Ein Gastbeitrag von Soner Bekar
Nach vielen Semestern und noch mehr Prüfungen, unzähligen Partys und durchfeierten Nächten ist es irgendwann soweit: Uni ist aus. Jetzt geht es darum ein Job zu ergattern und sich zu bewerben. Irgendwie muss das mühsam erlernte Wissen ja auch mal in der Praxis angewendet werden. Der erste Schritt dazu: Bewerbungen schreiben. Das ist noch leicht, denn während des Studiums hat der Student den Umgang mit dem PC und der Sprache ja ausreichend geübt. Eine positive Antwort auf die Bewerbung kommt dann auch irgendwann mal – es herrscht ja Nachwuchsmangel und eine Art Kampf um Talente. Vor der Aufnahme der Arbeit steht jedoch das Vorstellungsgespräch. Und das ist ein Problem. Hier lauern jede Menge Stolpersteine. Die fünf allerschlimmsten Fehler, einem dabei unterlaufen können, habe ich hier zusammengefasst:
- Zu spät kommen. Mit dem Vorstellungsgespräch beginnt eine neue Zeitrechnung. Heißt: Bloß nicht in alte Gewohnheiten zurückfallen und schon den Beginn des Arbeitsverhätnisses, nennen wir es, flexibel gestalten! Vermutlich dürften den Personalchef die Begründungen, die heruntergeladene Wegbeschreibung sei zu ungenau gewesen oder die vergangene Party hätte doch länger gedauert als gedacht, nicht wirklich überzeugen.
- Um eine Pause bitten. Zugegeben, Vorstellungsgespräch und Vorlesung haben ein paar Gemeinsamkeiten: gegenüber sitzt oder steht eine Person, die einem irgendwas erzählt und immer wieder unerwartete Fragen stellt. Entsprechend groß ist die Verwechslungsgefahr. Hüten Sie sich aber, um eine Erholungspause zu bitten! Die Dauer des Vorstellungsgesprächs bestimmt der Personalchef. Auch wenn sein Vortrag länger dauert als jede Vorlesung.
- Einschlafen. Auch hierbei handelt es sich um einen typischen Fehler, der sich aus der Ähnlichkeit von Vorstellungsgespräch und Vorlesung ergibt. Klar, kann das Gelaber des Personalers auch mal langweilen. Es soll sogar Rekruter geben, die sich am liebsten selber reden hören. Aber die Präsenzintensität während des Monologs zu reduzieren und sich eine kleine mentale Auszeit zu gönnen, wäre fatal. Deshalb, darum und daher: durchhalten, wachbleiben!
- Referieren. Jeder halbwegs fleißige, engagierte Student hat irgendwo mal gelesen, er müsse sich auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten und möglichst viele Informationen über seine künftige Tätigkeit und das Unternehmen sammeln. Das ist wahr. Das heißt aber nicht, dass der Student aus diesem Sammelsurium ein Referat verfassen und im Jobinterview vortragen muss, womöglich indem er die Unternehmensstruktur mit Verhältnissen in anderen Firmen vergleicht. Erstens gibt es dafür keine Noten, zweitens sieht das immer ein wenig albern aus, wenn man als Bewerber vorgibt, das Unternehmen besser zu kennen als der Personaler, der für selbigen Laden arbeitet.
- Prahlen. Dass ein solider und geübter Umgang mit dem Computer wichtig ist und dass der Student diesen während der letzten 20 Semester irgendwie so eben gelernt hat, ist ja gut und schön. Es ist aber nicht so klug, dem Rekruter auf die vielen Social Networks hinzuweisen, bei denen man inzwischen Mitglied ist, weil man ja ein ach so kommunikativer und gut verdrahteter Typ ist. Das Ergebnis wird sein, dass er sich die Profil genau anschaut. Wo er suchen muss, weiß er ja jetzt. Dumm, wenn da dann noch verhuschte Fotos von der letzten Sauftour oder Teilnahme am Wet-T-Shirt-Contest verlinkt sind.







Thomas Schulze
Super Inhalt für Studenten, ganz wichtig ist die Etikette, die je nach Firma unterschiedlich ausfallen kann, wichtig ist jedoch, dass Sie passt zum jeweiligen Arbeitgeber. Und zu spät kommen kann man schon, wenn vorher ein Anruf getätigt wird, dann sind 15 mins drin, wenn Zug oder Flieger zu spät. Bei kurzen Wegen eher “no Go” – viel Erfolg bei den Bewerbungen !
hans salzke
jetzt dachte ich es käme sonstwas, nach der einleitung, doch nichts als tipps für vollbratzen, die es vermutlich aus tranigkeit noch nicht einmal schaffen eine vollständige bewerbung abzuschicken. alles in allem, und ich bin gerade in der situation vorstellungsgespräche absolvieren zu dürfen, finde ich den artikel wirklich enttäuschend. ich wäre für echte tipps wirklich dankbar, nicht für glossen. cherio, hans
Jochen Mai
@Hans: Aber, aber. Auch Satire und Glossen dürfen doch mal sein. Das Leben ist bunt. Und die “echten” Tipps finden Sie hier doch auch zuhauf. Mein Vorschlag: Klicken Sie sich einfach mal durch die empfohlenen “Ähnlichen Artikel” am Schluss. Das sind allein 8 nutzwertige Stücke bei denen jeweils auf weitere Artikel verwiesen wird.
