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Bis zum 31. Mai haben Arbeitnehmer noch Zeit, um ihre Steuererklärung für das Steuerjahr 2015 beim Finanzamt einzureichen. Pendlerpauschale, Werbungskosten und andere Abschreibungsmöglichkeiten sind den meisten wohlbekannt, doch vergeht kein Jahr ohne Neu-Regelungen - und damit auch neuen Möglichkeiten, Steuern zu sparen. Daher zeigen wir Ihnen, welche neuen Abschreibungsmöglichkeiten sich für Sie gerade auftun...

Steuererklärung 2015: Das ist neu

Die schlechte Nachricht aus Steuerzahlersicht zuerst: Ein häusliches Arbeitszimmer ist nur steuerlich absetzbar, wenn es fast ausschließlich beruflich genutzt wird. Bei einer gemischten Nutzung verweigerte der Bundesfinanzhof in einer Grundsatzentscheidung in der vergangenen Woche eine Aufteilung in absetzbare und nicht-absetzbare Aufwendungen.

Die Richter wiesen in ihrem Urteil darauf hin, dass "eine sachgerechte Abgrenzung des betrieblichen/beruflichen Bereichs vom privaten Bereich bei einer Aufteilung der Aufwendungen für ein gemischt genutztes Arbeitszimmer nicht gewährleistet" ist. Konkret bedeutet das: Ein häusliches Arbeitszimmer kann nicht steuerlich geltend gemacht werden, wenn es zum Beispiel nur eine abgetrennte Arbeitsecke hat oder ein Durchgangszimmer ist.

Die gute Nachricht: Für das Jahr 2016 wurde der Grundfreibetrag auf 8652 Euro pro Arbeitnehmer erhöht.

Die Anpassung wirkt sich allerdings erst in der Steuererklärung für das Steuerjahr 2016 aus, für das vergangene Jahr liegt die Grenze bei 8472 Euro. Doch gibt es durchaus einige Änderungen, die schon in der Steuererklärung für 2015 greifen.

Wir haben dazu die Änderungen recherchiert, die für Sie als Steuerzahler relevant sein - und Ihnen mehrere Euro bringen könnten. Alle Angaben allerdings ohne Gewähr, im Zweifel fragen Sie bitte Ihren Steuerberater.

Steuererklärung 2015: Das können Sie absetzen

  • Haustierbetreuung

    Bereits im vergangenen September hatte der Bundesfinanzhof Klägern Recht gegeben, die die Betreuung ihrer Haustiere in der eigenen Wohnung steuerlich absetzen wollten. Konkret hatten die Kläger ihre Katze während ihres Urlaubs in der eigenen Wohnung betreuen lassen, die Rechnung in Höhe von 302,90 Euro per Überweisung beglichen und in der Steuererklärung geltend gemacht. Das Finanzamt versagte ihnen daraufhin die Anrechnung, der Bundesfinanzhof aber gab den Klägern Recht.

    Laut Bundesfinanzhof ist die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen zu gewähren, "wenn die in Anspruch genommene Leistung eine hinreichende Nähe zur Haushaltsführung aufweise oder damit im Zusammenhang stehe." Auch "die Versorgung und Betreuung eines im Haushalt des Steuerpflichtigen aufgenommenen Haustieres" ist demzufolge eine haushaltsnahe Dienstleistung. Die Entscheidung ist auch für Arbeitnehmer interessant, die zum Beispiel während Arbeitszeit oder Urlaub zuhause jemanden auf Hund oder Katze aufpassen lassen und dafür - wichtig - auch Rechnungen ausstellen.

  • Spenden

    Als Reaktion auf die Flüchtlingskrise hatte das Bundesfinanzministerium im September 2015 eine Weisung an die Finanzämter erlassen, die Spendenpraxis zu vereinfachen. Flüchtlingshilfsmaßnahmen zwischen dem 1. August 2015 und dem 31. Dezember 2016 können daher mit dem vereinfachten Spendennachweis belegt werden. Damit reichen - wie normalerweise bei Spenden von bis zu 200 Euro - ein Bareinzahlungsbeleg oder Kontoauszug aus.

    Und: Arbeitnehmer, die einen Teil ihres Lohns für die Flüchtlingshilfe gespendet haben, müssen darauf weder Lohnsteuer noch Sozialversicherung entrichten, sofern der Arbeitgeber den Betrag vom Bruttolohn einbehalten und an eine "spendenempfangsberechtigte Einrichtung" überwiesen hat. "Der außer Ansatz bleibende Arbeitslohn ist nicht in der Lohnsteuerbescheinigung anzugeben", so das Finanzministerium in der Weisung. Grundsätzlich sind sowohl Geld- als auch Sachspenden steuerlich abzugsfähig, bei Kleiderspenden kann eine Spendenbescheinigung mit dem Marktwert der Anziehsachen ausgestellt werden. Schenkungen zu ausschließlich mildtätigen Zwecken sind von der Schenkungssteuer befreit.

