Zugegeben, der Film “The Core” entstand nicht gerade in einer der Sternstunden Hollywoods, aber er enthält eine denkwürdige Szene, über die es sich nachzudenken lohnt. In der besagten Einstellung unterhalten sich der erfahrener NASA-Pilot Robert Iverson (gespielt von Bruce Greenwood, hier nicht zu sehen) und seine junge, äußerst ehrgeizige Co-Pilotin Rebecca Childs (gespielt von Hilary Swank, rechts) über die neue Mission, die Childs unbedingt befehligen will. Doch Iverson ist anderer Meinung:
RI: “Sie können üben, solange Sie wollen. Das macht Sie noch lange nicht zum Commander…”
RC: “…woran Sie mich ständig erinnern.”
RI: “Wissen Sie, ich bezweifle ja, dass Sie darauf hören werden, aber ich versuch’s trotzdem: Bei der Führung geht es nicht um Fähigkeiten, sondern vielmehr um Verantwortung.”
RC: [ironisch] “Verstanden, Sir.”
RI: “Nein, haben Sie nicht, Major! Man ist nicht nur verantwortlich für die richtigen Entscheidungen, sondern auch für die schlechten. Das gehört nun mal zum Geschäft. Man muss bereit sein, beschissene Entscheidungen zu treffen.”
RC: “Wie kommen Sie darauf, dass es bei mir anders sein könnte?”
RI: “Weil Sie so gut sind. Ihnen ist noch nichts begegnet, womit Sie nicht fertig geworden sind. [...] Es ist so, dass Sie ans Siegen gewöhnt sind. Und man kann erst dann wirklich führen, wenn man mal verloren hat.”
Ein interessanter Gedanke. Ist gute Führung tatsächlich abhängig von Niederlagen? Und wenn ja, was macht diese in dem Fall so wertvoll?
Mein These: Niederlagen sorgen dafür, dass Führungskräfte demütig werden vor dem Scheitern. Und verständnisvoller gegenüber der Imperfektion der Menschen im Allgemeinen und ihren Mitarbeitern im Besonderen. Und überdies wissen sie, dass es auch nach einer Fehlentscheidung weitergeht, was sie wiederum risikofreudiger macht. Wer dagegen (aus Gewohnheit) immer nur perfekt sein will, trifft gnadenlose oder kaum noch riskante Entscheidungen.
Aber das ist, wie gesagt, nur eine These. Jetzt würde mich interessieren: Wie sehen Sie das?
Es gibt Studien oder Experimente nach deren Lektüre ich weiß, was ich alles nicht weiß. Man könnte aber auch sagen: Danach bin ich mehr von der unglaublichen Dämlichkeit des Menschen überzeugt, als von seiner oft unterstellten Intelligenz.
Von dem amerikanischen Verhaltensökonomen und renommierten Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Dan Ariely, stammt ein solches Experiment. Es ging dabei um Entscheidungen. Das heißt, eigentlich ging es darum, wie wir sie treffen und darum, dass wir uns oft vielmehr auf das konzentrieren, was wir dabei verlieren, als auf das, was wir dabei womöglich gewinnen. Es ist ja so: Mit jeder Entscheidung für etwas schließen wir gleichzeitig zig Alternativen aus. Sie entscheiden sich für das iPhone und damit gegen alle anderen Smartphones, die Sie auch hätten kaufen können (und drei Dinger davon kauft ja kein Mensch klaren Verstandes). Sie entscheiden sich für einen Partner und schließen damit all die anderen Amouren aus, die Sie vielleicht auch noch hätten haben können. Jedenfalls macht man das in der Regel so. Ach, Sie wissen schon, was ich meine. mehr →
Zugegeben, es ist nicht immer leicht eine Entscheidung zu treffen, vor allem dann, wenn es mehrere Optionen gibt. Von Suzy Welch (das ist die Frau des Ex-General-Electric-Bosses Jack Welch) stammt das sogenannte 10-10-10-Modell, mit dem sich Entscheidungen relativ simpel und schnell treffen lassen. Dazu rät sie zunächst alle wesentlichen Informationen zum Entscheidungsproblem zu recherchieren und zu sammeln, jedoch unter folgenden Prämissen:
Klingt trivial. Ist es auch. Jedoch hilft ein solcher Auswahlprozess den Blick in Richtung Zukunft und den langfristigen Auswirkungen der Wahl zu schärfen. Wer etwa einen neuen Job sucht, sollte das 10-10-10-Modell einmal durchspielen und sich fragen, ob ihn oder sie die Stelle wirklich dorthin bringt, wo er oder sie auch in zehn Jahren hin möchte. Sicher, meist kommt es anders als man denkt. Aber aufgrund dieser Weisheit, braucht man sich gleich gar nicht mehr entscheiden. Und keine Wahl ist ja bekanntlich auch eine Wahl.
„Wenn du eine Entscheidung treffen musst und du triffst sie nicht, ist das auch eine Entscheidung“, sagte der US-Psychologe William James. Entschiedenheit jedoch bedeutet mehr als eine Wahl zu treffen.
Sie sorgt dafür, dass man sich seiner Sache ganz verschreibt, keine Hintertürchen offen hält und seine ganze Kraft auf das Gelingen seines Ziels konzentriert. Wer sich entschieden hat, einen Marathon zu laufen, der kann nicht jeden Abend faul auf der Couch hocken, sondern muss täglich trainieren. Entschiedenheit bedeutet, bewusst zu wählen und zu handeln! Es gibt dazu sogar ein schönes Bonmot:
Machen Sie doch, was Sie wollen
– aber wirklich!
Und es gibt Studien, die zeigen, dass eine solche Haltung ungeheuer kreativ und produktiv macht. Wer lange zögert und zaudert, seine Entscheidungen hinausschiebt und sich – was noch schlimmer ist – treiben lässt, der verliert sowohl den Respekt der anderen als auch den vor sich selbst. mehr →