Streitkultur: Diskussionen gehören dazu
Spricht man vom perfekten Team, ähneln sich die Vorstellungen meist sehr. Da ist die Rede von einer tollen Arbeitsatmosphäre, freundschaftlichem Kontakt untereinander und einer Arbeitsweise, bei der an einem Strang gezogen wird, um die besten Ergebnisse zu erreichen. Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten scheinen dieser Idee nur im Weg zu stehen. Genau dieser Ansatz ist jedoch verkehrt, denn eine Streitkultur ist enorm wichtig für den Erfolg eines Teams. Es mag verlockend klingen, doch wer sich immer einig ist, kommt nur selten weiter und auch die Leistungen können darunter leiden. Warum Diskussionen dazu gehören und wie Sie eine Streitkultur etablieren, von der am Ende alle profitieren...

Streitkultur: Gute Teams brauchen Reibungspunkte

Es ist für viele die Traumvorstellung von Zusammenarbeit am Arbeitsplatz. Gemeinsam soll im Team ein größeres Projekt bearbeitet werden, also trifft man sich erst einmal zum Meeting, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Innerhalb kürzester Zeit ist man sich einig, jedem wurde Aufgaben zugeteilt, es kam zu keinerlei Meinungsverschiedenheiten und alle machen sich an die Arbeit. Klingt super und erweckt den Eindruck, das Team würde bestens funktionieren und tolle Ergebnisse abliefern. Aber ist das wirklich so?

Wie würde es sich mit einem Team verhalten, dass sich ganz genau aus dem selben Grund zu einem Meeting trifft, doch statt sofortiger Einigkeit und Harmonie kommt es hier erst einmal zu Diskussionen. Ist das wirklich der beste Weg? Sollte man nicht lieber etwas anderes ausprobieren? Und warum sollte man es so machen, wie bisher, wo es doch immer wieder zu Problemen kam? Nun könnte man meinen, dass sich das zweite Team streitet und die Zeit mit Diskussionen verschwendet, anstatt sich an die Arbeit zu machen.

Tatsächlich ist es jedoch so, dass verschiedene Meinungen und unterschiedliche Ansätze innerhalb eines Teams meist zu besseren Ergebnissen führen. Das perfekte Team ist eben nicht fünf Mal ein möglichst gleicher Charakter, sondern besteht aus Gegensätzen, die sich ergänzen können. Und Diskussionen sind in einem solchen Umfeld normal - und alles andere als schädlich, wenn die Streitkultur richtig umgesetzt wird.

Streitkultur: Worauf Sie dabei achten sollten

baranq/shutterstock.comSo wichtig unterschiedliche Meinungen auch sind: Es geht nicht darum, sich ständig in den Haaren zu liegen und über jede Kleinigkeit aufzuregen, bis die Fetzen fliegen. Vielmehr bedeutet Streitkultur immer auch den richtigen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. Wenn ständig und über alles ein großer Streit ausbricht, sollte man sich fragen, woran das liegt und entsprechend darauf reagieren. Um die Streitkultur erfolgreich einzuführen und umzusetzen, haben wir einige Tipps für Sie gesammelt, damit verschiedene Meinungen das Team nicht auseinander bringen, sondern gemeinsam zu einem Ergebnis beitragen.

  1. Es geht nicht um die Persönlichkeit

    Wird am Arbeitsplatz eine Streitkultur eingeführt und gefördert, müssen sich alle Beteiligten einer Sache klar sein: Es geht nie darum, der Persönlichkeit eines anderen zu widersprechen. Fallen Kritikpunkte zu einem Vorschlag ein, ist es angebracht, diese vorzubringen, um nach Lösungen zu suchen. Seinen Einwand darauf zu begründen, dass der Kollege ein eigensinniger Einzelkämpfer ist, bringt hingegen niemanden weiter.

    Versuchen Sie sachlich zu bleiben und die Diskussion wirklich auf das Thema zu beschränken, das zur Debatte steht. Wird einmal begonnen, über Persönlichkeiten zu streiten, leidet nicht nur die Atmosphäre, sondern es ist auch nicht mehr an gute Zusammenarbeit zu denken.

  2. Schließen Sie keine Meinung von vornherein aus

    Es ist leicht, manche Vorschläge kategorisch auszuschließen. Allerdings vermittelt man damit auf der einen Seite das Signal, dass die Meinung einer Person weniger wert sei, auf der anderen Seite nimmt man sich selbst die Möglichkeit, die positiven Seiten einer Idee in die Lösung eines Problems mit einzubeziehen.

    Fragen Sie sich bei jedem neuen Vorschlag: Gibt es etwas, das wir daraus nutzen können? Selbst wenn nicht die ganze Idee vielversprechend ist, gibt es meist dennoch Teile, die man adaptieren sollte, um zum Ergebnis beizutragen.

  3. Bringen Sie sich bei jeder Idee voll ein

    In einer Streitkultur kommt es auch vor, dass sich die eigene Meinung am Ende nicht durchsetzt. Darauf könnte man mit Frust und Trotz reagieren, sich bei der Umsetzung weitestgehend raushalten und die anderen ihr Ding machen lassen. Schließlich verliert niemand gerne eine Diskussion und muss sich eingestehen, dass die eigene Meinung vielleicht doch nicht die richtige war.

  4. Um dieses Gefühl zu überwinden, muss man sich klar machen, dass es in einer Streitkultur nicht ums Gewinnen oder Verlieren geht. Das Ziel ist es immer, das beste Ergebnis zu erzielen, unabhängig davon, wer den Vorschlag gemacht hat. Halten Sie das eigene Ego so weit es geht aus den Diskussionen raus und nehmen Sie es nicht persönlich, wenn ein Kollege Ihnen widerspricht.

[Bildnachweis: SFIO CRACHO, baranq by Shutterstock.com]