Ein Gastbeitrag von Marina Hasiwa

Massenuni – schon bei dem Wort assoziieren Studenten ganz Unterschiedliches: Für Karl-Heinz aus Oberbayern ist vielleicht das Bodensee-Städtchen Konstanz schon eine Großstadt und die Uni mit 10.000 Studenten ein Moloch, in dem man auf Anhieb weder den Weg zur Vorlesung noch zu den Toiletten findet. Carlotta aus Berlin wiederum könnte es hier am Bodensee sehr schnell zu eng werden. Alles ist relativ.

Wenn aber die Entscheidung erst einmal mal getroffen ist und es einen an die LMU in München oder an die Uni Köln mit jeweils rund 47.000 Studenten zieht oder gar nach Wien mit fast 88.000 Kommilitonen verschlägt, dann kann man wohl von Massenandrang sprechen. Überfüllte Hörsäle, endlos lange Mensa-Schlangen, kaum Betreuung durch die Professoren – so stellt man sich eine Massenuni vor. Da wird der Einzelne zum anonymen Teil der Masse und läuft Gefahr sich selber in den Wirren des Studienplans und der vielen Gebäude zu verirren.

Vor allem Erstsemester tun sich schwer damit, sich zurechtzufinden, drohen zu vereinsamen und finden keinen Zugang zum Studium und in die Gemeinschaft der Studenten. Soweit muss es aber nicht kommen – vorausgesetzt, Sie beachten die folgenden Empfehlungen für das Überleben an der Massenuni:

  • Eigeninitiative entwickeln. Das Vorlesungsprogramm zusammensuchen, Kurse auswählen und neue Freunde finden, all das muss selber in die Hand genommen werden. Wer das nicht kann oder lernen möchte, der wird wohl schnell ins aus geraten und sich in die Menge der Studienabbrecher oder Uniwechsler einreihen.
  • Hilfe suchen. Da Massenunis mit den Problemen von Studienanfängern vertraut sind, werden Programme und Hilfen angeboten, um sich durch die ersten Wochen zu kämpfen. Finden muss die jedoch jeder selber, es lohnt sich aber in herumliegende Flyer zu schauen, Aushänge und Plakate zu studieren und jeden zu fragen, der zufällig beim Kaffee neben einem sitzt.
  • Orientierungswoche nutzen. Speziell Erstsemstern wird eine Orientierungswoche angeboten, in der die wichtigsten Inhalte des Studiums umrissen werden und fehlende Grundlagen nachgearbeitet werden können. Außerdem wird hier auf weitere Programme und Hilfestellungen hingewiesen. Sie sind aber auch ein erster Zugang zu den Mit-Kommilitonen und hier sollten schon erste Bekanntschaften geschlossen werden.
  • Vorbereitungskurse besuchen. Schon in den Semesterferien vor dem Studienbeginn und während des laufenden Semesters werden an der Massenuni Kurse angeboten, die einem helfen, sich zurechtzufinden. Hier kann jeder die Infos rausfiltern, die er braucht, um nicht unterzugehen.
  • Mentoren finden. Hilfsbereite, ältere Semester erklären sich bereit für eine gewisse Zeit einem Frischling zur Seite zu stehen und dafür zu sorgen, dass er die ersten Wochen übersteht ohne überrollt zu werden.
  • Studienberater befragen. Hier wird einem gern weitergeholfen, einfordern muss das jedoch jeder selbst. Niemand wird einen hier an der Hand nehmen, aber oft reicht es ja schon, wenn einem gesagt wird, wo man den richtigen Ansprechpartner findet.
  • Fachschaft kontaktieren. Jedes Studienfach hat eine Fachschaft und einen eigenen Raum, wo meist Tee und Kaffee günstig zu haben sind. Außerdem gibt es hier alle Informationen, alte Klausuren und höhere Semester, die sicherlich gern ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.
  • Zeit managen. Die Gefahr bei einer Vielzahl von angebotenen Aktivitäten ist, sich zu verlieren und alles nur im Ansatz, halb oder gestresst zu machen. Auch das muss gerade an einer Massenuni schnell gelernt werden. Am besten setzt man sich mit seinem Studienberater, Mentor oder einem älteren Semesterkollegen zusammen und erstellt einen Plan, wann welche Vorlesung besucht und welche Kurse absolviert werden.
  • Kommilitonen anquatschen. In einem vollen Vorlesungsaal und der Mensaschlange lernt man leicht jemand kennen und Semesterpartys bieten genügend Gelegenheit sich genau die Freunde auszusuchen, die man schon immer haben wollte.

