Stressbewältigung ist ein großes Thema am Arbeitsplatz, das längst nicht nur Führungskräfte oder Manager betrifft, sondern auf allen Ebenen im Unternehmen wichtig ist. Der Kunde, der mit immer neuen Anforderungen ankommt, die unbedingt sofort erledigt werden müssen, der Chef, der seine Erwartungen immer weiter nach oben schraubt oder die Kollegen, die scheinbar mehr damit beschäftigt sind, das eigene Nervenkostüm zu testen, anstatt ihren Aufgaben nachzugehen. Jeder hat Stress, lediglich die Stärke und Auslöser unterscheiden sich. Manch einer kann den Druck stoisch ertragen oder wird durch ihn sogar noch motiviert, die Mehrheit kommt mit dem Stress allerdings weniger gut zurecht. Was es braucht, ist die richtige Strategie zur Stressbewältigung.

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Stressbewältigung: Aufmerksamkeit ist der erste Schritt

Stressbewältigung Übungen Tipps Definition am ArbeitsplatzDer Begriff der Stressbewältigung umfasst alle Übungen, Methoden, Tricks und auch Hilfsmittel, die zum Ziel haben, besser mit all dem Stress, dem Druck und der Hektik klarzukommen, denen viele Menschen Tag für Tag ausgesetzt sind. Der oftmals größte Faktor ist dabei der Arbeitsplatz, leider für viele Arbeitnehmer ein wahrer Brutkasten für Stress und andere negative Gefühle.

Doch auch im Privatleben kann es manchmal drunter und drüber gehen. Ärger mit Freunden, Streit mit den Nachbarn, Beziehungsprobleme, finanzielle Schwierigkeiten oder schlichtweg Unzufriedenheit mit der allgemeinen Situation. Die Freizeit vom Job, die als Erholung gedacht ist, ist leider längst nicht immer so entspannend, wie man es sich wünschen würde. Stress lauert überall und wartet nur darauf, die eigenen Kraftreserven zu rauben.

Schier unmöglich die Herausforderung, den Stress des Alltags zu bewältigen. Erschöpft ins Bett fallen, schlecht schlafen und morgens schon keine Lust auf den nächsten Stress haben trifft es in der Realität meist eher. Ein Dauerzustand darf das nicht werden, um Ihre Gesundheit zu schonen. Was aber tun?

Die Reaktionen auf Stress sind sehr individuell. Wer stressimmun ist, lässt all die Belastung nicht an sich heran und kann dem ganzen sogar noch etwas positives abgewinnen und unter Zeitdruck zu Höchstleistungen auflaufen. Andere werden unsicher, verzetteln sich mehr und mehr, stehen sich bei Stress noch zusätzlich selbst im Weg oder reagieren gar sehr emotional durch Wut, Frust und Überforderung.

Für alle gilt jedoch: Der erste Schritt der Stressbewältigung ist die Aufmerksamkeit. Achten Sie darauf, wann Sie in Stress geraten, welche Umstände die entscheidende Rolle spielen und welche Auslöser es gibt. Kurz gesagt: Was löst für Sie persönlich Stress aus? Wichtig ist hier die persönliche Selbstreflexion. Bedienen Sie sich nicht einfach klassischer Klischees wie zu vielen Aufgaben oder wenig Zeit. Vielleicht ist es in Ihrem Fall gar nicht der Termindruck, sondern die Angst, den Erwartungen nicht gerecht zu werden, die großen Stress auslöst.

Erst wenn Sie wissen, wo die Ursache Ihres Stressproblems liegt, können Sie die Situation wirklich verbessern. Sonst verlaufen Ihre Bemühungen möglicherweise ohne Erfolg, was nur zu noch mehr Ärger und Frust führt.

Nicht jede Stressbewältigung ist automatisch gut

Stressbewältigung am Arbeitsplatz Übungen TippsStress muss bewältigt werden. Daran besteht keinen Zweifel. Fehlt die Stressbewältigung, leidet nicht nur Ihre Stimmung und Zufriedenheit, sondern nach kurzer Zeit auch Ihre Gesundheit. Ein guter Vorsatz, allerdings sollten Sie dabei ganz genau darauf achten, wie Sie die Stressbewältigung angehen. Diese ist zwar an sich positiv, doch auf dem falschen Weg kann sie auch selbst zum Problem werden.

