Studium ohne Schulden münzen daumen hoch
Ein Studium bedeutet heute für viele ein Leben an der Armutsgrenze, über die Hälfte der Studenten sind auf sich allein gestellt und bekommen keine Unterstützung von ihren Eltern. Da erscheint die Möglichkeit eines Kredits oder eines Darlehens verlockend – ein festes monatliches Einkommen und man kann sich auf das Studium konzentrieren. Allerdings kann dieser Schritt schnell zu einer Schuldenfalle werden. Manchmal ist dieser Schritt aber auch gar nicht nötig, denn es gibt verschiedene Wege, um ein Studium ohne Schulden zu absolvieren...

Studium an der Armutsgrenze

Ein Studium ist teuer, im Schnitt kosten zehn Semester rund 45.000 Euro. Die Kosten hängen stark von den Lebenshaltungskosten und dem Studienfach ab. Vor einigen Jahren war der Betrag noch viel höher, als deutsche Universitäten Studiengebühren eingeführt haben. Als diese wieder abgeschafft wurden, hat sich die finanzielle Lage der Studenten allerdings nicht sonderlich verbessert. Die Kosten für Miete, Lebensmittel, Kleidung, Lernmaterialien und Freizeitgestaltung steigen stetig.

Häufig greifen die Eltern jungen Akademikern unter die Arme, rund 52 Prozent der Studierenden sind aber laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (PDF) von 2012 auf sich allein gestellt. Mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 881 Euro in den alten Bundesländern und 778 Euro in den neuen Bundesländern leben Studenten an der Armutsgrenze, jeder Fünfte muss sogar mit nur 600 Euro auskommen.

Es gibt einige Möglichkeiten, das Einkommen während des Studiums aufzustocken: Viele greifen zu Studienkrediten oder Darlehen, um die Kosten decken zu können. Diese sind aber mit langfristigen Risiken verbunden und sollten gut überlegt sein. Wer heute einen Kredit aufnimmt, um sein Studium zu finanzieren, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er noch viele Jahre nach Abschluss des Studiums damit beschäftigt sein wird, die zum Teil hohen Schulden zurückzuzahlen. Langfristig haben Akademiker zwar meist gute Aussichten auf ein höheres Gehalt, doch beim Berufseinstieg nach dem Studium darf man nicht gleich Unsummen erwarten. Viele Studenten sind überrascht, wie lange sie tatsächlich mit der Rückzahlung eines Kredites beschäftigt sind.

BAföG - der Klassiker

Das Bundesausbildungsförderungsgesetz (kurz BAföG) regelt die staatliche Unterstützung der Studiumsfinanzierung. Der Betrag besteht zur Hälfte aus einem zinslosen Kredit, die andere Hälfte sind staatliche Zuschüsse. Ob BAföG gewährt wird, hängt von vielen Faktoren ab: vom Einkommen der Eltern, den eigenen Nebenverdiensten und von der Wohnsituation. Das Darlehen wird nur während der Regelstudienzeit bezahlt, die Studienleistungen müssen nach dem vierten Semester regelmäßig nachgewiesen werden.

Die Rückzahlung des Darlehens muss erst einige Jahre nach dem Studium erfolgen und richtet sich nach dem aktuellen Einkommen des Akademikers. Die Modalitäten sind flexibel: Der Betrag kann auf einmal zurückgezahlt werden - dabei werden übrigens bis zu 50 Prozent des Darlehens erlassen - es sind aber auch monatlichen Raten möglich.

Studium ohne Schulden: Nicht mit Krediten

Mit der Einführung der Studiengebühren 2005 konnten sich viele angehende Akademiker das Studium nicht mehr leisten. Die Banken haben schnell reagiert und boten ihnen Hilfe in Form von Studienkrediten an, die sich durch niedrige Zinsen und flexible Rückzahlungsmöglichkeiten auszeichneten. Rund zehn Jahre später wurden die Studiengebühren abgeschafft, die Angebote der Banken sind geblieben.

Der Vorteil des Studienkredits beispielsweise durch die KFW-Förderbank oder andere Anbieter ist, dass er unabhängig vom Einkommen der Eltern gewährt wird – das ist der Punkt, an dem zahlreiche BAföG-Anträge scheitern.

