Studenten auf Wohnungssuche: So klappt’s mit dem Vermieter

Ein Gastbeitrag von Sonja Dietz

Bald beginnt das neue Semester und der Run auf Wohnungen geht wieder los. Deutschlandweit suchen Jahr für Jahr und Semester für Semester hunderttausende Studenten ein Zuhause. Doch Wohnheimplätze, bezahlbare Wohnungen oder WG-Zimmer sind rar. Tipps, wie Sie den Vermieter für sich gewinnen...

Die Wohnungsnot der Studenten in Zahlen: Haust du noch, oder wohnst du schon?

In Deutschland finden nur zehn Prozent aller Studenten Platz in einem Wohnheim. Schlusslicht ist Berlin. Hier ergattern gerade mal fünf Prozent der Jungakademiker ein Zimmer in einem Studentenwerk. Es gibt Alternativen. Das Angebot reicht vom Zweibettzimmer für stolze 190 Euro im muffigen Plattenbau bis hin zur frisch renovierten WG – oft für weit mehr als das Doppelte.

Während es sich in ostdeutschen Städten wie Chemnitz noch vergleichsweise günstig wohnt – hier geben Studenten im Schnitt 211 Euro monatlich für Miete aus -, ist Wohnen in Köln, München oder Hamburg deutlich teurer: Hier kostet eine Bude im Schnitt um die 360 Euro aufwärts. Findet sich etwas in angemessener Qualität und guter Lage, entbrennt ein regelrechter Wettkampf um die Studenten-Bude. In Ballungsräumen kommen auf eine Wohnung 20 Interessenten oder mehr.

Schritt 1 bei der Wohnungssuche: Überzeugen Sie den Vermieter von sich

Umso wichtiger ist der erste Eindruck, den Sie hinterlassen. Der aber verfestigt sich nicht erst beim ersten Zusammentreffen, sondern weit vorher. Sie schauen sich sicher mehrere Wohnungen an. Da kann es leicht passieren, dass Sie Zahlen, Daten und Fakten durcheinander werfen. Am besten schreiben Sie sich einen großen Zettel mit den wichtigen Eckdaten der einzelnen Wohnungen und tragen ihn bei sich. Darauf sollte stehen:

  • Name des Vermieters
  • Größe der Wohnung
  • Kosten für die Studentenbude

Bei unangekündigten Anrufen des Vermieters haben Sie so immer sofort den Überblick und drohen sich nicht zu verhaspeln.

Schritt 2 bei der Wohnungssuche: Die Unterlagen

Viele Vermieter bitten vorab, eine Selbstauskunft auszufüllen, um sich ein Bild über den Wohnungsanwärter zu machen. Schummeln Sie hier bloß nicht! Sind die Angaben geschönt oder gefälscht, ist unter Umständen nicht nur diese Wohnung futsch, wenn das ans Licht kommt! Oder denken Sie, dass Vermieter nicht untereinander vernetzt sind?

Bei Studenten ist bei diesen Selbstauskünften logischerweise von besonderem Interesse:

  • Wer bezahlt die Miete?
  • Sind die monatlichen Zahlungen gesichert?

Daher wollen Wohneigentümer in der Regel darüber hinaus einen Einkommensnachweis oder eine Schufa-Auskunft von Ihnen. Da Studenten selbst oft keinen Verdienst haben, sollten Sie außerdem einen Mietbürgschaftsnachweis Ihrer Eltern vorlegen, in dem diese sich bereit erklären, Mietausstände fristgerecht zu begleichen, falls in Ihrem Geldbeutel mal wieder gähnende Leere herrscht. Weitere Unterlagen, an die Sie denken sollten sind:

  • Lebenslauf: Hieraus kann der Vermieter Rückschlüsse auf Ihr Wohn- und Zahlungsverhalten ziehen. Dieser will natürlich das Risiko, es mit einem Mietnomaden zu tun zu haben, so gering wie möglich halten.
  • Kopie des Personalausweises: Der Vermieter will schließlich mit der richtigen Person einen Mietvertrag eingehen!
  • Studentenausweis/ Immatrikulationsbescheinigung: Besonders wichtig bei Wohnungen oder Wohnheimen, die speziell für Studenten angeboten werden!
  • Bescheinigung über Mietschuldenfreiheit: Wenn das nicht Ihre erste Miet-Wohnung ist, kann Ihnen Ihr früherer Vermieter bescheinigen, dass die Miete immer pünktlich gezahlt wurde. Ein solcher Beleg ist ein starker Beweis für Ihre Zuverlässigkeit.

