Stegreifrede: 5 Schritte zum Spontanvortrag
Sie sitzen Sie im Meeting, wollten eigentlich nur zuhören, schlau dreinschauen, lernen... als Ihr Chef Sie bittet, spontan und mal eben so eine kurze Präsentation des aktuellen Prestigeprojekts zu geben. Alle schauen erwartungsvoll zu Ihnen herüber. Doch statt eine Stegreifrede zu halten: Schweigen. Wäre gut, wenn Ihnen jetzt spontan etwas Passendes einfiele, jedenfalls mehr, als das Gestammel, das Ihnen gerade in den Sinn kommt. Keine Panik! Wir kennen da ein paar Tipps und Tricks...

Wie Sie eine Stegreifrede halten

ollyy/shutterstock.comFiese Situation. So mancher bekommt schon bei dem Gedanken daran Lampenfieber und feuchte Hände. Die gute Nachricht: Sie ist trotzdem zu meistern. Eine Präsentation oder Rede aus dem Stegreif zu halten, ist sicher nicht jedermanns Sache, aber auch keine Raketenwissenschaft.

Wenn Sie also nicht gerade ein eloquenter Dampfplauderer sind, können Sie sich zumindest bei Ihrer Spontanrede an ein paar Standartelementen im Aufbau orientieren. Das Ergebnis wird dann vielleicht kein mitreißender Impulsvortrag, aber auch kein peinliches Herumgelaber.

An dieser Schritt für Schritt Anleitung können Sie sich orientieren:

  1. Rhetorische Pause machen.

    Machen Sie zuerst eine kurze rhetorische Pause, um sich zu sammeln. Das ist völlig legitim und muss Ihnen überhaupt nicht peinlich sein. Im Gegenteil: Es erhöht die Wirkung Ihres Vortrags. Überlegen Sie sich kurz, wie Sie Ihre Stegreifrede aufbauen wollen:

    • Als Argumentation: Sie schildern das Projekt anhand von Pro- und Kontra-Argumenten
    • Als Chronologie: Sie beginnen beim Projektstart und enden beim Status quo.
    • Als Highlight-Analyse: Sie beschränken sich auf wenige Bereiche, heben dabei aber vor allem auf die Vorzüge ab.
  2. Mit Einführung starten

    Dann beginnen Sie Ihren Vortrag idealerweise mit einer kurzen Einführung: Stellen Sie sich kurz vor, bedanken Sie sich für die Chance, dieses großartige Projekt kurz vorstellen zu können und freuen Sie sich auf die gute Zusammenarbeit. Das mag wie typisches Rede-Blabla klingen, das es auch ist, aber verschafft Ihnen nochmals Zeit und senkt das Lampenfieber.

    Außerdem verlangt die Höflichkeit, dass man sich kurz vorstellt. Und eine kurze Gliederung erleichtert dem Publikum das Einordnen.

  3. Kurze Vorschau geben

    Als nächstes geben Sie eine kurze Vorschau, was Sie erzählen werden. Also das Ergebnis Ihres schnellen Brainstormings von Punkt 1. Ein Beispiel:

    Ich werde Ihnen kurz beschreiben, wie dieses Projekt entstanden ist, welche Ziele wir damit verfolgen und welche davon wir bereits erreicht haben.

    Dies entspräche übrigens einem chronologischen Aufbau.

  4. Gliederung abarbeiten

    Mit der Vorschau haben Sie sich zugleich eine klare Gliederung geschaffen, an der Sie sich nun nur noch entlang hangeln müssen. Im obigen Beispiel also genau drei Punkte:

    • Entstehung
    • Ziele
    • Status quo
  5. Abschluss pointieren

    Den Abschluss sollten Sie auf keinen Fall ausplätschern lassen. Schlimmer: "So, ich denke, das war's." sagen.

    Fassen Sie lieber noch einmal kurz drei Highlights des Vortrags zusammen. Oder entwickeln Sie noch eine kleine Vision, welche Ziele Sie mit dem Projekt als nächstes erreichen werden oder welche Vorteile den potenziellen Geschäftspartnern in naher Zukunft daraus entstehen könnten.

    Und ganz zum Schluss bedanken Sie sich für die Aufmerksamkeit.

Na, die Stegreifrede war doch gar nicht so schwer?!

Ganz wichtig: Versuchen Sie bitte nie Ihre Stegreifrede durch komplizierte Fachbegriffe und Substantivismus aufzuwerten, das Gegenteil ist richtig: kurze, knackige Worte verwenden, viele Verben, und vor allem Alltagsbegriffe. Wer seine Rede würzen will, gebe eine Prise Sprachbilder hinzu. So wie dieses.