Das klassische Beispiel ist die Zigarette. Sobald es stressig und hektisch wird, ist eine Raucherpause meist nicht mehr weit entfernt. Für Raucher ist auch das zwar eine Form der Stressbewältigung, diese ist jedoch alles andere als empfehlenswert. Ganz genau so verhält es sich mit jeder anderen Form von Droge oder auch Medikamenten. Ein Glas Wein oder eine Flasche Bier kann nach einem stressigen Tag sicherlich gut tun, die Gefahr besteht jedoch, dass es nicht nur bei einem bleibt und sich eine Regelmäßigkeit einstellt, die zur Abhängigkeit wird.

Um gute und schlechte Stressbewältigung zu unterscheiden, lohnt sich meist ein genauerer Blick auf deren Ansatz. Falsche Stressbewältigung zielt immer nur auf die Folgen und Symptome ab. Die richtige Form von Stressbewältigung widmet sich hingegen den Ursachen, damit der Stress nicht zu groß wird und die negativen Folgen im besten Fall erst gar nicht entstehen.

Tipps und Übungen zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz

Die Möglichkeiten der Stressbewältigung sind ebenso individuell wie die Ursachen und Auslöser. Das bedeutet, dass Sie die Auswahl zwischen vielen verschiedenen Übungen haben, auf der anderen Seite gibt es aber leider auch keinen universellen Weg, der für jeden funktioniert. Um den für Sie optimalen Weg zu finden, kann es daher sein, dass Sie verschiedene Übungen zur Stressbewältigung ausprobieren müssen oder in einer Kombination unterschiedlicher Wege die besten Ergebnisse erzielen.

Um Ihnen dabei zu helfen, mit dem alltäglichen Stress besser klarzukommen, haben wir viele verschiedene Übungen und Tipps zur Stressbewältigung aufgelistet, an denen Sie sich orientieren können:

  • Machen Sie sich keine Vorwürfe für Pausen.

    Pausen sollten eigentlich der Erholung dienen, Ihnen neue Energie für den restlichen Tag geben und dazu führen, dass der Stress eben nicht zu groß wird. Leider bewirken sie in vielen Fällen eher das Gegenteil. Aber bitte nicht falsch verstehen: Das bedeutet nicht, dass Sie auf Pausen verzichten sollten oder dass es weniger Stress bedeutet, wenn Sie den ganzen Tag durchschuften.

    Was sich ändern muss, ist die Denkweise. Nach ein paar Minuten Pause brauchen Sie sich keinen Druck zu machen, dass Sie nicht rechtzeitig fertig werden oder der Chef Sie für faul hält. Pausen gehören zum Arbeitstag und sind gesetzlich geregelt. Sie müssen nicht versuchen, die Zeit hektisch nachzuarbeiten.

    Ebenso wichtig: Machen Sie Pausen, auch wenn Sie gerade im Stress sind. Es ist ein Irrglaube, dass Sie sich keine freie Minute erlauben können, wenn es viel zu tun gibt. Ganz im Gegenteil. Nach einer kurzen Pause ist der Kopf wieder frei, Sie arbeiten konzentrierter und kommen dadurch schneller voran - und die Ergebnisse sind auch besser.


  • Sprechen Sie Ihren Stress offen an.

    Geteiltes Leid ist halbes Leid... Ein Sprichwort, das nach Binsenweisheit klingt, für die Stressbewältigung aber sehr zutreffend ist. Wenn Sie sich Ihren Stress von der Seele reden, geht es Ihnen im Anschluss gleich besser. Der offene Austausch hilft dabei, die negativen Emotionen schneller zu verarbeiten und den Stress hinter sich zu lassen.

    Achten Sie darauf, einen Gesprächspartner zu finden, der ebenso unter dem Stress leidet wie Sie selbst. Sprechen Sie mit einem Kollegen, der gerade frisch aus dem zweiwöchigen Urlaub kommt, fühlen Sie sich weniger verstanden und der positive Effekt der Stressbewältigung bleibt aus.


