Dauer-Stress, Finanznöte, die erste Nacht im Hotel - gute Gründe für schlechten Schlaf gibt es viele. Ein schlechter Grund ist dagegen übersteigerter Arbeitseifer, Schlafverzicht ist kontraproduktiv. Am "Tag des Schlafes" wollen wir Sie daher ins Land der Albträume entführen: 6 Anzeichen, dass Sie zu wenig schlafen...

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Tag des Schlafes: Schlaflos

54 Prozent der männlichen und 59 Prozent der weiblichen Führungskräfte sind in Deutschland mit der Qualität ihres Schlafes unzufrieden. Das will die Max-Grundig-Klinik in Bühl in einer Umfrage kürzlich herausgefunden haben.

Beruflicher Stress ist demnach die Hauptursache für schlechten Schlaf, auch private Probleme und finanzielle Sorgen machen vielen zu schaffen. Meditation könne helfen, auch feste Rituale vor dem Einschlafen. Der Griff zur Wein- oder Bierflasche sei dagegen nicht sinnvoll. Zwar helfe Alkohol durchaus beim Einschlafen, aber der Körper sei nachts damit beschäftigt, ihn wieder abzubauen. Das mindere die Schlafqualität erheblich.

Optimale schlafdauer Schlafmenge 7 Stunden pro Tag

Ohnehin ist Schlaflosigkeit ein Gesundheitsrisiko, dass sich im Alltag durch viele Symptome äußert. Das sind die sechs wichtigsten ...

6 Zeichen, dass Sie schlecht schlafen

  1. Übergewicht

    Schlaflose haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht. Studien deuten konkret auf einen Zusammenhang von weniger als sechs Stunden Schlaf und einem erhöhten Body Mass Index hin. "Wenn wir uns die Faktenlage anschauen, dann sind kurzer Schlaf und schlechte Schlafqualität mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht verbunden, weil sie den Hunger deregulieren und zu einer erhöhten Energiezufuhr führen", so Kristen Knutson von der Universität von Chicago, die ihre Forschungsergebnisse 2012 in The American Journal of Human Biology vorgestellt hatte. Demnach würde, sehr vereinfacht gesagt, Schlafentzug die Hormone durcheinanderwirbeln und den Appetit anheizen. Am stärksten sei der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und hohem BMI bei Kindern und Heranwachsenden.

  2. Immunsystem

    Wer nur sechs Stunden oder weniger schläft, hat - im Vergleich zu Sieben-Stunden-Schläfern - ein vierfach erhöhtes Risiko, sich eine Erkältung einzufangen. Diese Zahlen präsentierten Aric Prather und sein Team von der University of California im vergangenen Jahr im Fachjournal Sleep. "Kurzer Schlaf war in der Vorhersage, wie hoch das Risiko eines Einzelnen für eine Erkältung ist, entscheidender als jeder andere Faktor", so Prather, der insgesamt 164 Probanden testete. "Es machte keinen Unterschied, wie alt die Leute waren, ihre Stresslevel, Ethnie, Bildung oder Einkommen. Es war egal, ob sie Raucher waren. Auch wenn man all diese Faktoren berücksichtigt, war es statistisch gesehen der Schlaf, der den Unterschied ausmachte."

  3. Konzentrationsfähigkeit

    "Erinnerungsvermögen und Konzentrationsfähigkeit sind deutlich besser, wenn jemand ausgeruht ist", sagt Philip Alapat vom Schlaflabor am Baylor College of Medicine, der sich speziell mit der Konzentrationsfähigkeit von College-Studenten beschäftigt hat. Gerade vor Klausuren solle man daher mindestens acht Stunden schlafen. Generell seien für Studenten sogar acht bis neun Stunden Schlaf optimal. "Jeder längere Schlafentzug beeinträchtigt Ihre Stimmung, Energielevel und die Fähigkeit, sich zu fokussieren, zu konzentrieren und zu lernen, was sich wiederum direkt auf Ihre akademische Leistung auswirkt", so Alapat. Je länger man lernt, desto höher der Ertrag - diese Gleichung geht also nicht auf, so lange sie nicht mit ausreichend Schlaf einhergeht. Auch bei jüngeren Schülern konnte man das bereits nachweisen. "Schlafenszeit opfern, um zusätzlich lernen zu können ist kontraproduktiv", sagt Experte Andrew J. Fuligni von der UCLA.

    Schlafmangel Folgen wirken wie Wein Infografik

  4. Lustlosigkeit

    Schlafmangel kann auch - um es drastisch zu formulieren - aus einer Testosteronbombe einen Schlappschwanz machen. Mediziner der Universität Chicago haben nachgewiesen, dass zu wenig Schlaf den Testosteronspiegel völlig gesunder junger Männer auf Sinkflug schickt. Dieser sinke ohnehin naturgemäß um ein bis zwei Prozent pro Jahr ab. Wer aber regelmäßig weniger als fünf Stunden schläft, lässt ihn regelrecht um zehn bis 15 Jahre altern. Der negative Effekt von Schlafmangel auf den Testosteronhaushalt war bereits nach einer einzigen Woche feststellbar. Vor allem nachmittags war der Testosteronspiegel unten. Konsequenzen: Mattheit, Kraft- und Lustlosigkeit.

