Studentin-Studium-ohne-Abitur
Als das Abitur noch Reifeprüfung hieß, war es die zwingende Voraussetzung für den Zugang zum Studium. Heute ist das zum Glück anders: Studieren ohne Abitur - das ist durchaus möglich. Zahlreiche Studiengänge und Bildungsträger bieten diese Option an. An ein paar Voraussetzungen ist diese allerdings trotzdem geknüpft...

50.000 studieren ohne Abitur

50.000 studieren ohne AbiturIn Deutschland studieren rund 2,7 Millionen Menschen - davon knapp 50.000 ohne Abitur, wie das CHE Centrum für Hochschulentwicklung meldet.

Die Zahl der Studierenden ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife hat sich damit von 2010 bis 2014 nahezu verdoppelt. Rekordwerte gibt es auch bei den Studienanfängern: 2,8 Prozent (14.000) der sogenannten Ersties haben kein Abi. Aber eben eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie entsprechende Berufserfahrung, womit ihnen bundesweit knapp 7000 Studienangebote offen stehen.

Die Hochschule, die bundesweit die meisten Studienanfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung ausweist, ist die FernUniversität in Hagen. Auf Länderebene verzeichnen vor allem Hamburg und Nordrhein-Westfalen einen Anteil von mehr als fünf Prozent bei den Studienanfängern ohne Abitur. In vier der fünf ostdeutschen Bundesländer ist der Anteil dagegen rückläufig.

  • Bei der Fächerwahl entschied sich die Hälfte der Erstsemester ohne Abi für einen Studienplatz im Bereich Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (50 Prozent).
  • Dahinter folgen die Sprach- und Kulturwissenschaften (14 Prozent)
  • sowie die Ingenieurwissenschaften (13 Prozent).

Studium ohne Abitur: Voraussetzungen sind Ländersache

Ein Hinweis vorweg: Bildungspolitik ist in Deutschland Ländersache. Daher können wir hier keinen detaillierten Ratgeber mit allen Voraussetzungen für den Zugang zum Studium ohne Abitur schreiben. Dafür gibt es von Hochschule zu Hochschule und Bundesland zu Bundesland doch zu viele verschiedene Regelungen.

Sie finden abeer im Folgenden die grundlegenden Möglichkeiten und Voraussetzungen fürs Studium ohne Abitur. Dieses ist sowohl an staatlichen Universitäten und (Fach)Hochschulen, wie auch an Dualen Hochschulen und privaten Einrichtungen möglich.

Vor allem Letztere werben damit, dass sie zahlreiche Studiengänge im Programm haben, die ohne Abitur besucht werden können. Hinter diesen vollmundigen Werbeaussagen stehen jedoch häufig dieselben Regelungen und Voraussetzungen, die auch für staatliche Hochschulen im jeweiligen Bundesland gelten. Rein von der Zulassung her bieten private Träger hier also keine Vorteile.

Zur Einstimmung in das Thema können Sie sich auch schon einmal dieses Erklärvideo ansehen:

Berufsabschluss und Berufserfahrung: Voraussetzungen fürs Studium

Zwar können Sie Ihr Abitur oder die Fachhochschulreife auch auf dem zweiten Bildungsweg berufsbegleitend nachholen und sich dann ganz regulär für einen Studiengang einschreiben. Alternativ lässt sich aber auch eine abgeschlossene Berufsausbildung in Verbindung mit einschlägiger Berufserfahrung als Voraussetzungen für die Studienzulassung ausreichen.

Je nach Bundesland können Sie sich entweder mit einem Berufsabschluss oder mit dem Meisterbrief auf den Weg zum Studium machen. Je nach Bundesland und Studiengang kann allerdings auch erst eine mehrjährige Berufserfahrung als Zulassungsvoraussetzung notwendig werden. Andere Bundesländer beschränken wiederum den Zugang mit Meisterbrief auf Fachhochschulen.

Gut für Sie: Auch Berufserfahrung in einem völlig studienfremden Bereich kann anerkannt werden. Hier handelt es sich dann jedoch um Ausnahmen und Einzelfallentscheidungen, die von der jeweiligen Bildungseinrichtung anerkannt werden müssen.

Eignungsprüfungen, Probestudium und mehr: Weitere Alternativen

Manchmal reichen aber auch Berufsabschluss und Berufserfahrung - selbst wenn sie perfekt zum Zielstudium passen - nicht aus. Hier sind Eignungsprüfungen, Begabtentests, berufliche Weiter- und Fortbildungen oder ein Probestudium (auch Propädeutikum genannt) zusätzlich zur beruflichen Qualifikation notwendig.

