Ich kannte einmal jemanden, der seinen Vortrag meist damit einleitete, jedem zu erzählen, mit welcher wichtigen Person er am Vortag zu Mittag gegessen oder sich am Abend bei einem Glas Wein konspirativ unterhalten hatte. Im Grunde blieb es jedes Mal nur bei der Einleitung. Wirklich Essenzielles, das aus diesen Insider-Gesprächen hervor gegangen wäre, erfuhr man nie. Der einzige Zweck dieser Erwähnung war augenscheinlich der, eine bedeutungsschwangere Aura zu erzeugen, in deren Subtext stets ein “Seht her, wen ich alles kenne” wohnte. Kurz: Es war stumpfes Name-Dropping.
Ich brauche Ihnen sicher nicht zu erzählen, dass derjenige nicht sonderlich beliebt war. Mehr noch: Je öfter er irgendwelche Namen in seinen Anmerkungen einbaute, desto mehr rollten andere mit den Augen, seufzten leise vor sich hin oder schalteten gänzlich genervt ab.
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In der jüngeren Zeit sieht man sie wieder häufiger. Gerne mittags in Restaurants. Oder Straßencafés. Typen, die beide Augenbrauen bis zur Mitte ziehen, eine dabei leicht anheben und die Augen etwas weiter öffnen als normal. Manchmal schütteln sie auch ganz leicht mit dem Kopf, schnalzen grimmig mit der Zunge oder Seufzen kurz auf. Typischer Fall von Stressgucker.
Stressgucker sind nahe Verwandte der Promo-Vieren und Mitleids-Erreger. Sie verdichten ihre sämtlichen Symptome auf das Gesichtszentrum. Und man sieht ihnen sofort an: Der Typ hat Stress, ist wichtig, ohne ihn läuft nichts. Jetzt, wo er hier sitzt und nicht an seinem Schreibtisch bricht wahrscheinlich das ganze System zusammen. Man kann die Hilferufe der anderen geradezu aus seiner Miene lesen: Lasst den Mann in Ruhe, seid nett zu ihm, er ist unsere einzige Chance! Also Zackzack, der Typ muss bestellen, essen, noch einen dreifachen Espresso auf die Hand – und dann nix wie zurück ins Büro, die Welt retten. Mindestens.
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