  5. Unfallgefahr

    Müdigkeit am Steuer ist ein Unfallrisiko - das sagt uns schon der gesunde Menschenverstand. Wissenschaftler der Uni Bologna konnten 2010 ganz konkret nachweisen, dass Heranwachsende sogar ein doppelt so großes Unfallrisiko haben, wenn sie müde sind oder schlecht geschlafen haben. 80 der befragten 339 jungen Leute hatten nach eigenen Angaben bereits einen Unfall, 15 Prozent von ihnen gaben wiederum an, dass Müdigkeit die Hauptursache für ihren Crash gewesen war. Das einzig Sinnvolle - abgesehen von einer ausreichenden Nachtruhe - sei es, unverzüglich einen Parkplatz aufzusuchen und zehn bis 15 Minuten zu schlafen. „Gewöhnliche Gegenmaßnahmen, zum Beispiel das Fenster öffnen, Radio hören, einen Kaffee trinken, haben nur einen kurzen Effekt und sind im Grunde nutzlos“, so Neurologe Fabio Cirignotta. In dieses Bild passt auch, dass Menschen, die unter dem so genannten Schlafapnoe-Syndrom leiden, besonders gefährdet sind. Atemstillstände in der Nacht verhindern bei ihnen eine geruhsame Nachtruhe und ziehen meist eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit nach sich. Ihr Risiko, einen schwerwiegenden Verkehrsunfall zu bauen, ist laut einer Untersuchung der University of British Columbia um das Drei- bis Fünffache erhöht.

  6. Alterung

    Je weniger ältere Erwachsene schlafen, desto schneller altern ihre Gehirne. Auf diese prägnante Formel bringen Wissenschaftler der Duke-NUS Graduate Medical School in Singapur ihre Forschungsergebnisse. Sieben Stunden Schlaf sei - nach bisherigen Erkenntnissen - der Idealwert. "Den Schlaf im fortgeschrittenen Alter zu verbessern könnte dabei helfen, die Verschlechterung der Hirnfunktion hinauszuzögern, oder es könnte sogar den schnellen Verfall, der zu Demenz führt, verlangsamen oder stoppen", sagt Francesco Cappuccio von der Universität Warwick. Der Gehirnfunktion zuträglich sei laut Warwick-Forschern eine tägliche Nachtruhe von sechs bis acht Stunden - im Übrigen auch, um Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen und Schlaganfall zu verhindern.

Schlafforschung: Wer schläft am längsten?

Schlafforschung: Wer schläft am längstenGesunder Schlaf ist vor allem regelmäßiger Schlaf und dauert im Durchschnitt sieben Stunden. Darin sind sich Schlafforscher inzwischen einig. Tatsächlich kommt das auch in Deutschland ganz gut hin. So schläft der Durchschnittsdeutsche unter der Woche rund sieben Stunden, am Wochenende sind es sogar acht Stunden. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Schlafstudie des DIW. Allerdings sind das eben nur Durchschnittswerte. Betrachtet man einzelne Personengruppen, offenbaren sich dramatische Unterschiede...

Gute Nacht: Wer schläft wie viele Stunden?

Interessant ist, dass es zum Beispiel kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt: Beide schlafen in etwa gleich lang. Bei den einzelnen Altersgruppen sieht das indes schon ganz anders aus: Am längsten schlafen jungen Menschen und Rentner, den geringsten Schlaf bekommen dagegen die 41- bis 50-Jährigen. Sie pennen im Schnitt 6,83 Stunden unter der Woche.

Auch bei den Berufsgruppen gibt es beträchtliche Unterschiede: Auszubildende und Erwerbslose schlafen am längsten, Beschäftigte aber noch weniger als Selbstständige. Und auch mit einem weiteren Klischee räumt die Studie auf: Beamte schlafen mit durchschnittlich 6,8 Stunden werktags von allen am wenigsten. Gut, böse Zungen könnten jetzt sagen: "Klar, die holen den Schlaf ja auch im Büro wieder nach." Aber das ist natürlich eine Mär.

Bemerkenswert: Die Dauer des Schlafs hat wenig mit dem Bildungsniveau zu tun. Hier gibt es kaum Differenzen.

Wohl aber beim Familienstand: So schlafen etwa Singles länger als getrennt Lebende und auch länger als verheiratete Paare. Und klar: Je mehr Kinder im Haushalt leben, desto kürzer dauert die Nachtruhe.

Aber sehen Sie selbst: Hier die Ergebnisse der Schlaffoschungsstudie in einer Tabelle...

Wer schläft am längsten?

Personengruppe | Schlaf in Stunden... Werktags Wochenende
Durchschnitt 7,01 7,88
Männer 7,00 7,93
Frauen 7,01 7,83
15- bis 20-Jährige 7,26 9,20
21- bis 30-Jährige 7,10 8,56
31- bis 40-Jährige 6,92 8,01
41- bis 50-Jährige 6,83 7,93
51- bis 60-Jährige 6,84 7,72
Über 60-Jährige 7,10 7,61
Beschäftigte 6,88 8,08
Selbstständige 6,94 7,83
Rentner 7,20 7,37
Erwerbslose 7,04 7,65
Beamte 6,80 8,03
Auszubildende 7,07 8,96
Hohes Bildungsniveau 7,01 7,88
Mittleres Bildungsniveau 7,00 7,85
Geringes Bildungsniveau 7,00 7,78
Verheiratete 7,01 7,75
Singles 7,06 8,49
Geschiedene 6,85 7,69
Getrennte 6,76 7,61
Verwitwete 7,02 7,27
Keine Kinder 7,05 7,84
Ein Kind im Haushalt 6,92 8,06
Zwei Kinder im Haushalt 6,87 7,93
Mehr als zwei Kinder im Haushalt 6,85 7,87
Bei sehr guter Gesundheit 7,20 8,38
Bei guter Gesundheit 7,09 8,11
Bei mittlerer Gesundheit 6,99 7,78
Bei schlechter Gesundheit 6,75 7,33


(Quelle: DIW Studie, PDF)

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