Eine Bewerbung per Video – warum auch nicht? Allerdings nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung! Das Bewerbungsanschreiben um ein Video zu bereichern, ist vielleicht noch ungewöhnlich, aber eine gute Idee: Denn das rundet Ihr Profil ab und gibt dem Personaler die Chance, noch mehr über die Persönlichkeit des Bewerbers und dessen Motivation zu erfahren – inklusive Stimme, Mimik, Körpersprache. Und eben weil es noch selten ist, kann man damit auch noch wunderbar aus der Masse hervorstechen…

Für den Erfolg entscheidend sind dabei allerdings folgende Punkte:

  • Machen Sie es dem Personaler so leicht wie möglich, das Video zu laden und anzusehen. Etwa auf Youtube oder Facebook.
  • Achten Sie darauf, dass er den Link gut findet. Ein QR-Code ist sehr auffällig, setzt aber ein gewisses technisches Know-how voraus. Um sicher zu gehen, sollten Sie auch den direkten Link zum Video dazu packen.
  • Beschreiben Sie im Video noch einmal Ihre Motivation, weniger die Stationen Ihres Lebenslaufs. Das überzeugt mehr. Denn wenn Ihre Qualifikationen stimmen, dann zählt für Recruiter vor allem eines: Passt die Persönlichkeit zur Unternehmenskultur?
  • Individualisieren Sie das Video – sprechen Sie direkt das Zielunternehmen an. Damit können Sie den Clip zwar nur einmal verwenden. Das weiß aber auch der Personaler – und wird es umso mehr wertschätzen. Denn erst so wird das Video zu einer echten Liebeserklärung für das Unternehmen.
  • Sollten Sie sich danach doch noch einmal woanders bewerben – löschen Sie zuvor die alten Clips, um den Eindruck zu schützen, dass Sie sich nur und ganz besonders für diese Firma und Branche interessieren.
MyJobVideo

Broadcast yourself – auch bei der Bewerbung. In den USA ist das längst ein Trend, hierzulande werden Videobewerbungen eher als exotische Nerd-Spielerei belächelt. Noch. Mit MyJobVideo ist gerade eine neue Plattform für Video-Bewerbungen im Internet gestartet (gefunden via Turi). Und rund 64 Alexanders, Nadines, Martinas, Jules’ und Bernds stellen sich dort bereits in 40 bis 90 Sekunden langen Filmclips vor: teilweise noch etwas hölzern, teilweise erkennt man, dass sie ihren Text ablesen. Aber das stört nicht wirklich, schließlich ist das Gros der dortigen Bewerber kaum älter als Mitte 20, sucht Ausbildungsplätze oder ein Praktikum. Die potenziellen Arbeitgeber können die Kandidaten anschließend nach Bundesländern und Branchen sortieren lassen. Dazu gibt es auf der Seite Bewerbungstipps vom Typ:

  1. Ziehe das an, worin Du Dich wohl fühlst! Ein dunkler Anzug, ein dunkles Kostüm oder Kleid sind für einen Job im Büro immer okay. Je nach Job kannst Du Dich aber auch legerer kleiden.
  2. Maske muss sein, auch für Männer. Ein glänzendes Gesicht musst Du unbedingt vermeiden. Deshalb: Benutze Puder!
  3. Präsentiere Deine Schokoladenseite. Vor allem Dein Gesicht ist wichtig. Hier gibt es die gute und die schlechtere Seite. Betrachte deshalb Dein Gesicht aus verschiedenen Blickwinkeln. Finde Deine Schokoladenseite und halte diese in die Kamera.
  4. Rücke Dich ins rechte Licht: Richtig ist die Beleuchtung, wenn es keine Schatten gibt, z.B. neben Deiner Nase oder auf einer Gesichtshälfte.
  5. Sprich verständlich, einfach und nicht gestelzt. Wähle kurze Sätze und sprich nicht mehr, als unbedingt notwendig ist. Neuer Gedanke = neuer Satz. Bevor Du beginnst: Warte 3 Sekunden und lächle.

Ebenso empfehlen die Wiesbadener Betreiber Michael Wolfarth und Tobias Leis folgende Fragen – neben den Standard-Informationen wie Name, Wohnort, Alter, Schulabschluss, Berufsausbildung, Arbeitserfahrung – unbedingt vorab zu klären und gegebenenfalls im Video zu erwähnen:

Warum bewirbst Du Dich? Warum für diesen Beruf, diese Ausbildung? Was weißt Du über die Branche, in der Du Dich bewirbst? Warum sollte man Dich zum Vorstellungsgespräch einladen? Was hast willst Du in den nächsten Jahren erreichen? Welche Motivation, Interessen und Voraussetzungen bringst Du für die Ausbildung mit? Hast Du bereits praktische Erfahrungen gesammelt? Wofür interessierst Du Dich noch? Welche Fremdsprachen sprichst du? Gibt es etwas, was Du unbedingt aus Deinem Lebenslauf erwähnen willst?

Bevor auch Sie zur Kamera greifen, sollten Sie die jedoch die 7 klassischen Fehler (.pdf) einer Videobewerbung vermeiden. Sie sollte nie eine digitale Doublette Ihrer Printbewerbung sein! Vielmehr ist es die Essenz, ein Scheinwerfer auf Ihre Persönlichkeit, ein Werbeclip für Ihre Stärken. Der Zuschauer (= Personaler) soll Sie damit besser kennenlernen und zugleich neugierig werden. Es darf aber nie ein Déjà-vu ihrer Standardbewerbung hervorrufen. Das Video sollte deshalb kurz, prägnant und inspirierend sein. Vor allem inspirierend. Und nicht länger als zwei Minuten. Bereits in der ersten Minute sollte die Hauptbotschaft kommen. Orientieren Sie sich an einem sogenannten Elevator Pitch: Wer es nicht schafft, sein Gegenüber während einer Aufzugfahrt zu überzeugen, schafft es nicht.

Und noch eine Sache sollte jeder (insbesondere junge) Bewerber bedenken: Die jetzt in das Berufsleben eintretende Generation ist die erste, deren Lebenslauf nahezu vollständig digital nachvollziehbar sein wird. Das heißt: Alle Spuren, die Sie heute im Internet hinterlassen, werden auch in zehn oder 20 Jahren noch recherchierbar sein – und damit auch die persönliche Entwicklungskurve. Bleiben Sie also natürlich, legen Sie sich aber auch nicht fest, Motto: “Meine Traumbranche war, ist und bleibt die Werbung.” Oder schlimmer: “Ich möchte unbedingt bei BMW arbeiten.” Sollten Sie Ihre Meinung später ändern, geraten Sie unnötig in Rechtfertigungsdruck und es könnte eine unangenehme Frage des Personalers werden, woher der Sinneswandel kommt. In einer schriftlichen Bewerbung können Sie jedes Mal neu betonen, dass Sie nur bei diesem oder jenen Arbeitgeber arbeiten wollen – und diese Motivationsbegründung ist dort ja auch essenziell. Digital aber legt es Sie auf lange Zeit fest – oder wirkt, wenn Sie mehrere solcher Videoclips mit unterschiedlichen Begründungen streuen, äußerst unglaubwürdig.