Genauso ungewöhnliche wie knifflige Frage per Mail: „Einer meiner Mitarbeiter hat üblen Körpergeruch. Das fällt einigen Kollegen bereits unangenehm auf. Wie sagt man das dem Betreffenden am besten?“

Es ist wohl eine der unangenehmsten Missionen überhaupt, einem Kollegen zu sagen, dass er penetrant stinkt. Das hat nichts mehr mit objektiver Leistungsbeurteilung zu tun, nichts mit sachlicher Kritik – das ist persönlich. Jedenfalls kommt es bei dem anderen fast immer so an. Eine solche Aussage ist immer heikel, weil sie schnell demütigend wirkt und weil damit zugleich der Sozialstatus in Frage gestellt wird, schon etymologisch: Nicht umsonst gelten Führungskräfte als Weißkragenträger – die sind strahlend sauber und riechen nicht. Wer schwitzt, hast Stress und ist entsprechend unsouverän. Und die Hände schmutzig machen sich sowieso nur Subordinierte. Klar, das sind Klischees. Aber denen wohnt meist ebenso ein wahrer Kern inne wie die Tatsache, dass sie sich hartnäckig halten.

Wohlgemerkt: Bei dieser Frage geht es nicht um vorübergehenden fiesen Mundgeruch oder Mief, weil einer am Wochenende oder in der Kantine in Sachen Knoblauch ordentlich zugelangt hat. So etwas wird toleriert, so lange es die Ausnahme von der Regel bleibt. Hier geht es um auffällig unangenehmen Körpergeruch, nach Schweiß, Urin, Moder. Also, wie sagt man das einem Kollegen, der duftet wie ein Unfall in einer ukrainischen Chemiefabrik?

Das Wichtigste ist die Diskretion. Fragen Sie sich selbst: Wie würden Sie behandelt werden wollen, wenn Sie derjenige sind, der mieft. Auch wenn über den Dunst bereits jeder die Nase rümpft – sagen Sie es dem Betreffenden nur unter vier Augen (!) und so feinfühlig und höflich wie möglich. Das heißt nicht, dass Sie lange um den heißen Brei reden sollten. Schließlich ist es rücksichtslos, anderen mit seinen Ausdünstungen die Tränen in die Augen zu treiben. Aber unterstellen Sie vorerst nichts, wie etwa mangelnde Hygiene. Lassen Sie dem Stinker die Chance, sein Gesicht zu wahren, etwa indem Sie Alternativen anbieten: „Der Geruch könnte von der Kleidung kommen. Vielleicht sollten Sie die häufiger wechseln und waschen. Zum Beispiel täglich. Es könnte aber auch eine medizinische Ursache haben. Dann sollten Sie deswegen möglichst bald zum Arzt gehen.“ Entscheidend ist, dass Sie nicht wirklich eine Erklärung erwarten, sondern lediglich deutlich machen: Der Grund ist mir egal, nur stell das ab!

Sagen sollten Sie es auf jeden Fall – erst recht, wenn Sie die Führungskraft sind. Denn auch das kommt vor: Manchen Menschen ist nicht bewusst, dass sie miefen und sie reagieren auf einen fürsorglichen Hinweis entsprechend dankbar. So wie die anderen Mitarbeiter anschließend auch.