Studienplatzabsage: Wie soll es jetzt weiter gehen?
Sie haben sich für ein Wunschsstudium entschieden, sich die Universitäten herausgesucht, an denen Sie gerne studieren würden und Bewerbungen an die Hochschulen verschickt. Danach beginnt die Zeit des Wartens. Es vergehen quälende Wochen zwischen Bangen und Hoffen. Doch was ist, wenn Sie wirklich eine Studienplatzabsage erhalten? Wie geht es dann weiter? Öffnen Sie die Post und halten einen Ablehnungsbescheid in den Händen, ist die Enttäuschung groß. Der Schock sitzt tief. Sie hatten sich bereits auf das Studium gefreut und Ihnen wird nun schmerzlich bewusst, dass Sie Ihre Pläne unter Umständen ändern müssen. Doch sollten Sie nach einer Absage den Kopf nicht gleich hängen lassen. Wir erklären, wie es nach der Studienplatzabsage weiter gehen kann und welche Chancen Sie noch nutzen können...

Studienplatzabsage: Wie werden Studienplätze vergeben?

Kommt die Absage für einen Studienplatz, lautet die erste Frage in den Köpfen oft: Warum? Man möchte die Gründe verstehen, warum ausgerechnet die eigene Bewerbung nicht angenommen wurde, obwohl man sich im Vorfeld gute Chancen ausgerechnet hat. Entscheidend für eine Studienplatzzusage oder eben eine Studienplatzabsage ist die Verteilung zulassungsbeschränkter Studiengänge, die an den meisten Universitäten nach bestimmten Anteilen vergeben werden:

  • 20 Prozent der Plätze gehen an Bewerber mit der Abiturbestnote,
  • 20 Prozent an jene mit den meisten Wartesemestern
  • und bei den restlichen 60 Prozent darf die Hochschule nach eigenen Kriterien wählen.

Bei den 60 Prozent dürfte die Hochschule nun noch Auswahlverfahren, Gespräche oder ähnliche Kriterien ansetzen. Doch häufig wird auch hier als Grundlage die Abiturnote genommen. Dann spielt auch der Numerus clausus (NC) eine Rolle.

Der NC gibt an, welche Abiturdurchschnittsnote beziehungsweise wie viele Wartesemester der letzte zugelassene Bewerber vorweisen konnte. Er wird nicht von der Hochschule vorgegeben, sondern wird erst nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens ermittelt.

Damit sich Bewerber im Voraus einen Eindruck über ihre Zulassungschancen machen können, ist der NC der vorherigen Semester einsehbar, bewerben sich im Folgejahr jedoch mehr angehende Studenten mit besseren Noten auf ein Studienfach, kann der Numerus Clausus in verschiedenen Jahrgängen variieren.

Studienplatzabsage: Informationen in Ihrem Ablehnungsbescheid

Weicht die Aufregung über eine Rückmeldung der Universität dem Frust, weil es sich um eine Studienplatzabsage handelt, würden viele den Brief am liebsten gleich in den Müll werfen oder verbrennen, um dem Ärger Luft zu machen. Doch die Studienplatzabsage sollten Sie stattdessen genau betrachten, da Sie wichtige Informationen enthält, die für das weitere Vorgehen entscheidend sein können.

Meistens erhalten Sie eine Absage für einen Studienplatz aus zwei Gründen:

  1. Sie haben die formalen Kriterien nicht erfüllt. Beispielsweise fehlten Nachweise über Sprachkenntnisse oder Praktika oder sie haben nicht die notwendigen Unterlagen postalisch eingeschickt. In der Regel werden Sie über solche formalen Fehler im Ablehnungsbescheid informiert.
  2. Sie wurden aufgrund Ihrer Abiturnote oder Ihrer Wartesemester nicht berücksichtigt. Der häufigere Grund für eine Studienplatzabsage: Das bedeutet, dass die anderen Bewerber einen besseren Abiturdurchschnitt oder mehr Wartesemester vorweisen konnten.

Auf der Studienplatzabsage wird man Sie darüber informieren, welche Abiturnote und wie viele Wartesemester der letzte angenommene Bewerber vorweisen konnte. Auch werden Sie über die Ranglistenplätze dieser Bewerber informiert. Auch Ihre Werte werden aufgelistet. Damit erhalten Sie die Möglichkeit beide Angaben miteinander zu vergleichen.

