Von allen menschlichen Tugenden ist die, sich von sich selbst zu distanzieren, wohl die schwerste. Und die nobelste. Das Eingeständnis eines eigenen Fehlers zeugt von Größe und charakterlicher Stärke. Auf dem Papier, im handgeschriebenen Wort, offenbart sich diese selbstlose Gesinnung bereits in der Art, wie sich der Autor von der entgleisten Vokabel, dem unrichtigen Satz entfernt: Tilgt er den Makel mit einem einfachen Strich, sodass der Malus als solcher – eingestanden – sichtbar bleibt oder radiert er ihn aus, um ihn vergessen zu machen, als sei er nie da gewesen? Oder tüncht er ihn mit weiteren wütenden Strichen bis zur inhaltlichen Unkenntlichkeit zwar, aber immer noch so, dass er dem Betrachter als visualisiertes Ärgernis ins Auge springt?

Im Blog sieht das nicht viel anders aus. Meistens Ganze Beiträge werden gestrichen. Einige verschwinden gleich ganz, weit weg im Abort des Backends, die Kommentare mit dazu. Manchmal aus Scham, manchmal aus Gründen intellektueller Hygiene. Manchmal ist die Distanz aber auch schlicht nur geheuchelt: Ein demonstrativer Strich durch die Rechnung des Gesagten, um es hervorzuheben und sogleich zurückzuweisen. Um sich noch einmal zurück an den eigenen Text zu wenden und die Sprache darin augenzwinkernd nicht länger beim Wort zu nehmen. Der Durchstrich als Spaltung der eigenen Meinung.

Manchmal ist das Durchstreichen spielerisch, zuweilen klügelnd. Und manchmal ist es einfach ehrlicher.