Broadcast yourself – auch bei der Bewerbung. In den USA ist das längst ein Trend, hierzulande werden Videobewerbungen eher als exotische Nerd-Spielerei belächelt. Noch. Mit MyJobVideo ist gerade eine neue Plattform für Video-Bewerbungen im Internet gestartet (gefunden via Turi). Und rund 64 Alexanders, Nadines, Martinas, Jules’ und Bernds stellen sich dort bereits in 40 bis 90 Sekunden langen Filmclips vor: teilweise noch etwas hölzern, teilweise erkennt man, dass sie ihren Text ablesen. Aber das stört nicht wirklich, schließlich ist das Gros der dortigen Bewerber kaum älter als Mitte 20, sucht Ausbildungsplätze oder ein Praktikum. Die potenziellen Arbeitgeber können die Kandidaten anschließend nach Bundesländern und Branchen sortieren lassen. Dazu gibt es auf der Seite Bewerbungstipps vom Typ:
Ebenso empfehlen die Wiesbadener Betreiber Michael Wolfarth und Tobias Leis folgende Fragen – neben den Standard-Informationen wie Name, Wohnort, Alter, Schulabschluss, Berufsausbildung, Arbeitserfahrung – unbedingt vorab zu klären und gegebenenfalls im Video zu erwähnen:
Warum bewirbst Du Dich? Warum für diesen Beruf, diese Ausbildung? Was weißt Du über die Branche, in der Du Dich bewirbst? Warum sollte man Dich zum Vorstellungsgespräch einladen? Was hast willst Du in den nächsten Jahren erreichen? Welche Motivation, Interessen und Voraussetzungen bringst Du für die Ausbildung mit? Hast Du bereits praktische Erfahrungen gesammelt? Wofür interessierst Du Dich noch? Welche Fremdsprachen sprichst du? Gibt es etwas, was Du unbedingt aus Deinem Lebenslauf erwähnen willst?
Bevor auch Sie zur Kamera greifen, sollten Sie die jedoch die 7 klassischen Fehler (.pdf) einer Videobewerbung vermeiden. Sie sollte nie eine digitale Doublette Ihrer Printbewerbung sein! Vielmehr ist es die Essenz, ein Scheinwerfer auf Ihre Persönlichkeit, ein Werbeclip für Ihre Stärken. Der Zuschauer (= Personaler) soll Sie damit besser kennenlernen und zugleich neugierig werden. Es darf aber nie ein Déjà-vu ihrer Standardbewerbung hervorrufen. Das Video sollte deshalb kurz, prägnant und inspirierend sein. Vor allem inspirierend. Und nicht länger als zwei Minuten. Bereits in der ersten Minute sollte die Hauptbotschaft kommen. Orientieren Sie sich an einem sogenannten Elevator Pitch: Wer es nicht schafft, sein Gegenüber während einer Aufzugfahrt zu überzeugen, schafft es nicht.
Und noch eine Sache sollte jeder (insbesondere junge) Bewerber bedenken: Die jetzt in das Berufsleben eintretende Generation ist die erste, deren Lebenslauf nahezu vollständig digital nachvollziehbar sein wird. Das heißt: Alle Spuren, die Sie heute im Internet hinterlassen, werden auch in zehn oder 20 Jahren noch recherchierbar sein – und damit auch die persönliche Entwicklungskurve. Bleiben Sie also natürlich, legen Sie sich aber auch nicht fest, Motto: “Meine Traumbranche war, ist und bleibt die Werbung.” Oder schlimmer: “Ich möchte unbedingt bei BMW arbeiten.” Sollten Sie Ihre Meinung später ändern, geraten Sie unnötig in Rechtfertigungsdruck und es könnte eine unangenehme Frage des Personalers werden, woher der Sinneswandel kommt. In einer schriftlichen Bewerbung können Sie jedes Mal neu betonen, dass Sie nur bei diesem oder jenen Arbeitgeber arbeiten wollen – und diese Motivationsbegründung ist dort ja auch essenziell. Digital aber legt es Sie auf lange Zeit fest – oder wirkt, wenn Sie mehrere solcher Videoclips mit unterschiedlichen Begründungen streuen, äußerst unglaubwürdig.
1. Kommentar
derherold
09.03.08 um 14:43 Uhr
Ausse Praxis:
Solche Videobotschaften sind für HRis wertvoll, insbesondere dann, wenn aufgrund der hohen Zahl der Bewerbungen drastisch gesiebt werden muß, um die Zahl der face-to-face-Personalgespräche nicht ausufern zu lassen.
Nachteile für Berwerber/-innen:
Video kills the Bewerbungsmappen-Star.
Jetzt kommt noch eine weitere Hürde, die man überspringen muß: Optik und “Darstellungs-”fähigkeit kommen hinzu.
Risiko für den potentiellen neuen Arbeitgeber:
Manche Menschen sind fotogener, andere weniger. Insbesondere bei Arbeitslosen muß man sich eher auf “schriftlichen Fakten” konzentreren, da deren Selbstbewußtsein einer (Video-)Präsentation abträglich ist.
2. Kommentar
Marcel
22.05.08 um 01:19 Uhr
Auf alle Fälle eine sehr gute Idee. Ich als Arbeitgeber würde eine derartige Werbebotschaft sehr begrüßen. Das zeigt mir das ein Bewerber mit der Zeit geht und auch keine Angst vor neuen Medien hat. Leider denken viele Menschen das die Arbeitgeber immer noch auf die konventionellen Bewerbungen stehen. Und zu meinem Erstaunen wird das den Arbeitslosen in den Agenturen für Arbeit auch noch so erzählt…
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