Deutschland trauert kollektiv. Mit Robert Enke, mehr aber noch mit den Hinterbliebenen. Selten hat ein tragischer Freitod wie dieser so viele Menschen berührt, bewegt und emotional aufgewühlt wie dieser. Womöglich liegt das auch daran, dass sich viele Trauernden insgeheim ein kleines bisschen hineinversetzen können, wie es Robert Enke gegangen sein muss. Verstehen Sie mich nicht falsch: Keiner, der nicht selbst an Depressionen erkrankt ist oder war, kann wirklich begreifen, was dann in einem Menschen passiert (Ich habe selbst so einen Fall in der Familie). Aber in dem Zusammenhang wird immer wieder vom Druck gesprochen, der im Leistungssport herrscht. Von dem Funktionierenmüssen und dem Diktat, bloß keine Schwächen zu zeigen – schon gar keine psychischen. Andernfalls gilt man als Weichei oder als „Deislerin“.
Den steigenden Leistungsdruck, das ewige Funktionierenmüssen – das spüren längst auch jene, die keine Berufssportler sind. Sie spüren es seit Jahren – im Büro, auf dem Arbeitsmarkt, manche vielleicht sogar zuhause in ihrer Partnerschaft. Gewiss, nicht alle wählen einen so finalen Ausweg, aber sie kennen den Stress, die Ohnmacht und die Verzweiflung, die mit der zunehmend rauer werdenden Wirtschaftswelt, den seit Jahren anhaltenden Einsparungs- und Entlassungswellen einhergehen. mehr →
Jüngste Expertenschätzung gehen davon aus, dass bundesweit rund neun Millionen Menschen vom Burnout-Syndrom betroffen sind. Und das beginnt nahezu immer gleich: Die Arbeit macht keinen Spaß mehr, man schläft schlechter, wird nervöser, unkonzentrierter, ist gereizter, spürt die nahende Überforderung, den Stress, den Frust, die Ohnmacht. Dabei antwortet der Körper nur auf die Seele, die schon lange leidet. Stress beginnt immer im Kopf. Dort bleibt er lange unbemerkt, vielleicht feuert er zuerst sogar noch zu besseren Leistungen an. Doch das nagt an der der Gesundheit, unbemerkt, bis der Körper irgendwann sagt: „Schluss. Aus. Ich kann nicht mehr.“ Und dann ist sie da, mit einem Mal – die Leere, die totale Erschöpfung, das Ausgebranntsein.
Seit Jahren steigt der Stresspegel in den Büros bedenklich an: Allein zwischen 1997 und 2004 haben die seelischen Leiden am Arbeitsplatz um 70 Prozent zugenommen. Jeder fünfte Deutsche zeigt inzwischen typische Stresssymptome wie Kopfschmerzen, Herzrasen, Schlafstörungen oder Durchfall. Jeder zehnte Fehltag soll bereits auf das Konto von Stress gehen. Derlei psychische Belastungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Volkswirtschaft, angeblich gehen dadurch jährlich bis zu sechs Milliarden Euro verloren. mehr →
Die Arbeit macht krank. Jedenfalls hat man den Eindruck, wenn man die folgende Liste mit den häufigsten Berufskrankheiten liest. Jeder zweite deutsche Arbeitnehmer hat Depressionen, Husten oder Magenprobleme. Knapp zwei Drittel klagen über Rückenschmerzen, rund 63 Prozent haben Herzleiden. Die Folgen schlagen sich auch in anderen Statistiken nieder: 11,2 Tage waren die Deutschen im vergangenen Jahr krankgeschrieben, 2,5 Prozent mehr als noch 2007.
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Das runner’s high, das Hochgefühl, das sich bei Langstreckenläufern nach einiger Zeit einstellt, ist keine Mär. Neuste Studien zeigen: Wer sich regelmäßig körperlich bewegt, bleibt nicht nur fit, sondern auch schlau. Mehr noch: Müßiggang kann das Risiko, an Alzheimer, Parkinson oder Depressionen zu erkranken, deutlich erhöhen.
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Es beginnt immer gleich: Die Arbeit macht keinen Spaß mehr, man schläft schlechter, wird nervöser, unkonzentrierter, ist stets gereizt, spürt die nahende Überforderung, den Stress, den Frust, die Ohnmacht. Dabei antwortet der Körper nur auf die Seele, die schon lange leidet. Stress beginnt immer im Kopf. Dort bleibt er lange unbemerkt, vielleicht feuert er zuerst sogar noch zu besseren Leistungen an. Das nagt an der der Gesundheit, unbemerkt, doch irgendwann sagt der Körper: „Schluss! Aus! Ich kann nicht mehr!“ Und dann ist sie da, mit einem Mal – die Leere, die totale Erschöpfung, das Ausgebranntsein.
Im Fachjargon heisst das Burnout-Syndrom. Der STERN widmet dem Thema heute seine Titelgeschichte. Anlass ist zugleich ein aktuelles Gerichtsurteil der 25. Zivilkammer des Landgerichts München, wonach Versicherungen die ärztliche Diagnose „Burnout-Syndrom“ anerkennen müssen. Ein 58-jähriger Finanzmakler hatte seine Berufsunfähigkeitsversicherung verklagt, weil die sich weigerte, ihm 3500 Euro monatlich auszuzahlen. Sein Arzt hatte ihm eine 50-prozentige Minderung der Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Die Assekuranz muss zahlen, urteilten die Richter. Dabei stützten sie sich auch auf ein Gutachten des Erlanger Professors Wolfgang Sperling, der schrieb, dass nicht nur die berufliche Belastung zum Burnout beigetragen habe, sondern vor allem die aus der Persönlichkeit des Finanzmaklers „getriebene permanente Unruhe und fast zwanghaft anmutende Tendenz zum Perfektionismus“. Beidem sei er auf Dauer nicht gewachsen gewesen.
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