Ein König hielt sich gleich ein paar Narren, die ihn regelmäßig amüsierten und indirekt berieten. Dem gescheitesten von ihnen machte er ein besonderes Geschenk: Er gab im einen kostbaren Narrenstab mit goldenen Glöckchen und sagte: „Du bist gewiss der größte Narr, den es gibt. Behalte diesen Stab als Auszeichnung und gib ihn erst weiter, wenn du jemanden findest, der noch närrischer ist als du!“ Da nahm der Narr den Stab und behielt ihn viele Jahre.
Doch eines Tages wurde der König schwer krank und lag schließlich im Sterben. Da hüpfte und tanzte der Narr in dessen Zimmer und fragte: „König, ich hörte, ihr wollt eine weite Reise antreten.“ „Ich will nicht“, antwortet der König, „ich muss.“ „So?“, erwiderte der Narr. „Dann gibt es gewiss noch eine Macht, die über euch steht. Wann werdet ihr wiederkommen?“ „Von dem Land, in das ich reise, kommt man nicht zurück“, sagte der König. „Aber dann werdet ihr diese Reise in das Land, von dem man nicht zurückkommt, sicher lange vorbereitet haben, damit man euch dort königlich empfängt?“ Da schüttelte der König den Kopf: „Freund, das habe ich versäumt. Ich hatte nie genug Zeit dafür.“ „Oh“, antwortete der Narr, „dann habt ihr wohl nicht gewusst, dass ihr diese Reise einmal antreten müsst?“ „Doch, gewusst habe ich das schon“, sagte der König, „nur hatte ich eben keine Zeit, mich darum zu kümmern.“ Da schwieg der Narr – und legte den Narrenstab stumm neben das Bett des Königs.[Quelle unbekannt]
„Verlassen Sie das Haus nie ohne Ihre berufliche Identität“ stand auf dem Plakat über der Couch, auf der die schluchzende junge Dame mit der leicht altmodisch anmutenden Zopffrisur saß. Maja Immendorf reichte ihrer Klientin ein weiteres Papiertaschentuch, mit dem sich die junge Frau wenig damenhaft die Nase schnaubte. „Danke“, schnüffelte sie, sichtlich um Fassung bemüht.
Maja Immendorf lächelte tapfer. In letzter Zeit hatte die Zahl der schwierigeren Fälle in der Jobvermittlung zugenommen. Maja hatte für diese Fälle ein besonderes Händchen und die Agency formerly known as Arbeitsamt wies ihr die PUR*-Klienten mit großer Erleichterung zu. Auch den anderen privaten Jobvermittlern waren „diese Figuren“ ein Ärgernis, wortwörtlich Kinderkram und peinlich obendrein. Natürlich waren diese Klienten durch ihre Geschichte in besonderem Maße in Ihrem Tun eingeschränkt, aber gerade das machte für Maja den Reiz an der Sache aus. mehr →
„Hast Du das schon gehört? – Der Igel hat beim Wettlauf auf dem Steckrübenfeld den Hasen geschlagen!“ Schnell machte diese Nachricht die Runde im Wald. Alle Tiere erzählten sich die Geschichte, wie der Igel und seine Frau gemeinsam den Hasen besiegt hatten. Dieser war nach 73 und einer halben Runde tot zu Boden gesunken – immer wieder lief er hin und her durch die Ackerfurche. Jeweils am Ende des Feldes saßen Igelmann und Igelfrau und riefen: „Ich bin schon da!“
Was für eine Blamage für den Hasen. In Sachen Reputation hatte der Igel am Ende die Nase vorn. Dabei schien doch zu Anfang alles nach einem Sieg des Hasen auszusehen. „Was willst Du mit Deinen krummen Beinen schon ausrichten?“ fragt er den Igel beim Morgenspaziergang. Doch dieser legt es drauf an: „Was gilt die Wette?“ Er lässt sich auf einen scheinbar unfairen Wettkampf ein, doch am Ende trägt er den Sieg davon. Aus krummen Beinen wird ein guter Ruf, der ihm viele Sympathien verschafft. mehr →
Dem ständigen Streben nach Erfolg wohnt die Tendenz zur Unabschließbarkeit inne: Kaum hat man ihn, muss man auch schon dem nächsten nachjagen, will man auch seine zurückliegenden Erfolge nicht verlieren. Der Einzelne ist in seinem Erfolgsstreben unablässig auf einer Flucht nach vorn gefangen. Mit dem Erfolg ist es wie mit einem Fahrrad: Entweder es läuft, oder es fällt um.
Viele, die ein Unternehmen starten, beschäftigen sich lange mit der Wahl des optimalen Markennamens. Ich finde, das wird überschätzt. Beispiele wie Google oder Yahoo beweisen, dass man auch mit Wortschöpfungen Erfolg haben kann – vorausgesetzt, das Produkt stimmt. Andererseits zeigen Twitter, Xing oder Ebay, dass ein origineller Name mit Produktbezug ebenfalls von Vorteil ist. Kurzum: Ein guter Markenname ist nicht alles, aber auch nicht nix. Aber Kompromisse sind immer Käse. Dazu habe ich eine schöne Parabel gefunden:
Ein New Yorker Kaufmann kauft sich eine Ranch in Texas und siedelt mit seiner Familie dorthin, um Vieh zu züchten. Eines Tages besucht ihn sein Freund und fragt, ob die Ranch denn auch einen Namen hätte. “Natürlich”, sagt der Neu-Rancher, “allerdings war das eine lange Diskussion: Ich wollte, dass sie Bar-J heißt, meine Frau plädierte für Suzy-Q, mein Sohn wollte lieber Flying-W und meine Tochter Lazy-W. Also entschieden wir uns für einen Kompromiss und nannten die Ranch Bar-J-Suzy-Q-Flying-W-Lazy-Y.” “Aber wo ist all euer Vieh”, fragte der Freund. “Keine Kuh hat das Branding überlebt.”
Geschichten zu erzählen hat eine lange Tradition. Erzählungen helfen, komplizierte Themen plastisch werden zu lassen, wecken Emotionen und nicht wenige Parabeln, Gleichnisse, Allegorien und Anekdoten erzählen zugleich viel über uns, die Menschen im Allgemeinen und ihre Marotten im Besonderen.
Die Kunst, eine Geschichte zu erzählen, feiert gerade ein Comeback als sogenanntes Storytelling. Das klingt moderner, ist es aber eigentlich nicht. Trotzdem ist Storytelling natürlich noch immer enorm hilfreich in Vorträgen, Reden oder Präsentationen – erst recht, wenn es dem Redner dabei gelingt, Spannung aufzubauen und etwas Außergewöhnliches zu versprechen (und zu halten). Die gute Nachricht: Diese alte-neue Kunst ist nicht allzu schwer zu erlernen. Gute Geschichten lieben wir schließlich alle. Größere Mühe bereit hingegen eher, die passende Geschichte zur eigenen Botschaft zu finden. Doch auch hierzu gibt es Hilfestellungen, oft in der Form von Büchern und Story-Sammlungen. Eine empfehlenswerte davon stammt von Gerhard Reichel: Der Philosoph und der Strassenfeger. Darin enthalten: 160 Methaphern, Shortstories, Parabeln, Anekdoten zum Nachdenken und Weitererzählen. Als kleinen Vorgeschmack möchte ich Ihnen heute drei davon nacherzählen:
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