Vorlesungen an Universitäten und Hochschulen sind heutzutage vor allem eines: voll. In manchen Studiengängen ist es an der Tagesordnung, dass nicht alle Studenten an Vorlesungen teilnehmen können, weil die Sitz- und Stehplätze im Hörsaal schlicht nicht ausreichen. Doch selbst wenn es kein Platzproblem gibt, ist es nicht gerade leicht, einer Vorlesung konzentriert zu folgen. Längst nicht alle Professoren können ordentlich vortragen und auch didaktisch gibt es große Unterschiede zwischen den Dozenten. Es ist daher die Aufgabe der Studenten, die Vorlesungen für sich zu nutzen. Dafür gibt es einige bewährte Strategien.

Im Folgenden stelle ich Ihnen 12 Strategien vor, mit denen Sie Ihre Vorlesungen optimal für sich nutzen können. Dabei geht es mir bewusst nicht darum, dass Sie möglichst alle Inhalte eins zu eins mitschreiben. Erstens ist das als Lernstrategie ganz und gar nicht empfehlenswert und zweitens sind die meisten Skripte inzwischen in E-Learning-Systemen oder zumindest in gedruckter Form verfügbar.

Lernen beginnt in der Vorlesung

Es gibt – leider – nach wie vor viele Studenten, die ihre Lernaktivitäten fast vollständig in Bibliotheken, Lerngruppen oder das Home Office verlegen. Diese Studenten sehen Vorlesungen als reine Wissensvermittlung, die sie möglichst vollständig dokumentieren müssen. Sicher, Wissensvermittlung ist ein Teil der Vorlesung, doch viel wichtiger ist, dass Sie als Student in der Vorlesung den Stoff verstehen und die Zusammenhänge begreifen. Details und Faktenwissen entnehmen Sie dann den Skripten, doch diese runden Ihr Verständnis nur ab und sind nicht das Fundament Ihrer Lernstrategie.

Mit den folgenden Tipps nutzen Sie Ihre Vorlesungen optimal:

  1. Vorbereitung – Gehen Sie im Vorfeld der Vorlesung Ihre Aufschriebe und/oder das Skript des letzten Termins noch mal durch und bereiten Sie sich so auf das Thema vor.
  2. Material – Wenn Sie das Skript elektronisch oder ausgedruckt vorliegen haben, sollten Sie es mitnehmen. Machen Sie dabei bitte nicht den Fehlern, während der Vorlesung mitzulesen. Es geht nur darum, dass Sie Ihre Notizen an den passenden Stellen einfügen und später den Zusammenhang herstellen können.
  3. Sitzplatz – Suchen Sie sich – wenn Sie die Wahl haben – einen Sitzplatz mit guter Sicht und vor allem akzeptabler Akustik. In manchen Hörsälen gibt es Sitzreihen, in denen Sie kein Wort verstehen, diese sind natürlich tabu.
  4. Sitznachbarn – Im Lauf der Zeit lernen Sie Ihre Kommilitonen kennen. Setzen Sie sich dann neben die Personen, die einen ähnlichen Arbeitsstil wie Sie haben und Sie in Ihrer Konzentration nicht stören.
  5. Aufzeichnung – Audio- oder Video-Aufzeichnungen von Vorlesungen können praktisch und für den Lernprozess eine echte Bereicherung sein. Technisch sind diese mit aktuellen Smartphones, Tablets oder Laptops kein Problem. Sie müssen jedoch unbedingt Ihren Dozenten um Erlaubnis fragen, denn er muss der Aufzeichnung zustimmen. Eine Veröffentlichung ist in der Regel ausgeschlossen.
  6. Notizen – Wie bereit erwähnt, sollten Sie nur die für Sie wichtigen Stichpunkte notieren. Bei Vorlesungen, in denen es kein Skript gibt – solche Ausnahmen existieren noch – teilen Sie den Mitschrieb am besten zwischen mehreren Kommilitonen auf. Das Zusammensetzen im Anschluss ist zwar zeitaufwändig, spart jedem Einzelnen jedoch Arbeit.
  7. Trinken – Ja, Sie haben es schon zigmal gehört, aber achten Sie auch darauf? Alle 20 bis 30 Minuten sollten Sie einige Schlucke trinken. Dadurch bleiben Sie fit und können sich über die gesamte Vorlesung hinweg konzentrieren.
  8. Schreiben – Dieser Punkt mag etwas kontrovers sein, dennoch finde ich ihn extrem wichtig: Machen Sie Ihre Notizen und Mitschriebe – zumindest teilweise – bitte von Hand mit Stift und Papier. Die Haptik und Motorik löst völlig andere Reaktionen im Gehirn aus, als das beim Tippen der Fall ist und fördert so die Kreativität. Zu diesem Schluss kommt eine amerikanische Studie. Diese wurde zwar mit Kindern durchgeführt, doch die grundsätzlichen Aussagen sind auch für Studenten gültig.
  9. Beteiligung – Je nach Dozent kommt es in Vorlesungen durchaus zu Diskussionen und aktiver Beteiligung der Studenten. Nutzen Sie diese Chance, um Ihr Wissen und Ihr Verständnis des Themas zu testen.
  10. Nachbereitung – Idealerweise gehen Sie Ihre Notizen und das Skript der Vorlesung im Nachhinein durch. Lassen Sie dabei bitte einige Stunden Abstand zwischen der Vorlesung und Ihrer Zusammenfassung.
  11. Lehren – Die optimale Nachbereitung besteht darin, das Thema der Vorlesung anderen Studenten – beispielsweise den Mitgliedern Ihrer Lerngruppe – zu erläutern. Durch das Lehren lernen Sie am meisten.
  12. Zusammenfassen – Spätestens nach dem Ende eines Themenblockes sollten Sie sich die Zeit nehmen und alle Vorlesungsnotizen zu diesem Thema zusammenfassen. Die Wiederholung und Beschäftigung mit dem Thema hilft Ihnen, den Stoff zu verinnerlichen und spart Ihnen vor den Klausuren viel Arbeit.