  • Ändern Sie Ihre Einstellung.

    Das klingt fast zu schön um wahr zu sein, doch tatsächlich ist Ihre Einstellung zum Stress einer der wichtigsten Faktoren für die Stressbewältigung. Kurz gesagt: Sind Sie der Meinung, dass der Stress Ihnen schadet, dann tut er das auch. Sehen Sie stressige Phasen in Job oder Privatleben hingegen eher als Ansporn, um noch besser zu werden oder beeindruckende Leistungen zu erbringen, reagiert auch Ihr Körper positiv auf Stress.


  • Entwickeln Sie eine optimistische Denkweise.

    Das wird alles schief gehen..., Diesen Kunden können wir sowieso nicht überzeugen... oder auch Mein Chef hat mich auf den Kieker, der gibt mir die schlimmsten Aufgaben... Wer ständig so pessimistisch denkt, macht sich bereits Stress, bevor es überhaupt einen wirklichen Grund dafür gibt.

    Wenn Sie eine optimistischere Denkweise entwickeln, vermeiden Sie nicht nur eine ganze Menge Stress, bevor dieser überhaupt entstehen kann, sondern entwickeln auch eine bessere Stressbewältigung. Reden Sie sich nicht ein, dass Sie bei all dem Stress nicht arbeiten können und die Aufgaben dadurch sowieso nur schief gehen können.

    Das wird schnell zur selbsterfüllenden Prophezeiung und führt dann zu wirklichem Stress, wenn nichts mehr klappen will. Entwickeln Sie das Selbstbewusstsein, um auch unter Stress an Ihre Fähigkeiten zu glauben. Sie werden schnell lernen, dass der Stress gar nicht so schlimm sein muss und Sie viel besser damit umgehen können, als Sie gedacht haben.


  • Behalten Sie den Überblick.

    Stress wird zur großen Belastung, wenn Sie den Überblick verlieren, nur noch von einer Seite zur anderen Springen und gar nicht mehr wissen, was um Sie herum passiert. Ein effektives Mittel der Stressbewältigung ist daher eine gute Organisation. Diese kann Stress vorbeugen und auch helfen, ihn zu überwinden.

    Schreiben Sie sich eine ToDo Liste, machen Sie die Prioritäten der anstehenden Aufgaben klar oder halten Sie in einem Kalender ganz genau Ihre Termine fest. Je mehr Sie ein Gefühl der Kontrolle haben, desto besser können Sie aufkommenden Stress bewältigen.


  • Gönnen Sie sich etwas.

    Wenn gerade alles zu viel wird und der Stress Überhand nimmt, sollten Sie sich selbst ganz besonders gut behandeln. Gönnen Sie sich etwas, das Ihnen eine Freude bereitet, das Ihnen gut tut und auf das Sie sich freuen können. Bewältigen Sie den Stress des vergangenen Tages bei einem guten Essen mit Ihren besten Freunden, gehen Sie in die Saune, entspannen Sie in der Badewanne oder ziehen Sie sich mit einem Buch zurück - alles, was Ihnen Spaß macht, hilft der Stressbewältigung.


  • Kontrollieren Sie Ihr Umfeld.

    Gerade im Job haben Sie nur bedingt Einfluss darauf, wer im Büro nebenan sitzt und mit wem Sie zusammenarbeiten müssen, aber dennoch sollten Sie sich ein Bild von den Menschen machen, mit denen Sie viel Zeit verbringen: Oft gehören einige davon zu den Auslösern von Stress. Kommen Sie mit einem anderen Mitarbeiter einfach nicht klar, wird selbst die einfache Zusammenarbeit zur nervlichen Belastung und bringt ein Kunde Sie zur Verzweiflung ist selbst ein ansonsten guter Arbeitstag eine Qual.

    Lässt sich der Kontakt nicht ganz vermeiden, sollten Sie dennoch versuchen, ihn auf ein Minimum zu reduzieren. Bitten Sie einen Kollegen, den Kunden zu übernehmen, sprechen Sie mit Ihrem Chef und versuchen Sie, keine gemeinsamen Projekte mit dem anstrengenden Kollegen zu bearbeiten. Indem Sie die Stressauslöser in Ihrem Umfeld erkennen und meiden, packen Sie das Problem bei der Wurzel.


