Studieren in Österreich: Was Sie wissen müssen
Studieren in Österreich: Das Studium in der Alpenrepublik ist unter deutschen Abiturienten längst kein Geheimtipp mehr. In vielen Hörsälen zwischen Salzburg und Graz stellen sie sogar schon die Mehrheit. Aber was macht ein Studium in Österreich überhaupt so attraktiv? Was muss ich wissen, wenn ich in den Bergen meinen Abschluss machen will? Wir bringen Sie auf den neuesten Stand.

Studium: Felix Austria

Die Uni Wien feiert morgen ihren 650. Geburtstag. Über 90.000 Studenten gibt es hier, damit ist sie nicht nur die älteste Universität im deutschen Sprachraum, sondern auch eine der größten.

Darunter sind auch viele Deutsche. Österreich ist das mit Abstand liebste Land für deutsche Auslandsstudenten. Über 32.000 pauken nach den letzten Statistiken in Wien, Salzburg oder Innsbruck. In Salzburg und Innsbruck kommen demnach auf einen österreichischen Studienanfänger rund fünf (!) deutsche. Für manche Einheimische sind das eindeutig zu viele. Die "Deutschenschwemme" hat es sogar schon als zeitgeschichtlicher Begriff in die Wikipedia geschafft.

Aber was macht ein Studium im Nachbarland so attraktiv? Und welche Hürden kommen auf Bewerber aus Deutschland zu? Wir haben die wichtigsten Fakten für Sie.

Studieren in Österreich: Was spricht dafür?

  • Kein Numerus clausus: Österreich bietet insbesondere vielen Deutschen Asyl, die vor dem knallharten NC geflüchtet sind. Das heißt aber nicht, dass es ein unbegrenztes Platzangebot geben würde. Mehr zu den Aufnahmeverfahren weiter unten.
  • Keine Studiengebühren: Während in Deutschland die Gebührengegner wohl endgültig den Sieg davongetragen haben, tobt die Diskussion in Österreich weiter. In den letzten zehn Jahren gab es ein ständiges Hin und Her, Studiengebühren wurden gekippt, dann wieder eingeführt, dann wieder abgeschafft. Stand jetzt müssen EU-Bürger keine Studiengebühren bezahlen, Langzeitstudenten allerdings schon (Näheres ebenfalls unten).
  • Geographische Nähe: Vor allem für bayerische Abiturienten ist Österreich nur einen Katzensprung entfernt. Salzburg liegt unmittelbar hinter der Grenze, ist von München aus mit dem Auto in rund 1,5 Stunden erreichbar.
  • Deutsche Sprache: Amtssprache in Österreich ist bekanntlich deutsch, auch die Vorlesungen werden in der Landessprache abgehalten. Es gibt nur wenige Ausnahmen und englischsprachige Studiengänge.
  • Vergleichbares Studium: Der Bologna-Prozess hat auch Österreich erfasst. Bachelor- und Masterstudiengänge sind in Aufbau und Dauer mit den deutschen vergleichbar.
  • Attraktive Städte: Wien wurde erst vor wenigen Tagen vom Beratungsunternehmen Mercer auf Platz eins der lebenswertesten Städte der Welt (!) gewählt. Neun Unis gibt es allein in der Hauptstadt. Ohnehin dürfte der Kulturschock für Bayern und Preußen in Österreich geringer ausfallen als anderswo.

Welche Optionen habe ich?

Österreich beherbergt 22 staatliche Universitäten und 21 Fachhochschulen. Dazu kommen noch zwölf Privatuniversitäten.

Alle 22 staatlichen Universitäten

  • Universität Wien
  • Karl-Franzens-Universität Graz
  • Universität Innsbruck
  • Medizinische Universität Wien
  • Medizinische Universität Graz
  • Medizinische Universität Innsbruck
  • Universität Salzburg
  • Technische Universität Wien
  • Technische Universität Graz
  • Montanuniversität Leoben
  • Universität für Bodenkultur Wien (BOKU)
  • Veterinärmedizinische Universität Wien
  • Wirtschaftsuniversität Wien
  • Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU)
  • Alpen-Adria Universität Klagenfurt
  • Universität für angewandte Kunst Wien
  • Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw)
  • Universität Mozarteum Salzburg
  • Universität für Musik und darstellende Kunst Graz
  • Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz
  • Akademie der bildenden Künste Wien
  • Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung

Bekomme ich überhaupt einen Platz?

Die Unis entscheiden (im Rahmen der rechtlichen Vorschriften) selbst über die Zulassung ausländischer Studenten. Die Chancen für deutsche Studenten stehen weiterhin gut. Einen NC gibt es nicht. Auch keine "Österreicherquote", die von Kritikern immer wieder verlangt wird, um die Deutschen aus den Hörsälen zurückzudrängen. Im laufenden Semester etwa gingen 50 Prozent aller Plätze in Psychologie an deutsche Studenten. Ausnahme: Medizin. Hier sind in der Tat drei Viertel der Studienplätze für Österreicher reserviert.