Angekommen – und jetzt?

Sind die ersten beiden Semester geschafft, sieht die Welt meist schon freundlicher aus. Man hat sich eingelebt, ist angekommen. Die Grundlagen für das weitere Studium sind geschaffen. Aber – nun bringt eine Massenuni noch weitere Probleme mit sich, denen man sich stellen muss:

  • Profs kontaktieren. Da das Lehrkonzept einer Universität sich immer durch die Kombination aus Forschung und Lehre auszeichnet, bleiben die meisten Studenten für die Professoren unsichtbar – oder zumindest nur eine Prüfungsnummer. Um auch mal zum Zug zu kommen und gefördert zu werden, muss man deshalb frech und renitent sein. Nur wer immer wieder nachfragt, Ideen einbringt und gute Vorschläge hat, wird von den Professoren wahrgenommen und gefördert.
  • Referate anbieten. An jeder Massenuni werden wissenschaftliche Hilfskräfte gebraucht. Ein Professor ist eben auch nur ein Mensch, der gern einen Kreis aus bekannten Gesichtern um sich hat. Nutzen Sie das! Entwickeln Sie Eigeninitiative, gehen Sie auf Professoren, deren Assistenten oder andere Hiwis zu und bieten Sie immer wieder Hilfe an. Das zahlt sich aus – und sei es nur, um an das ersehnte Referatsthema zu kommen oder sich einen interessanten Hiwi-Job zu sichern.
  • Doktorarbeit anvisieren. Auch die, die eine akademische Ausbildung anstreben sind an einer großen Universität nicht unbedingt benachteiligt. Zwar muss man sich mehr anstrengen um ins Blickfeld eines Professors zu geraten, wenn der einen aber erst einmal als Doktorand angenommen hat, bietet die Massenuni mit ihren vielen kleinen Arbeitsgruppen, Zusammenschlüssen und Vernetzungsstrukturen einen unüberbietbaren Vorteil. Hier können Ressourcen genutzt werden, die Kommilitonen an kleineren Unis meist nur durchs Internet kennen.

Die Vorteile der Massenuni

Auch wenn Ihnen der Einstieg an einer Massenuni – trotz dieser Tipps – zunächst schwerfällt: Es hat durchaus Vorteile an einer großen Universität zu studieren. Denn die Massenuni trainiert zugleich wichtige Qualitäten, die sich später im Berufsleben auszahlen und von vielen Chefs heute gesucht werden: Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen, auf Menschen zugehen und seinen individuellen Weg finden können. Und natürlich ein gutes Selbstmanagement. Wer erst einmal gelernt hat, sich zurechtzufinden und zu organisieren, wird sich auch später durchbeißen können und einen Weg zum Traumjob finden.

Zudem bietet eine Massenuni häufig ein vielfältiges und breites Lehrangebot, von denen kleine Universitäten nur träumen können. Auch Koryphäen der Wissenschaft wollen in der Regel lieber an renommierten Unis in großen und bekannten Städten forschen und lehren als an kleinen. Und deren Renommee strahlt natürlich auch auf die Studenten ab.

Auch außerhalb der Universität sind oft viele Dinge einfacher, weil sich Teile der Stadt längst auf die zahlreichen Studenten eingestellt haben: Es gibt zig WGs, spezielle Jobagenturen und Arbeitsvermittler haben sich auf den Studentenmarkt eingestellt und die Nebenjobsuche ist hier ein Kinderspiel. Kneipen, die spezielle Studentenpreise anbieten gibt es genug, ganz zu schweigen vom weitaus attraktiveren Freizeitangebot einer Großstadt.

Kurzum! Verzweifeln Sie nicht. In der Herausforderung Massenuni stecken oft noch viel mehr Chancen!

Über die Autorin

Marina Hasiwa, Wissenschaftlerin mit der Leidenschaft für in den Alternativmethoden zum Tierversuchen. Nebenbei beschäftigt sie sich viel mit den Strukturen in Arbeitsgruppen, Teamwork und der Frage: Wie bin ein guter Chef und was kann jeder Mitarbeiter tun, um zu einer guten und effektiven Arbeitsstruktur beizutragen. Durch ihre Arbeit an der Universität und mit der Gründung ihrer eigenen Firma http://www.atax-advice.eu werden solche Fragen auch persönlich immer relevanter…