten. Unter Kontrolle haben wir unseren Körper allerdings nie. Er kann sich nicht dauerhaft verstellen und reagiert auch mal spontan. Der beste Tipp ist deshalb: Achten Sie darauf, dass Körper und Sprache harmonieren, dann wirken Sie in jedem Fall sympathisch. Stellen Sie sich richtig hin – aber verstellen Sie sich nicht!