  • Nehmen Sie ein Buch mit zur Arbeit

    Am Arbeitsplatz ein Buch lesen? Dafür habe ich nun wirklich keine Zeit... Sie müssen aber auch nicht gleich das ganze Buch für eine bessere Stressbewältigung lesen. Tatsächlich können schon ein paar Minuten ausreichen, um Sie spürbar zu beruhigen, weniger gereizt zu reagieren und selbst erhitzte Gemüter wieder abzukühlen.

    Den Effekt werden Sie vielleicht auch von zuhause kennen, wenn Sie vor dem Schlafen noch ein wenig lesen wollen. Oft schaffen Sie nur einige Seiten, bis Ihnen die Augen zu fallen. Lesen ist ungemein entspannend und lässt Stress regelrecht verschwinden - besonders, wenn Sie sich wirklich darauf konzentrieren.


  • Treiben Sie Sport.

    Es ist ein Klassiker der Stressbewältigung: Sport in allen möglichen Variationen. Ob Sie Joggen, Radfahren, Fußballspielen, Schwimmen, Badminton spielen oder einen Marathon laufen wollen: Nach dem Sport ist der anfängliche Stress meist wie weggeblasen und Sie fühlen sich stattdessen erschöpft aber gut gelaunt. Dabei tut es gut, sich so richtig auszupowern und einen Ausgleich zum stressigen Alltag zu finden.


  • Nutzen Sie Entspannungsübungen.

    Um akuten Stress zu bewältigen, können Sie zu Entspannungsübungen greifen. Diese benötigen meist nur wenige Minuten Zeit, können aber wahre Wunder bewirken, wenn der Stress Sie fest im Griff hat. Probieren Sie verschiedene Atemübungen aus oder schließen Sie einfach die Augen für einige Minuten, um zur Ruhe zu kommen.

    Ein weiterer Tipp: Lächeln Sie den Stress einfach weg. Selbst wenn Sie vollkommen ohne Grund lächeln, werden im Gehirn Glückshormone ausgeschüttet und der Stress verfliegt.


  • Sagen Sie Nein.

    Der Chef fragt, ob Sie noch zwei weitere Aufgaben übernehmen können, der Kollege bittet um Ihre Hilfe bei seinem Projekt, eine Freundin fragt, ob Sie früher Feierabend machen können, um auf ihr Kind aufzupassen und zusätzlich haben Sie noch Ihre ganz normalen täglichen Aufgaben zu erledigen. Es spricht zwar für Sie, dass Sie anderen helfen wollen und bereit sind, dafür mehr zu leisten, doch ab einem gewissen Punkt muss auch Schluss sein.

    Für eine bessere Stressbewältigung müssen Sie lernen, Nein zu sagen. Das muss nicht unfreundlich sein und Sie können weiterhin hilfsbereit bleiben, aber nur dann, wenn Ihr eigener Terminkalender es zulässt. Wenn Sie die Belange anderer immer über Ihre eigenen stellen, werden Sie irgendwann ausgenutzt und kommen aus dem Stress nicht mehr raus.

Stressbewältigung: Nicht jeder Stress ist schlecht

Stressbewältigung Tipps Methoden Übungen am ArbeitsplatzZum Abschluss noch ein kleiner, aber nicht unwichtiger Hinweis: Stress kann zum Problem werden - sollte aber nicht grundsätzlich verteufelt werden. Stress an sich ist erst einmal weder ungesund noch schlecht. Es ist schlichtweg eine Reaktion des Körpers auf die äußeren Umstände

Stress versetzt Sie in die Lage, schneller und besser zu reagieren. Sie sind in Alarmbereitschaft und funktionieren besonders gut. So erzielen Sie gerade unter Stress die besten Leistungen. Allerdings ist der Mensch nicht dafür geschaffen, ständig unter Druck und Stress zu stehen. Er braucht Phasen der Regeneration.

Genau die sind jedoch leider oftmals Mangelware - und dann braucht es Stressbewältigung, um sich wieder erholen zu können und den Dauerzustand Stress zu überwinden.

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