Auch sollten Sie nie von "man" (...sollte) sprechen. Unpersönlich! Wesentlich überzeugender und authentischer wirken Ich-, Du- und Wir-Botschaften. Das gilt auch für rhetorische Rückfragen. Also nicht:

Wie würde man einer Krise begegnen?

Sondern:

Wie würden wir der Krise begegnen?

Und etwas Humor gehört natürlich auch zu einer Stegreifrede dazu. Der gehört aber vor allem an den Schluss, als Höhepunkt. Oder an den Anfang.

Zu viel davon ist allerdings nicht gut, dann driftet die Ansprache ins Lächerliche. Deshalb ist die Alternative für schlechte Witzeerzähler: Geben Sie lieber eine launige Anekdote zum Besten.

VEGAZ Modell: In 5 Schritten zum Vortrag

Rede-Vortrag-Lampenfieber-RednerpultFalls Ihnen das alles zu kompliziert war: Es gibt auch das sogenannte Vegaz-Modell oder die Vegaz-Methode, um eine spontane Rede zu halten.

Vegaz ist allerdings nicht der Name des Erfinders, sondern vielmehr ein Akronym. Es steht für:

  • Vergangenheit Bedanken Sie sich für die Gelegenheit das Projekt kurz vorstellen zu können, dann blicken Sie zunächst zurück: Wie hat alles angefangen? Was war der Auslöser, die Historie? Vorteil: Auch Unbeteiligte können sich in das Projekt sofort einfühlen. Dramatisierende Darstellungen sind hier durchaus erlaubt - die Emotionen am Anfang wecken zudem Interesse und fesseln das Publikum für das Folgende.
  • Entwicklung Nehmen Sie Ihre Zuhörer auf eine Zeitreise: Wie hat sich das Projekt bisher entwickelt? Wo tauchten Probleme auf? Wo waren Durchbrüche und Höhepunkte?
  • Gegenwart Nun sollten Sie im Hier und Jetzt ankommen: Was ist der status quo von heute? An dieser Stelle können Sie übrigens auch noch die besonderen Leistungen einiger Kollegen hervorheben, die sich um das Projekt besonders verdient gemacht haben. Das stärkt das Gemeinschaftsempfinden - und erlöst Sie vom Verdacht, den Lorbeer allein einheimsen zu wollen.
  • Außenstehende Nachdem Sie Ihre Sicht der Dinge präsentiert haben, sollten Sie noch kurz darstellen, was andere über das Projekt sagen, welche Bedenken damit womöglich verbunden waren oder sind, wie Sie und Ihr Team darauf eingegangen sind.
  • Zukunft Ihre Zuhörer wissen jetzt, wie alles begann, wie sich Ihr Projekt entwickelt hat, wo es heute steht und welche Einschätzungen darüber kursieren. Was fehlt noch? Genau: Wie geht es weiter? Erzählen Sie nun noch kurz von den weiteren Planungen, den nächsten geplanten Schritten und natürlich dem Ziel, das letztlich angepeilt ist und wann Sie diese gedenken zu erreichen. Die zur Schau gestellte Zuversicht ist dabei entscheidend, welchen Eindruck sie am Ende hinterlassen. Gönnen Sie sich also ruhig ein wenig Euphorie.

Extra-Tipps: So bleibt die Stegreifrede haften

Extra-Tipp-IconNatürlich möchten Sie eine Kurzvortrag halten, der auch in Erinnerung bleibt - möglichst positiv. Auch hierzu gibt es ein paar kleine Tipps & Tricks von Profis. Sie gelten für Vorträge aller Art:

  • Halten Sie Blickkontakt

    Wer überzeugen will, muss mindestens 90 Prozent seiner Redezeit Kontakt zum Publikum halten. Schauen Sie die Kollegen also immer wieder und der Reihe nach an.

  • Beziehen Sie Ihr Publikum ein

    Stellen Sie etwa eine kurze Rückfrage an einen Kollegen ("Die Zahlen kannst du bestätigen, oder?!") oder stellen Sie eine Schätzfrage ("Was denkt ihr: Wie hoch...?"). Durch diese kleinen (und kurzen) Aktionen wird die Rede interaktiver und kommt besser an.

  • Lächeln Sie

    Und genießen Sie das öffentliche Sprechen. Wenn Sie das Ganze als unnötige Qual ansehen, überträgt sich das unweigerlich auf die Kollegen. Lächeln dagegen steckt an. Selbst wenn die Stegreifrede kein Knaller wird - Sie wirken wenigstens sympathisch. Und keiner wurde dabei als Meister geboren!


[Bildnachweis: Halfpoint, ollyy by Shutterstock.com]