Jobben-Studium-Kellnern-Studentin
Studieren ist teuer: Durchschnittlich 700 Euro pro Monat gehen für Miete, Lebenshaltung, Bücher und Freizeitgestaltung drauf. Rund zwei Drittel der Studierenden müssen deshalb während des Studiums jobben und in den Semesterferien richtig reinklotzen, um sich ein finanzielles Polster zu schaffen. Geht das nicht, weil beispielsweise Hausarbeiten die Zeit beanspruchen, bleibt nur eine Option: Statt Nebenjob parallel zum Studium in Teilzeit oder gar Vollzeit arbeiten. Das hat aber seine Tücken...

Studieren und arbeiten: Geht das überhaupt?

Studentenjobs-Bar-NachtjobDie Ideallösung ist, einen Job zu finden, der eine gewisse fachliche Nähe zum Studienfach aufweist. So lassen sich die gemachten Praxiserfahrungen später beim Berufseinstieg nutzen und nicht selten sammeln Studierende so auch schon frühzeitig gute Kontakte in die Wirtschaft, was die Jobchancen noch einmal erhöht.

Aber seien wir ehrlich: Den wenigsten gelingt das. Die meisten müssen das nehmen, was sie finden und was die speziellen Jobvermittlungsstellen für Studierende oder das Studentenwerk an ihren jeweiligen Hochschulorten hergeben.

Das Wichtigste dabei: Wer als ordentlicher Studierender immatrikuliert ist und parallel zum Studium und während der Vorlesungszeit jobben will, darf nicht mehr 20 Stunden pro Woche arbeiten. Sonst verlieren Studenten das Privileg, keine Sozialversicherungsabgaben zahlen zu müssen.

Ausnahmen:

  • Die Einschränkung gilt nur für die Vorlesungszeit. In den Semesterferien können Studenten problemlos mehr als 20 Stunden arbeiten - jedoch insgesamt nicht mehr als 26 Wochen (182 Kalendertage) im Jahr. Ansonsten werden Studenten als Arbeitnehmer eingestuft und damit versicherungspflichtig - und zwar rückwirkend.
  • Wer während der Vorlesungszeit überwiegend außerhalb der regulären Studienzeit jobbt - also zum Beispiel an Wochenenden, abends oder nachts -, darf ebenfalls mehr als 20 Stunden arbeiten. Allerdings nur dann, wenn die meiste Zeit noch immer dem Studium gewidmet wird. Andernfalls unterstellt das Finanzamt Steuertrickserei.

Immerhin: Die Höhe des Einkommens ist für die Frage der Sozialversicherungsfreiheit oder Versicherungspflicht nicht relevant.

Studieren und jobben: Welche Beschäftigungsarten gibt es?

Dabei stehen den Studierenden grundsätzlich drei verschiedene Beschäftigungsverhältnisse zur Auswahl, die unterschiedliche Regelungen bezüglich der Sozialversichungspflicht aufweisen. Diese sind:

  • Minijobs bis 450 Euro im Monat (Minijobs)

    Wer regelmäßig nicht mehr als 450 Euro auch während der Vorlesungszeit verdient, gilt als geringfügig beschäftigt und zahlt in der Regel weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge wie Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung. Es müssen lediglich Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden - und selbst davon können sich Studenten befreien lassen (was aber nicht empfehlenswert ist). Die 450-Euro-Grenze für Minijobs beinhaltet aber auch Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld. Also Achtung: Kommen Sie umgerechnet inklusive dieser Sonderzahlungen auf mehr als 450 Euro pro Monat ist es mit dem Status der geringfügigen Beschäftigung vorbei. Bafög-Empfänger können bis zu 400 Euro brutto im Monat zusätzlich verdienen, ohne dass sich das negativ auf ihre Förderung auswirkt.

    Tipps dazu:

  • Nebenjobs bis 850 Euro im Monat (Midijobs)

    Studenten, die nebenbei zwischen 450 und 850 Euro im Monat verdienen sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Die Höhe des zu zahlenden Rentenbeitrags richtet sich nach der Höhe des Einkommens. Hinzu kommen Steuern (Lohnsteuer beziehungsweise Einkommenssteuer). Dafür sind Studierende von den Beiträgen zur Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit - aber nur, wenn das Studium weiterhin im Vordergrund steht (20-Stunden-Regel, siehe oben). Allerdings können Studenten mit einem Job-Einkommen von mehr als 450 Euro auch nicht mehr in der kostenfreien Familienversicherung bleiben, sondern werden pflichtversichert. Siehe auch HIER.

    Tipps dazu:

  • Jobs in den Semesterferien

    Wer als Student ausschließlich in den Semesterferien arbeitet, braucht unabhängig von der Verdiensthöhe keine Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung) zahlen. Dauert das Beschäftigungsverhältnis längstens zwei Monate oder 50 Arbeitstage im Kalenderjahr, fällt auch die Rentenversicherungpflicht weg. In dem Fall muss die Beschäftigung aber vertraglich befristet sein und darf nicht berufsmäßig ausgeübt werden.

    Tipps dazu:

Jobben mit Stipendium

Studierende, die ein Stipendiat beziehen - etwa bei einem der zwölf Begabtenförderungswerke -, müssen aufpassen: Nebentätigkeiten aus nichtselbständiger Tätigkeit, die den Betrag von 400 Euro brutto pro Monat überschreiten, werden auf das Stipendium angerechnet. Wer selbstständig arbeitet, darf sogar nur 324 Euro brutto im Monat dazuverdienen.

Jobben während des Studiums: Selbstmanagement entscheidet

Studentin-Studium-jobbenDamit Ihnen die Kombination aus Arbeit und Studium gelingt, muss Ihr Zeit- und Selbstmanagement stimmen. Die Tage sollten Sie so planen, dass für beide Dinge genug Raum bleibt: Nebenjob und Studium. Dazu sind eine gehörige Portion Selbstdisziplin, viel Selbstmotivation und ein Höchstmaß an Resilienz notwendig, um der Doppelbelastung stand zu halten und trotzdem genug Power fürs Lernen zu haben.

Um sicher zu sein, mit der Doppelbelastung klarzukommen, sollten Sie die folgenden Fragen mehrheitlich mit JA beantworten:

  • Sind Sie tief genug ins Studium eingestiegen, um die Anforderungen wirklich zu kennen?
  • Können Sie den Zeit- und den Arbeitsaufwand für Studium und Arbeiten realistisch einschätzen?
  • Läuft es gut genug, um nebenher etwas anderes tun zu können?
  • Wann bleibt wie viel Zeit zum Jobben?
  • Bleibt Ihnen ausreichend Zeit zum Relaxen, für Interessen, persönliche Entwicklung, Freundschaften und Beziehungen?
  • Sind Ihre Fähigkeiten zur Selbstorganisation ausreichend?
  • Können Sie Prioritäten setzen und gegenüber anderen vertreten – und sich selbst daran halten?
  • Haben Sie klare Ziele für Job und Studium? Sind sie in Ihre Lebensplanung eingebunden?

Gerade die Zielklarheit ist wichtig, um trotz der Doppelbelastung durchzuhalten. Gleichzeitig sollten Sie die einmal eingeschlagene Richtung nicht stur verfolgen: Vielleicht ergeben sich beim Jobben und Studieren auch neue Perspektiven, die eine Unterbrechung des Studiums oder ein paar Auslandssemester nahe legen. Letztlich sollte Ihr Studium immer Vorrang haben: Jobs wechseln höchstwahrscheinlich auch später noch - Ihre abgeschlossene Ausbildung aber kann Ihnen niemand mehr nehmen...

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