Natürlich ist diese Bild grob polemisch, dafür ist Bob Sutton, unter anderem Autor des Bestsellers “Der Arschloch-Faktor”, schließlich bekannt. Dennoch enthält der Text darunter eine tiefe Weisheit: Wir betrachten die Dinge häufig nur aus unserer Perspektive – nie aber aus der des anderen. Der Chef zum Beispiel sieht nur seine scheinbar unfähigen und unselbstständigen Mitarbeiter und übersieht, dass er es ist, der die Unfähigen nicht befähigt und ihnen zu wenig Kompetenzen gibt. Doch das ist selektive Wahrnehmung und gefährlich dazu: Erstens, weil wir so nur jammern und sich trotzdem nichts verändert; zweitens, weil der Mist sich so nur weiter mehrt – oben wie unten.
Seit ich gekündigt habe, verhält sich mein Boss mir gegenüber wie ein Arschloch. Das finde ich zutiefst infantil.
Stimmt. Ist auch unprofessionell, aber normal.
Wieso das?
Lass es mich so ausdrücken: Den meisten Managern sind Personalauswahlverfahren fürchterlich unangenehm. Erst ist es anstrengend, überhaupt einen geeigneten Kandidaten zu finden. Dann kann man noch nicht einmal sicher sein, dass man die richtige Wahl getroffen hat – das zeigt sich in der Regel erst viel später im Job. Und hat man schließlich die richtige Wahl getroffen und tatsächlich ein Top-Talent aufgespürt, bekommen das bald auch andere mit und der Mitarbeiter wird entweder sehr schnell sehr teuer oder abgeworben.
Aber was hat das mit dem Verhalten mir gegenüber zu tun? mehr →
Geld verdirbt den Charakter. Macht aber auch. Irgendwann kommt der Moment, in dem Status und Einfluss sogenannte Leistungs- und Entscheidungsträger die Bodenhaftung verlieren lassen und sie zu eitlen Allmachtsphantasten mutieren. Sie kennen sicher das Sprichwort Gib einem Menschen Macht, und du erkennst seinen wahren Charakter? Und es stimmt tatsächlich. Aber vielleicht anders, als Sie bisher annahmen.
Dazu gibt es eine interessante Untersuchung von Deborah Gruenfeld von der Stanford Universität. Sie fand heraus, dass drei Dinge passieren, wenn Menschen einflussreicher werden:
Kurz: Sobald Menschen Macht bekommen, fangen sie an, später zu Meetings zu erscheinen, andere zu unterbrechen und bei Tisch laut zu schmatzen. Ich könnte mir vorstellen, Sie sehen da gerade jemandem vor Ihrem geistigen Auge… mehr →
Wenn Mitarbeiter kündigen, dann vor allem wegen ihres miesen Chefs. Das ist das Ergebnis einer Studie der Ruhr-Universität Bochum zu der mehr als 3.500 Beschäftigte zu ihren Vorgesetzten befragt wurden. Am Chef hängt Vieles: Weiß er zu motivieren, steigt das Engagement der Mitarbeiter, verdirbt er die Freude an der Arbeit, vergrault er sein Team nicht selten sogar. Und das scheint häufiger der Fall zu sein. Nur 20 Prozent der Befragten sind mit ihrem Vorgesetzten zufrieden. 56 Prozent sind hingegen unzufrieden; 23 Prozent geben ihren Chefs sogar die schlechteste mögliche Bewertung.
Wer jetzt denkt, das hat vielleicht mit persönlichem Misserfolg und daraus resultierendem Frust zu tun, der irrt. 53 Prozent der Befragten sehen sich als persönlich erfolgreich und ebenso viele schätzen ihr Unternehmen als erfolgreich ein.
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Nette, hilfsbereite Kollegen sind der Humus auf dem das gute Betriebsklima gedeiht. Solche Mitarbeiter mag jeder. Sie machen das Leben leichter – das eigene vor allem. Nie schlagen sie eine Bitte aus oder lehnen Hilfe ab. Wenn andere schon murren oder offen rebellieren, opfern sie sich immer noch selbstlos auf. Das ist, keine Frage, ungeheuer sozial, aber auch ungeheuer blöd.
Der Klügere gibt solange nach, bis er der Dumme ist. Wer anderen seine Hilfe allzu bereitwillig zukommen lässt, zahlt dafür einen hohen Preis: Nicht nur, dass sich derjenige hernach fühlt wie ein Teebeutel nach dem dritten Aufguss, Stress wegen Überforderung gehört heute zu den häufigsten Bürokrankheiten. Hilfsbereite stehen stets in der Gefahr, skrupellos ausgenutzt zu werden. Zum Beispiel durch jemanden, der sich vor einer unangenehmen Arbeit drücken möchte. Oder vom Chef, der einen mit einem zusätzlichen Projekt überrumpelt, obwohl man schon bis über beide Ohren mit Arbeit eingedeckt ist. Mal geht es darum, Arbeit einfach nur abzuwälzen, mal um Risikostreuung: Geht der Auftrag in die Hose, ist der Helfer Schuld. Schafft er es, fühlt sich der Boss bestätigt: „Sehen Sie, geht doch!“ Eine böse Zwickmühle. mehr →