In zulassungsfreien Fächern reicht es oft aus, sich online anzumelden und einzuschreiben. Für stark nachgefragte Fächer aber gibt es Aufnahmeverfahren.

Beispiel Linz: Für den Bachelorstudiengang Sozialwirtschaft und Wirtschaftswissenschaften stehen für 2015/16 an der Johannes-Kepler-Universität 252 Bachelor- und 702 Master-Plätze zur Verfügung. Vom 1. März bis zum 15. Mai müssen sich Interessenten online registrieren, dann bis zum 10. Juni ein Motivationsschreiben abliefern und, sofern das Platzkontingent überschritten wird, am 7. Juli eine schriftliche Prüfung überstehen. Dabei werden Grundkenntnisse in Wirtschaft, Mathematik und Statistik abgefragt. Mitte Juli werden die Prüfungsergebnisse bekanntgegeben, die Zulassung erfolgt bis zum 4. September.

In den anderen Unis ist das Prozedere ähnlich. Auch die Uni Wien führte zum Wintersemester 2013/14 erstmals Aufnahmeverfahren in einzelnen Fächern durch, unter anderem in BWL, VWL, Biologie, Pharmazie und Psychologie. Auch hier kann man sich seit dem 1. März für das aktuelle Aufnahmeverfahren online registrieren.

Besonders schwer ist das Aufnahmeverfahren für Medizin, hier führen die Medizinische Universität Wien, die Medizinische Universität Graz, die Medizinische Universität Innsbruck und Medizinische Fakultät der Uni Linz ein standardisiertes Aufnahmeverfahren unter dem Namen MedAT durch.

Darüber hinaus werden in manchen Fächern Zusatzprüfungen abgehalten, um das Vorwissen in Latein, Griechisch oder Biologie zu prüfen. Und entsprechende Sprachkenntnisse muss nachweisen, wer zum Beispiel Romanistik oder Slawistik studieren will.

Was kostet mich das?

Studiengebühren gibt es zwar offiziell in Österreich, aber de facto müssen die meisten Studierenden lediglich den ÖH-Beitrag in Höhe von 18,70 Euro pro Semester für die Pflichtmitgliedschaft in der "Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft" entrichten. Denn: Nur wer sein Studium um zwei Semester überschreitet, muss seit 2013 pro überschrittenem Semester 363,36 Euro an Studiengebühren zahlen.

Diese Regelung gilt wohlgemerkt nur für EU-Bürger, Österreicher und Deutsche zum Beispiel. Für Studenten aus Drittstaaten werden vom ersten Semester an 726,72 Euro fällig.

Und noch ein Pluspunkt: Österreich ist kein Hochpreisland. Zwar liegen die Lebenshaltungskosten um rund sieben Prozent über dem EU-Durschnitt und sind damit teurer als in Deutschland (1,5 Prozent über EU-Schnitt). Aber im Vergleich zu anderen beliebten Studentenländern in Europa wie den Niederlanden, Schweden, Norwegen oder Frankreich ist das Leben in der Alpenrepublik deutlich günstiger.

Wo ist der Haken?

Ein Gerücht, das beständig die Runde macht: Studienanfänger werden in Österreich gerne "rausgeprüft". Das bedeutet, dass die Klausuren in den ersten Semestern so hart sind, dass sich schnell die Spreu vom Weizen trennt. Ein Umstand, der den vergleichsweise laxen Aufnahmebedingungen geschuldet ist.

Ob, inwiefern und wo das der Realität entspricht, können wir an dieser Stelle nicht genau nachprüfen. Im Hinterkopf dürfen Interessierte diesen Hinweis aber gerne behalten.

Und noch ein Hinweis: Nicht jeder Einheimische soll auf die Masseneinwanderer aus dem Norden gut zu sprechen sein. Exemplarisch: Die Zeit veröffentlichte (vor mittlerweile drei Jahren) die Schmähschrift eines österreichischen Studenten, der sich lang und breit über seine "nervigen" Kommilitonen aus Deutschland ausließ. Und die FPÖ forderte nicht zuletzt deshalb eine "Uni-Maut" für ausländische Studenten, um sich für die geplante Autobahn-Maut für Ausländer jenseits der Grenze zu revanchieren.

Aber alles kein Grund für diplomatische Zerwürfnisse: Für eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes reichen diese Scharmützel jedenfalls noch nicht aus ...

Die Popularität österreichischer Unis könnte dennoch irgendwann zum Bumerang für deutsche Studenten werden. Noch ist es aber nicht soweit.

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