Auch wenn diese Unterlagen nicht ausdrücklich verlangt werden, ist es ratsam, sie dem Vermieter vorab zuzusenden, oder sie unaufgefordert zum Besichtigungstermin mitzubringen. Das zeigt, dass Sie sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt haben und verschafft vielleicht das nötige Quentchen Vorsprung vor der Konkurrenz.

Schritt 3 bei der Wohnungssuche: Der Besichtigungstermin

Für einen guten Eindruck sorgt auch, beim Besichtigungstermin die Eltern im Schlepptau zu haben. Keine Sorge – das wirkt nicht unselbstständig oder unreif. Darüber macht sich der Vermieter letztlich keine Gedanken, wohl aber, ob der Wohnraum an einen ordentlichen, verlässlichen Menschen geht. Und hier können Mama und Papa durchaus als eine Art lebende Visitenkarte fungieren - der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Stamm.

Wohnungsbesichtigungen sind wie Castings. Sicherlich eher unnötig zu erwähnen. Aber der Vollständigkeit halber: Gepflegtes Aussehen, Pünktlichkeit, Höflichkeit sind das A und O. Und auch wenn die Situation ungewohnt ist, seien Sie nicht zu schüchtern. Das hilft zum einen, sich aus dem Windschatten der Eltern herauszumanövrieren und zum anderen bekunden interessierte und qualifizierte Nachfragen rund um die Wohnung ernsthaftes Interesse und zeugen von einer gewissen Reife und Selbstständigkeit.

Schritt 4 bei der Wohnungssuche: Wonach sollten Sie fragen, was darf der Vermieter fragen?

Am besten schon vorab Fragen zurechtlegen. Dann bleibt auch nichts im Unklaren. Folgende Dinge könnten für sie interessant sein:

  • Heizkosten
  • Verkehrsanbindung
  • Sport- und Kulturangebote in der Nähe
  • Einkaufsmöglichkeiten</li>

Tipp: Schauen Sie sich die Umgebung doch schon mal an – zu Fuß oder per Google Maps. Umso zielgerichteter fällt Ihr Fragenkatalog aus. Natürlich hat auch der Vermieter Fragen. Hier müssen Sie aber nicht alle Informationen preisgeben. Und: Sind zu intime Details von Interesse – Finger weg! Hier handelt sich möglicherweise um kein seriöses Mietverhältnis.

Danach darf der Mieter fragen:

  • Einkommen
  • Anzahl der Kinder
  • Familienstand
  • Ausbildung / Laufbahn
  • Alter

Diese Fragen müssen Sie wahrheitsgemäß beantworten. Ansonsten kann das zur Kündigung des Mietverhältnisses führen. Diese Fragen sind dem Vermieter dagegen verboten:

  • Vorstrafen
  • Religion/Nationalität
  • frühere Mietverhältnisse
  • Aktivität in Parteien/Gewerkschafte
  • Kinderwunsch/Schwangerschaft

Manchmal ist die Höhe der Miete verhandelbar. In diesem Fall geben Sie gleich beim Besichtigungstermin eine Mietobergrenze an, damit es später zu keinen Missverständnissen kommt. Was Sie beim ersten Termin unbedingt lassen sollten, ist nach Schäden zu suchen oder diese gar abzufotografieren. Was nicht heißt, dass Sie keinen Blick auf eventuelle Mängel haben sollten – nur nicht zu offensichtlich.

Schritt 5 bei der Wohnungssuche: Visitenkarte dabei?

Und? Hat alles geklappt? Dann vergessen Sie nicht, dem Vermieter eine Visitenkarte mit Ihren Kontaktdaten in die Hand zu drücken. Denn oft lässt sich der Vermieter ein paar Tage für seine Entscheidung Zeit und er sollte wissen, wie er Sie erreichen kann.

Über die Autorin

Sonja-DietzSonja Dietz, Jahrgang 1977, arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich Human Ressources Management. Für ihre Kunden aus dem Online-, Print- und PR-Umfeld schreibt sie Fachartikel, entwickelt Strategien zum zielgruppengerechten Aufbau firmeneigener Social Media-Kanäle und befüllt diese mit passgenauem Content. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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