Hier ein Beispiel:

Studienplatzabsage_Beispiel_Ablehnungsbescheid

In diesem Beispiel hätte der letzte aufgenommene Bewerber einen Notenschnitt von 2,0 gehabt. 9 Wartesemster wären die Aufnahmegrenze für eine Vergabe nach Wartesemestern.

Studienplatzabsage ist nicht das Ende der Karriere

Das Studium gilt als die beste Vorbereitung für eine erfolgreiche Karriere - und als Sprungbrett, um es beim späteren Arbeitgeber weit zu bringen. Eine Studienplatzabsage bedeutet aber nicht das Ende der Karriere, bevor diese überhaupt begonnen hat.

Eine aktuelle Studie der DIHK kam zu dem Ergebnis: Das Studium ist nicht unbedingt notwendig, um erfolgreich zu sein. Arbeitnehmer, die nach einer beruflichen Ausbildung den Weg einer Weiterbildung einschlagen - beispielsweise zum Fachwirt - stehen den Absolventen der Universität in nichts nach.

Im Gegenteil. Laut der Studie sind die Absolventen einer Fortbildung häufiger in der Position des Vorgesetzten als Akademiker und haben auch mehr Weisungsbefugnisse über andere Mitarbeiter. Die gute Vorbereitung auf Führungsaufgaben bietet gute Perspektiven auch nach einer Studienplatzabsage.

Studienplatzabsage: Das Nachrückverfahren

CebotariN/shutterstock.comIm ersten Moment scheint die Studienplatzabsage endgültig zu sein. Man hat es schwarz auf weiß vor sich liegen und ist erst einmal am Boden zerstört. Doch mit der Absage sind längst nicht Ihre letzten Chancen auf den Studienplatz verspielt.

Sollten Sie in der ersten Runde der Studienplatzvergabe nicht berücksichtigt worden sein, können Sie trotzdem noch angenommen werden. Im sogenannten Nachrückverfahren können Sie einen Studienplatz erhalten, den ein anderer Bewerber abgelehnt hat.

Fast alle angehenden Studenten bewerben sich an mehreren Universitäten, doch können nur einen Platz annehmen. Nach Ablauf einer Frist, in der der Bewerber seinen Studienplatz annehmen muss, werden die nicht angetretenen Plätze neu vergeben. Hier kommt die Rangliste ins Spiel. Stehen Sie relativ weit oben, haben Sie gute Chancen im Nachrückverfahren einen Platz zu erhalten. Für dieses müssen Sie sich nicht noch einmal anmelden, sondern nehmen in den meisten Fällen automatisch daran teil. Sollten Sie unsicher sein, können Sie bei der Universität nachfragen.

Studienplatzabsage: Das Losverfahren

Ist es Ihnen auch im Nachrückverfahren nicht gelungen einen Studienplatz zu erhalten, können Sie am Losverfahren teilnehmen. Bleiben nach der Vergabe noch Studienplätze übrig, werden diese unter den verbleibenden Bewerbern verlost. Möchten Sie an diesem Verfahren teilnehmen, reicht dafür in der Regel eine formlose Bewerbung mit Name und Adresse aus. Viele Hochschulen bieten auch die Möglichkeit sich online anzumelden.

Der Nachteil am Losverfahren: Die noch verbleibenden Plätze werden erst sehr spät vergeben und erfordern von den Studenten teils große Flexibilität. So kann es sein, dass Sie die Zusage erst eine Woche vor Semesterstart oder sogar schon in der ersten Semesterwoche erhalten.

Studienplatzabsage: Zulassungsfreie Studiengänge

wavebreakmedia / shutterstock.comKonnten Sie sich in keinem Auswahlverfahren einen Studienplatz in einem zulassungsbeschränkten Studiengang sichern, bleibt Ihnen die Möglichkeit, sich in zulassungsfreie Studiengänge einzuschreiben. Prüfen Sie, ob an einer anderen Hochschule, unter Umständen an einer kleineren, Ihr Wunschstudiengang nicht zulassungsbeschränkt ist. Im Hochschulkompass finden Sie alle Studiengänge gelistet.