Das Probestudium umfasst in der Regel zwei bis vier Semester und endet in einer Abschlussprüfung, deren Ergebnis über die Zulassung zum Studium entscheidet. In den meisten Fällen sind sowohl das Probestudium als auch die Prüfungsergebnisse nur für die jeweilige Bildungseinrichtung relevant. Andere Hochschulen erkennen solche Tests oft nicht an und stellen eigene Anforderungen.

Bevor Sie sich daher für ein Probestudium an einer Universität oder Hochschule entscheiden, sollten Sie sich einige Fragen stellen:

  • Brauchen Sie das Probestudium, um selbst herauszufinden, ob das Studium der richtige Weg für Sie ist?
  • Gibt es andere Hochschulen und Bildungseinrichtungen, an denen die Zulassung ohne Probestudium möglich ist?
  • Wie lange dauert das Probestudium und wie wird es organisiert? Ist es mit Ihrem Job vereinbar?
  • Gibt es an der Hochschule Alternativen zum Probestudium?
  • Wird ein Teil des Probestudiums oder die Abschlussprüfung von anderen Hochschulen anerkannt?

Studium ohne Abitur: Darauf sollten Sie achten

Unabhängig von den konkreten Zulassungsvoraussetzungen und Ihrem Wunschstudiengang können Ihnen einige Praxistipps den Weg zum Studium ohne Abitur erleichtern.

Einer der wichtigsten: Prüfen Sie, ob für Sie ein Duales Studium in Frage kommt. Diese Studiengänge werden immer in Kooperation mit einem Unternehmen - dem Praxisträger - durchgeführt. Entsprechend hängt auch die Zulassung zum Studium weitgehend vom Unternehmen ab. Haben Sie den Ausbildungsvertrag mit dem Unternehmen in der Tasche, ist die Zulassung an der Dualen Hochschule nur noch eine Formalität.

Als Arbeitnehmer mit Berufserfahrung haben Sie bei einem Dualen Studium hervorragende Chancen, da Sie primär das Unternehmen von sich überzeugen müssen. Ein weiterer Vorteil: Mit einem Dualen Studium müssen Sie sich nicht völlig aus der Arbeitswelt verabschieden oder das Studium berufsbegleitend absolvieren.

Ist ein Duales Studium für Sie jedoch keine Alternative, sollten Sie bei Ihrer Studienwahl und Vorbereitung einige Aspekte beachten:

  • Prüfen Sie, ob Ihr Wunschstudium auch als Fernstudium oder berufsbegleitend angeboten wird.
  • Stimmen Sie Ihre Pläne mit Ihrem Arbeitgeber ab und stellen Sie sicher, dass Ihnen von Seiten des Unternehmens keine Steine in den Weg gelegt werden.
  • Fragen Sie unbedingt mehrere Bildungseinrichtungen und -träger an, die Ihren Wunschstudiengang im Angebot haben.
  • Möglicherweise lohnt sich auch ein Vergleich der Zulassungsvoraussetzungen in verschiedenen Bundesländern.
  • Auch der Ruf einer Bildungseinrichtung kann für Ihre Entscheidung wichtig sein - insbesondere, wenn Sie später mal den Job wechseln wollen.
  • Nehmen Sie frühzeitig Kontakt mit den Beratungsstellen der relevanten Bildungseinrichtungen auf. Bürokratische Prozesse können sich ganz schön in die Länge ziehen.

Zugegeben: Das Studium ohne Abitur, insbesondere die Zulassung dazu, ist etwas komplizierter. Von Ihnen wird dafür mehr Recherche und Eigeninitiative verlangt. Am Ende aber und auf lange Sich lohnt sich der Aufwand.

Studien haben ergeben: Bildung lohnt sich: Wer etwa eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, verdient im Schnitt und über sein Erwerbsleben hinweg knapp 250.000 Euro mehr als jemand ohne Berufsausbildung und Abitur. Letzteres in Kombination mit einem Fachhochschul- oder Universitäts-Studium zahlt sich sogar noch mehr aus: Die Bildungsprämien liegen beim Abitur durchschnittlich bei rund 500.000 Euro, für eine FH-Abschluss bei 900.000 Euro und für ein Uni-Abschluss gar bei 1.250.000 Euro. Das ist doch was!

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