  • Schornsteinfeger

    Mess- und Überprüfungsarbeiten eines Schornsteinfegers sowie die Feuerstättenschau konnten Hausbesitzer bislang nicht als absetzbare Handwerkerleistungen geltend machen, Kehr- und Wartungsarbeiten dagegen schon (Weitere Tipps dazu finden Sie hier). Der Bundesfinanzhof machte mit dieser Praxis im November 2015 Schluss, so dass das Finanzamt nun auch für Mess-, Überprüfarbeiten und Feuerstättenschau eine Steuerermäßigung gewährt.

    Für die Steuererklärung wichtig: Die Leistung muss per Rechnung belegt werden können, der Rechnungsbetrag per Überweisung eingegangen sein, eine Barzahlung wird nicht anerkannt. Auch Mieter können diese Kosten, die über die Nebenkostenabrechnung umgelegt werden, nun an den Fiskus weitergeben.

  • Feier

    Über einen leicht kuriosen Fall hatte der Bundesfinanzhof Mitte Juli 2015 entschieden. Demnach können Arbeitnehmer Aufwendungen für eine Feier unter bestimmten Umständen als Werbungskosten abziehen. Vorausgegangen war ein Fall, in dem der Kläger zum Steuerberater bestellt worden war und zugleich seinen 30. Geburtstag hatte. Zur Feier beider Ereignisse lud er Kollegen, Verwandte und Bekannte in die Stadthalle seines Wohnorts ein, teilte die für Hallenmiete und Bewirtung entstandenen Aufwendungen nach Köpfen auf und machte den Abzug als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit, soweit sie auf die "beruflichen" Gäste entfielen, steuerlich geltend. Der Bundesfinanzhof entschied, "dass der als Werbungskosten abziehbare Betrag im Falle einer Feier aus beruflichem und privatem Anlass anhand der Herkunft der Gäste aus dem beruflichen oder privaten Umfeld des Steuerpflichtigen abgegrenzt werden kann, wenn die Einladung der Gäste aus dem beruflichen Umfeld (nahezu) ausschließlich beruflich veranlasst ist".

    Hiervon "kann insbesondere dann auszugehen sein, wenn nicht nur ausgesuchte Gäste aus dem beruflichen Umfeld eingeladen werden, sondern die Einladungen nach abstrakten berufsbezogenen Kriterien (zum Beispiel alle Auszubildenden, alle Zugehörigen einer bestimmten Abteilung) ausgesprochen werden".

  • Berufsausbildung

    Die Kosten für eine zweite Ausbildung außerhalb eines Dienstverhältnisses können als Werbekosten geltend gemacht werden, sofern man eine erste Berufsausbildung vorweisen kann. Die Regeln zur Anerkennung dieser ersten Ausbildung wurden aber für 2015 verschärft. Eine abgebrochene Erstausbildung oder eine Ausbildung, die lediglich sechs Monate dauert, reichen nicht mehr aus. Die Erstausbildung muss geordnet mit Lehrplan ablaufen, mindestens zwölf Monate dauern, 20 Wochenstunden umfassen und mit einer Prüfung oder zumindest planmäßig enden. Nur unter diesen Voraussetzungen ist die zweite Berufsausbildung steuerlich absetzbar.

  • Rürup-Rente

    Ab dem 1. Januar 2016 wird die Rürup-Rente stärker gefördert, 82 Prozent der Einzahlungen können steuerlich nun geltend gemacht werden, der Höchstbetrag steigt auf 22.766 Euro. Für das Steuerjahr 2015 aber gelten noch diese Richtwerte: 80 Prozent der Einzahlungen sind absetzbar, bis zu einem Höchstbetrag von 22.172 Euro.

    Beispiel: Bei Einzahlungen von 6.000 Euro für die Rürup-Rente können 80 Prozent davon, also 4.800 Euro, von der Steuer abgesetzt werden. Den vollen Betrag können aber lediglich Selbstständige ausschöpfen, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, alle anderen müssen noch die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung abziehen. Genereller Hinweis: Auch die Einzahlungen zur Riester-Rente können als Sonderausgabe angegeben werden. Vor allem kinderlose Steuerzahler mit höherem Einkommen profitieren hier.

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