Steuern-sparen-Rechner-Bilanz

Ein Gastbeitrag von Daniel Schönwitz

Bei vielen dauert es zwei oder drei Gehaltsrunden, manche erreichen die Gefahrenzone aber auch schneller. Vor allem bei Kinderlosen mit hohen Einstiegsgehältern kommt der verhängnisvolle Moment oft schon beim Lesen der ersten jährlichen Lohnsteuerabrechnung: der Moment, in dem sie Schwarz auf Weiß sehen, dass von ihrem hart erarbeiteten Geld im Vorjahr eine satte fünfstellige Summe ans Finanzamt geflossen ist. Dieser Moment ist brandgefährlich: Nur wenige erfüllt der Anblick dieser Zahl mit Stolz über ihren Beitrag zur Finanzierung unseres Gemeinwesens. Die meisten denken (was ich durchaus nachvollziehen kann): "Verdammt viel! Muss das wirklich sein?" Diese emotionale Regung ist leider oft das Fundament für eine katastrophale Fehlentscheidung: Nicht wenige Betroffene belassen es nicht dabei, die Faust in der Tasche zu ballen - sie suchen ihr Heil in oft dubiosen Steuersparmodellen...

Pleiten, Pech und Pannen

Solche Steuersparmodelle bergen häufig völlig unverhältnismäßige Risiken. Ein Blick auf die jüngere Historie steuerlich getriebener Investments belegt eindrucksvoll, dass der drohende Verlust in vielen Fällen deutlich höher liegt als die potenzielle Steuerersparnis:

  • Schrottimmobilien: Angelockt von hohen Sonderabschreibungen investierten in den Neunzigerjahren Tausende Westdeutsche in den neuen Bundesländern. Viele Immobilien erwiesen sich als unvermietbare Ruinen; ein Totalverlust war keine Seltenheit.
  • Filmfonds. Bis vor wenigen Jahren erfreuten sich Filmfonds unter Steuersparern großer Beliebtheit. So mancher Streifen floppte allerdings an der Kinokasse; zudem hat die Finanzverwaltung in vielen Fällen die Steuervorteile aberkannt.
  • Denkmalschutz. Noch immer gefragt sind denkmalgeschützte Immobilien, weil attraktive Sonderabschreibungen locken. Bei der Renovierung machen die Behörden aber strenge Vorgaben, immer wieder laufen die Kosten aus dem Ruder.
  • Goldfinger. Superreiche haben zuletzt versucht, im Ausland Gold zu kaufen und die Ausgaben hierzulande als Verlust geltend zu machen. Mancher verhedderte sich im Dickicht nationaler Vorschriften und internationaler Steuerabkommen, der Fiskus hat die Modelle namens „Goldfinger“ reihenweise für unzulässig erklärt.

Zugegeben, diese Fälle sind unterschiedlich. Aber das Kernproblem ist stets dasselbe: Wenn irgendwo neue Steuervorteile winken, entwickeln findige Finanzdienstleister oder Berater blitzschnell die passenden Produkte.

Sie wissen: Es gibt kein besseres Verkaufsargument als Steuervorteile; es winken glänzende Geschäfte.

Hohe Provisionen, hohe Risiken

Um möglichst gut zu verdienen, preisen sie die Steuervorteile der Anleger direkt ein – und berechnen besonders happige Gebühren und Provisionen von nicht selten 20 Prozent der Investitionssumme.

Hinzu kommt: Weil die Gebühren auch fließen, wenn das Investment schiefläuft, achten einige Berater nicht ausreichend auf die Risiken – oder verschweigen diese sogar, um möglichst viele Anleger zu locken.

Je mehr Investoren sich überzeugen lassen, desto höher wird die Gefahr, dass die Finanzbehörden einschreiten und Steuervorteile rückwirkend aberkennen. Das ist etwa bei Filmfonds geschehen, und in zahlreichen Fällen sind die Behörden mit ihrer rechtlich fragwürdigen Vorgehensweise durchgekommen.

Für betroffene Anleger galt dann: Der Staat hat’s gegeben, der Staat hat’s genommen.

Vorsicht auch bei Lebensversicherungen

Deshalb ist mein Rat: Seien Sie misstrauisch, sobald der Staat mit Steuervorteilen lockt und Finanzdienstleister maßgeschneiderte Produkte anpreisen.

  • Das gilt nicht nur bei klassischen Sparmodellen wie die oben genannten, bei denen Anleger auf dem Papier hohe Verluste einfahren und von ihrem Jahresgehalt abziehen können.
  • Sondern auch für Kapitalanlagen, deren Erträge ermäßigt besteuert werden, also beispielsweise Lebensversicherungen oder Schiffsfonds. Denn auch hier sind die anfänglichen Nebenkosten deutlich höher als bei anderen Produkten, auch hier preisen Anbieter also die Steuervorteile ein.

Was aber bleibt dann noch den Steuersparern?

Vor allem die Botschaft: Übertreiben Sie es nicht.

Prüfen Sie, ob sie weitere Werbungskosten (etwa für beruflich bedingte Anschaffungen) absetzen können. Fragen Sie, ob ihr Arbeitgeber steuerfreie Extras anbietet. Stecken Sie bis zu 2856 Euro pro Jahr steuerfrei in eine betriebliche Altersvorsorge.

Aber meiden Sie riskante Investments, wenn Sie sich nicht wirklich (selber!) umfassend informieren. Auch bei Steuervorteilen gilt: Wer zu viel will, steht am Ende mit leeren Händen da.

Über den Autor

Daniel-SchönwitzDaniel Schönwitz (37) ist Wirtschaftsjournalist und schreibt über Finanz- und Steuerthemen – vorwiegend für die WirtschaftsWoche, das Manager Magazin und Capital. Auf seiner Homepage bloggt er über aktuelle Fragen zu Geld, Steuern und Moral.

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