Streitkultur Diskussion
Spricht man vom perfekten Team, ähneln sich die Vorstellungen meist sehr. Da ist die Rede von einer tollen Arbeitsatmosphäre, freundschaftlichem Kontakt untereinander und einer Arbeitsweise, bei der an einem Strang gezogen wird, um die besten Ergebnisse zu erreichen. Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten scheinen dieser Idee nur im Weg zu stehen. Genau dieser Ansatz ist jedoch verkehrt, denn eine Streitkultur ist enorm wichtig für den Erfolg eines Teams. Es mag verlockend klingen, doch wer sich immer einig ist, kommt nur selten weiter und auch die Leistungen können darunter leiden. Warum Diskussionen dazu gehören und wie Sie eine Streitkultur etablieren, von der am Ende alle profitieren...

Streitkultur Definition: Nicht einfach nur streiten

Streitkultur Definition entwickeln lernen SynonymEine Streitkultur sollte nicht missverstanden werden. Es geht nicht darum, unvermittelt einen Streit vom Zaun zu brechen, grundsätzlich immer und überall anderer Meinung zu sein oder möglichst häufig in Diskussionen zu verfallen. Auch in der besten Streitkultur dürfen Sie anderen gerne zustimmen, gute Vorschläge loben und einfach einer Meinung sein.

Als Streitkultur wird vielmehr die Art und Weise bezeichnet, wie eine Meinungsverschiedenheit gehandhabt wird. Im Internet lässt sich beispielsweise eine oftmals sehr aggressive Streitkultur beobachten. In Foren oder auch in den Kommentaren bei Facebook sucht man leider meist vergebens nach konstruktivem Austausch. Bevor aber voreilig mit dem Finger auf andere gezeigt wird, sollte sich jeder zunächst an die eigene Nase fassen.

Eine wirklich positive Streitkultur, die diesen Namen auch verdient hat, ist heutzutage nur noch selten anzutreffen. Aus unterschiedlichen Gründen: Ein Teil fühlt sich sofort persönlich angegriffen, wenn Kritik geäußert wird. Daraus resultieren dann schnell zwei verhärtete Fronten, die absolut unfähig sind, einen Kompromiss zu finden oder auch nur gemeinsam zu diskutieren. Und natürlich gibt es auch außerhalb des Internets viele Menschen, die glauben, Diskussionen oder Streit hätten etwas mit persönlichen Beleidigungen zu tun.

Dann gibt es aber auch das andere Extrem. Diejenigen, die jedem Streit aus dem Weg gehen wollen, immer nur Harmonie suchen und im Zweifelsfall die eigene Meinung ignorieren und anderen zustimmen, nur um mögliche Auseinandersetzungen von vornherein zu vermeiden. Beides hat recht wenig mit einer Streitkultur zu tun.

Streitkultur ist nicht die Lust am Streit, sondern die konstruktive Auseinandersetzung auf einer sachlichen Ebene, die nicht einfach das Ziel hat, andere zu überzeugen oder deren Meinung zu diskreditieren, sondern die den Austausch sucht, den eigenen Standpunkt mit Argumenten untermauert, aber gleichzeitig bereit ist, offen für die Perspektiven der Gesprächspartner zu bleiben.

Streitkultur: Gute Teams brauchen Reibungspunkte

Diskutieren Streiten SpruchEs ist für viele die Traumvorstellung von Zusammenarbeit am Arbeitsplatz. Gemeinsam soll im Team ein größeres Projekt bearbeitet werden, also trifft man sich erst einmal zum Meeting, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Innerhalb kürzester Zeit ist man sich einig, jedem wurde Aufgaben zugeteilt, es kam zu keinerlei Meinungsverschiedenheiten und alle machen sich an die Arbeit. Klingt super und erweckt den Eindruck, das Team würde bestens funktionieren und tolle Ergebnisse abliefern. Aber ist das wirklich so?

Wie würde es sich mit einem Team verhalten, dass sich ganz genau aus dem selben Grund zu einem Meeting trifft, doch statt sofortiger Einigkeit und Harmonie kommt es hier erst einmal zu Diskussionen. Ist das wirklich der beste Weg? Sollte man nicht lieber etwas anderes ausprobieren? Und warum sollte man es so machen, wie bisher, wo es doch immer wieder zu Problemen kam? Nun könnte man meinen, dass sich das zweite Team streitet und die Zeit mit Diskussionen verschwendet, anstatt sich an die Arbeit zu machen.

Tatsächlich ist es jedoch so, dass verschiedene Meinungen und unterschiedliche Ansätze innerhalb eines Teams meist zu besseren Ergebnissen führen. Das perfekte Team ist eben nicht fünf Mal ein möglichst gleicher Charakter, sondern besteht aus Gegensätzen, die sich ergänzen können. Und Diskussionen sind in einem solchen Umfeld normal - und alles andere als schädlich, wenn die Streitkultur richtig umgesetzt wird.