Auf den ersten Blick erscheint ein Darlehen oder ein Kredit die perfekte Möglichkeit, sein Studium zu finanzieren. Nach dem Studium kommt sicherlich ein guter Job und die Schulden können bald abbezahlt werden – so der optimistische Gedanke. Leider bergen diese Möglichkeiten auch das Risiko, einen beachtlichen Berg von Schulden anzuhäufen.

Um dieses Risiko zu vermeiden, sollte man sich bereits im Vorfeld über die Bedeutung im Klaren sein und bei der Wahl des Studienkredits auf folgende Punkte achten:

  • Die Rückzahlungsbedingungen: Wann ist die erste Rate fällig?
  • Die Höhe der Zinsen: Gibt es Unterschiede zwischen Studien- und Bildungskrediten?
  • Die Höhe der Raten: Kann ich die Rate selbst bestimmen?
  • Die Flexibilität: Was passiert beim Abbruch des Studiums?

Studium ohne Schulden: Mit diesen Mitteln

Es gibt aber auch andere Wege das Einkommen im Studium zu verbessern, ohne einen Kredit oder ein Darlehen aufzunehmen. Diese kosten vielleicht Zeit, sind mit einem größeren Aufwand oder zum Teil mit Behördengängen verbunden, haben aber den unbestechlichen Vorteil: Am Ende Ihres Studiums stehen Sie vollkommen schulfrei da. Es sind feste monatliche Beträge, die nach dem Studium nicht zurückbezahlt werden müssen, wodurch auch eine langfristige Planung - etwa eine teurere Wohnung, ein Haus oder ein Auto - realistischer wird. Die folgenden Einkommensquellen können Ihnen ein Studium ohne Schulden ermöglichen:

  • Nebenjob

    Zugegeben: Es ist nicht einfach, zu jobben und gleichzeitig in Vollzeit zu studieren. Es ist aber die vielleicht beste Möglichkeit, selbst an Geld zu kommen. Idealerweise sollte der Nebenjob bereits mit dem zukünftigen Beruf zusammenhängen und erste Einblicke und nützliche Kontakte ermöglichen. Auch eine Beschäftigung als Hilfswissenschaftler eignet sich perfekt: So bekommen Sie einen engeren Kontakt zu Dozenten, lernen mehr über die Arbeit an der Universität und vertiefen Ihr Wissen. Grundsätzlich sollten Sie aber darauf achten, dass die Nebentätigkeit nicht mehr als 20 Stunden die Wochen beansprucht und dass das Studium immer Vorrang hat.

  • Stipendien

    Es ist ein Irrtum, dass Stipendien nur an Hochbegabte und sozial engagierte Studenten mit einem perfekten Lebenslauf und einer Durchschnittsnote von 1,0 vergeben werden. Es gibt über 2000 Stiftungen in Deutschland, nur 13 von ihnen fördern ausschließlich herausragende Leistungen. Selbstverständlich ist die Stipendienvergabe an gewisse Forderungen geknüpft, mit einer Empfehlung vom Dozenten erhöhen sich die Chancen erheblich. Bewerben Sie sich für ein Teilstipendium, haben Sie häufig noch die Möglichkeit, einen Nebenjob auszuüben.

  • Wohngeld

    Wenn Ihr Antrag auf BAföG abgelehnt wurde, haben Sie immer noch Anspruch auf Wohngeld. Die Höhe des Betrags richtet sich nach dem Gesamteinkommen aller Mitglieder der Wohngemeinschaft und nach der Miete. Der Antrag wird bei der Wohngeldstelle Ihrer Stadt eingereicht, er ist allerdings an einige Bedingungen geknüpft: Sie sind nicht älter als 30 Jahre, sind noch in der Regelstudienzeit, studieren in Vollzeit, haben die Studienfachrichtung seit dem vierten Semester nicht gewechselt und bekommen kein Stipendium.

  • Kindergeld

    Sie haben bis zum 25. Lebensjahr Anspruch auf das Kindergeld, während Sie studieren. Es muss von Ihren Eltern beantragt werden und richtet sich nach der Kinderzahl in der Familie. Die Eltern sind sogar verpflichtet, Ihnen den Betrag auszuzahlen, wenn Sie nicht bei ihnen wohnen.

Apropos: Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

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