Katrin K.
Ich bin ebenfalls eher enttäuscht. Hundertprozentig ernstnehmen kann man den Artikel nicht, aber wie eine Satire klingt er auch nur ansatzweise. Es ist stilistisch eine unentschlossene Mischung, die leider sowohl den Spaß einer Glosse als auch den Nutzwert eines sonst hier üblichen Artikels vermissen lässt. Schade drum.
nicole
Auch ich finde den Artikel eher enttäuschend – hätte mir mehr erwartet. Da finde ich andere Artikel zu Bewerbungsgesprächen hier im Blog interessanter (wo Sie – @Jochen Mai – ja auch in Ihrer Antwort an Hans hingewiesen haben). Aber es gibt es gutes Gefühl, etwas zu lesen was man bzw. frau bereits weiß.
Jochen Mai
@Katrin / @Nicole: Ihr geht aber hart mit dem jungen Gastautor ins Gericht. Okay, das ist erlaubt und der Ton ist wirklich sachlich – das finde ich vorbildlich. Ich finde aber auch, dass es hier nicht durchweg bierernst zugehen müsste, hätte aber nicht gedacht, dass offenbar ein Teil der treuen Leserschaft das nicht goutiert. Oder sehen das andere Leser anders?
Nicht, dass ich nicht beide Sichtweisen respektieren würde. Ich möchte nur meine Leser und auch deren Erwartungen besser kennenlernen – und der Anlass scheint gerade günstig dafür.
hans salzke
vielen dank, herr mai, für ihren hinweis. ich schließe mich dennoch der meinung von katrin k. an, dass mir der sonst übliche informationsgehalt fehlte. ich habe nichts gegen humor oder satire, doch um als satire durch zu gehen reicht der gehalt auch nicht. ich möchte den, wie sie schreiben, jungen gastautor nicht vergrämen. vielleicht trifft das mich eben gerade an einem punkt, an dem ich selbst unsicher bin, da ich in einer solchen situation stecke und auf gute tipps angewiesen bin. einigen wir uns friedlich und wünschen uns einen guten abend mit einer pharoah-sanders-cd und gin tonic on the rocks. beste grüße von hans.
Jochen Mai
@Hans: Das ist auch völlig okay. Aber ich frage mal zurück: An welchem Punkt sind Sie denn besonders unsicher. Vielleicht wäre das ja mal ein Thema, eine Recherche und ein Artikel wert…
Gerhard Zirkel
Also ich finde den Artikel sehr passend. Denn genau diese Dinge werden – man möchte es kaum glauben – oft falsch gemacht. Gerade Studenten, die angeblichen Elite von Morgen, liefern in solchen Situationen manch argen Schnitzer. Sei es durch Arroganz oder Unwissenheit (oder beides).
Einen fortgeschrittenen Berufseinsteiger werden die Hinweise natürlich kalt lassen :)
Gerhard Zirkel
hans salzke
vielen dank für ihre antwort und das angebot. es geht mir besonders um die sog. soft skills. das beginnt mit dingen, wie zb. wie setze ich mich hin, wie spreche ich die person/en an (vor allem, wenn fünf um den tisch sitzen, jedoch nur eine fragen stellt), wie verhalte ich mich beim eintreten oder gehen… wie zeige ich am besten interesse, engagement oder ideen, ohne übereifrig oder anbiedernd zu wirken, wo ziehe ich da die grenze.
zusammengefasst weiß ich wie ich mich im groben verhalten muss und konnte das auch schon einige male anwenden, doch was ich suche ist der schliff, die distanzierte höflichkeit, der sichere umgang mit verschiedenen situationen und personen, die schlagfertigkeit, auf nuancen eingehen zu können, ohne mich anzubiedern. ich denke “personaler” senden zeichen, die ich gerne richtig deuten lernen möchte. auf diesem schmalen grat bin ich unsicher. beste grüße, hans
Katrin K.
Hallo Jochen,
mit Satire zwischendurch habe ich überhaupt kein Problem, im Gegenteil. Bitte einplanen!
Nur finde ich eben, sie sollte konsequent sein. Im obigen Artikel sind fünf Punkte. Drei, die ihren Sinn haben. Einer (um Pause bitten), bei dem ich mich echt frage, wer um Himmels Willen auf die Idee käme, das zu tun. Beziehungsweise: Wenn man sehr dringend wohin muss und es ist kein Ende abzusehen, wär’s vielleicht doch geschickter… ;-). Und dann aber der völlig absurde Tipp, nicht einzuschlafen. Ja, das ist Satire und es hätte einen tollen Artikel gegeben, wenn er zwischen vier mindestens ebenso absurden Punkten gestanden hätte. So aber wertet er die anderen Infos leider ab, weil man sie unwillkürlich in Frage stellt und überlegt, ob man sie nun wirklich ernstnehmen kann. Also: Satire ja. Aber dann eindeutig. Herzliche Grüße, Katrin.
Jochen Mai
@Katrin: Überzeugt. ich werde also künftig bei Gastautoren und eigenen Artikeln stärker zwischen beidem differenzieren.
Pingback: Die Bewerbung oder wie bewerbe ich mich mich richtig ? | Spirofrog Blog