In einigen Fällen ist es möglich zunächst einen artverwandten zulassungsfreien Studiengang zu studieren und im nächsten Semester zu wechseln. Sie wurden beispielsweise für den Studiengang Biochemie nicht angenommen. Vielleicht können Sie jedoch ein Chemiestudium beginnen und in einem späteren Semester wechseln.

Hierbei sollten Sie allerdings wissen, dass bei einem Wechsel nach dem 3. oder 4. Semester Ihr Anspruch auf Bafög darunter leiden könnte. Außerdem gilt: Während Sie für einen anderen Studiengang eingeschrieben sind, sammeln Sie keine Wartesemester, die bei einer erneuten Bewerbung angerechnet werden könnten.

Studienplatzabsage: Das Studium im Ausland

Viele Schulabgänger, die an dem deutschen NC scheitern, gehen stattdessen ins Ausland. Unsere Nachbarländer Österreich, Schweiz und Niederlande haben häufig gar keine Grenzwerte für Studienbewerber. Besonders bei beliebten Studiengängen, bei denen der NC in der Regel sehr schwer zu erreichen ist, wie beispielsweise Medizin, Psychologie oder Wirtschaftswissenschaften, ist ein Studium im Ausland eine echte Alternative.

Informieren Sie sich über die Zulassungsvoraussetzungen und die Fristen für die Einschreibung. Bedenken Sie allerdings auch, dass Sie unter Umständen Studiengebühren zahlen müssen. Auch sollten Sie sich über die Regelungen den deutschen Universitäten informieren, wenn Sie nach einigen Semestern an eine deutsche Hochschule wechseln wollen. In Berlin und Schleswig-Holstein werden Auslandssemester beispielsweise nicht als Wartesemester angerechnet.

Studienplatzabsage: Zeit überbrücken und Wartesemester ansammeln

Möchten Sie bei Ihrer Studienplatzwahl keine Kompromisse eingehen und wollen an keiner anderen Universität und in keinem anderen Studiengang Ihr Studium aufnehmen, bleibt Ihnen vorerst nichts anderes übrig als zu warten. Suchen Sie sich eine Möglichkeit, die Wartezeit bis zur nächsten Bewerbungsrunde zu überbrücken und dabei gleichzeitig etwas für Ihre spätere Laufbahn oder Ihre Persönlichkeit zu tun:

Gute Möglichkeiten sind:

  1. Das Praktikum

    Sammeln Sie bereits erste Erfahrungen in der Branche und absolvieren Sie ein längeres Praktikum vor dem Studienstart. Damit haben Sie auch die Möglichkeit, Ihre Studienwahl mit einem Praxistest auf die Probe zu stellen. Außerdem macht sich die Erfahrung bei späteren Bewerbungen bezahlt, da viele Unternehmen gerade bei Studenten die fehlende Praxis bemängeln.

  2. Der Freiwilligendienst

    Beim Freiwilligendienst haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Sie können Lesepatenschaften übernehmen, soziale Einrichtungen unterstützen oder für die Umwelt aktiv werden. Bei vielen sozialen Trägern ist der Einstieg jederzeit möglich. Zwar verdienen Sie nicht viel Geld, denn Sie erhalten nur eine Aufwandsentschädigung, doch Sie sammeln Erfahrungen, die Sie im Lebenslauf unterbringen können und die eventuell Ihre Studiengangwahl beeinflussen.

  3. Der Auslandsaufenthalt

    Mit Programmen wie Weltwärts oder dem europäischen Freiwilligendienst haben Sie auch die Möglichkeit für eine Zeit ins Ausland zu gehen und fremde Kulturen kennenzulernen. Auch Work and Travel bietet Ihnen diese Möglichkeit. Auch auf diese Weise lässt sich die Wartezeit sinnvoll überbrücken.

  4. Die Ausbildung

    Ja, auch das ist möglich. Zwar müssen Sie dafür mehrere Jahre einplanen, doch kann das Studium auch nach einer Ausbildung in Angriff genommen werden. So verfügen Sie bereits über ein fundiertes Wissen und praktische Erfahrung, die Sie im Studium erweitern können, um sich als gefragtes Talent auf dem Arbeitsmarkt zu positionieren.

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