Streitkultur: Worauf Sie dabei achten sollten

Streitkultur streiten Definition TippsSo wichtig unterschiedliche Meinungen auch sind: Es geht nicht darum, sich ständig in den Haaren zu liegen und über jede Kleinigkeit aufzuregen, bis die Fetzen fliegen. Vielmehr bedeutet Streitkultur immer auch den richtigen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. Wenn ständig und über alles ein großer Streit ausbricht, sollte man sich fragen, woran das liegt und entsprechend darauf reagieren. Um die Streitkultur erfolgreich einzuführen und umzusetzen, haben wir einige Tipps für Sie gesammelt, damit verschiedene Meinungen das Team nicht auseinander bringen, sondern gemeinsam zu einem Ergebnis beitragen.

  1. Es geht nicht um die Persönlichkeit

    Wird am Arbeitsplatz eine Streitkultur eingeführt und gefördert, müssen sich alle Beteiligten einer Sache klar sein: Es geht nie darum, der Persönlichkeit eines anderen zu widersprechen. Fallen Kritikpunkte zu einem Vorschlag ein, ist es angebracht, diese vorzubringen, um nach Lösungen zu suchen. Seinen Einwand darauf zu begründen, dass der Kollege ein eigensinniger Einzelkämpfer ist, bringt hingegen niemanden weiter.

    Versuchen Sie sachlich zu bleiben und die Diskussion wirklich auf das Thema zu beschränken, das zur Debatte steht. Wird einmal begonnen, über Persönlichkeiten zu streiten, leidet nicht nur die Atmosphäre, sondern es ist auch nicht mehr an gute Zusammenarbeit zu denken.


  2. Schließen Sie keine Meinung von vornherein aus

    Es ist leicht, manche Vorschläge kategorisch auszuschließen. Allerdings vermittelt man damit auf der einen Seite das Signal, dass die Meinung einer Person weniger wert sei, auf der anderen Seite nimmt man sich selbst die Möglichkeit, die positiven Seiten einer Idee in die Lösung eines Problems mit einzubeziehen.

    Fragen Sie sich bei jedem neuen Vorschlag: Gibt es etwas, das wir daraus nutzen können? Selbst wenn nicht die ganze Idee vielversprechend ist, gibt es meist dennoch Teile, die man adaptieren sollte, um zum Ergebnis beizutragen.


  3. Machen Sie keine Vorwürfe

    Streitigkeiten führen schnell zu gegenseitigen Anschuldigungen. Du hast dies... und Du hast jenes... und überhaupt hat der andere ja überhaupt keine Ahnung, wovon er eigentlich redet. Da darf es Sie nicht wundern, wenn Ihr Gegenüber sofort defensiv und trotzig reagiert, Sie ebenfalls anblafft und der Streit eskaliert, statt vernünftig gelöst zu werden.

    Formulieren Sie deshalb am besten in der Ich-Form. Ich denke, dass..., Ich empfinde es als... oder auch Meiner Meinung nach... So greifen Sie niemanden an, sondern schildern wirklich nur Ihre persönliche Sicht der Dinge und vertreten Ihre Meinung - ganz legitim ohne direkt Vorwürfe zu machen.


  4. Bringen Sie sich bei jeder Idee voll ein

    In einer Streitkultur kommt es auch vor, dass sich die eigene Meinung am Ende nicht durchsetzt. Darauf könnte man mit Frust und Trotz reagieren, sich bei der Umsetzung weitestgehend raushalten und die anderen ihr Ding machen lassen. Schließlich verliert niemand gerne eine Diskussion und muss sich eingestehen, dass die eigene Meinung vielleicht doch nicht die richtige war.

  5. Um dieses Gefühl zu überwinden, muss man sich klar machen, dass es in einer Streitkultur nicht ums Gewinnen oder Verlieren geht. Das Ziel ist es immer, das beste Ergebnis zu erzielen, unabhängig davon, wer den Vorschlag gemacht hat. Halten Sie das eigene Ego so weit es geht aus den Diskussionen raus und nehmen Sie es nicht persönlich, wenn ein Kollege Ihnen widerspricht.

  6. Verzichten Sie auf Verallgemeinerungen

    Im Eifer des Gefechts lässt man sich schnell dazu hinreißen, Handlungen zu verallgemeinern. Immer, ständig, jedes Mal oder nie sind klassische Formulierungen, die in diesen Situationen viel zu häufig benutzt werden. Jede Verallgemeinerung ist aber immer auch eine Übertreibung.

    Beziehen Sie sich lieber auf konkrete und aktuelle Beispiele. Nennen Sie beim Namen, welches Verhalten Sie genau stört, anstatt von immer zu sprechen. Das macht Sie nicht nur glaubwürdiger, sondern gibt dem anderen auch die Chance, wirklich etwas zu ändern.

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