Nun also auch Media-Saturn. Die Elektronik-Fachmarktkette springt auf den bereits rollenden Zug auf und versucht sich ebenfalls in Sachen Social Media und mobilem Employer Branding. Dazu hat das Unternehmen jetzt eine kostenlose iPhone-App veröffentlicht – den StudyAdvisor.
Der Inhalt ist schnell erzählt: Über die App können geneigte Leser drei Studierende des ersten Jahrgangs „International Retail Management“ an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Ingolstadt auf ihrer Tour durch die Media-Saturn-Unternehmensgruppe begleiten. Also eine Art mobile Doku-Soap. Die drei, das sind Natalia aus Russland, Aleksandar aus Kanada und Chrysovalantis aus Griechenland. Versprochen werden “spannende Einblicke in den Studienalltag”, ein “interaktiver Fotorundgang” durch das Unternehmen und Informationen “aus erster Hand”, welche Perspektiven eine duale Ausbildung im Bereich Handelsmanagement bietet, alles auf Englisch. O-Ton der Pressemitteilung:
Die Kombination aus Bild und Ton und die Interaktivität der App erhöhen die Authentizität und tragen der Forderung nach glaubwürdigem Personalmarketing Rechnung.
Viele Unternehmen versuchen sich derzeit im Web, in Social Media, insbesondere im Employer Branding und Recruiting 2.0. Prinzipiell ist das eine gute Sache, denn dorthin geht die Reise. Weniger gut ist, dass viele Unternehmen bisher lediglich die üblichen Hochglanzvideos und Imagefilmchen produzieren, mit Windkanal optimierten und permalächelnden Mitarbeitern sowie völlig rundgelutschten Aussagen, die soviel Interesse wecken wie die 126. Wiederholung von Dinner for one im Dritten. Kreativität? Fehlanzeige. Was soll das aussagen? Dass bei diesem Arbeitgeber jede moderne Kommunikation sofort bürokratisiert wird?
Um so begrüßenswerter ist es, wenn einige Personaler etwas Neues wagen und Filme ins Netz stellen, die eher unter die Kategorie Do-it-yourself fallen – so wie etwa der Siemens-Clip, bei dem Hans-Christoph Kürn, Leiter des e-Recruitings, offenbar selbst zur Kamera gegriffen hat und per Video eine Praktikantenstelle ausschreibt. Das Ergebnis können Sie sich hier anschauen: mehr →
Das Video der schwedischen Unternehmensberatung Altran ist ein exzellentes Beispiel für kreatives Employer Branding, beziehungsweise dafür, wie man durch eine ungewöhnliche Geschichte Stellen ausschreiben kann:
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Quelle: Nielsen, Global Faces & Networked Places, 2009-08-25
Keine Frage, das Personalmanagement ebenso wie das Employer Branding stehen damit vor einer enormen Veränderung, was den Personalexperten durchaus bewusst ist. Nur: In der Praxis tragen sie dem Thema bisher kaum Rechnung. mehr →
Bernd Schmitz, Blogger und Leiter des Hochschulmarketings beim Pharmakonzern Bayer kam kürzlich auf die pfiffige Idee, die neuen Recruiter-Tools auf XING zu nutzen, um daraus die Wechselwilligkeit von Mitarbeitern in bestimmten Unternehmen abzuleiten.
Während das bisher vielleicht einizige Indiz für eine potenzielle Bereitschaft zum Jobwechsel die Phrase “neue Herausforderungen” in der Rubrik “Ich suche” (und deshalb auch nicht ratsam für Mitarbeiter, die ihren Chef nicht misstrauisch machen wollen) war, können die Profile heute in der verbesserten Suchfunktion zugleich nach Indikatoren wie “offen für Karriere-Chancen” oder “an Karrierechancen interessiert” ausgefiltert werden. Kreuzt man diesen Suchauftrag mit der Suche nach Mitarbeitern eines bestimmten Unternehmens, ergibt sich automatisch ein prozentualer Wert von Mitarbeitern, die via XING (zumindest latent) bekunden, offen für Jobangebote zu sein. Man könnte daraus sogar eine Art Zufriedenheitsindex für den aktuellen Job ableiten.
Rund 16 Prozent der Personaler nutzen bereits Twitter zur Kandidatensuche, so eine US-Umfrage, die bereits drüben im JoBlog eifrig diskutiert wird. Was ich dort kommentiert habe, sage ich aber gerne auch hier noch einmal:
Sicher hängt das Interesse an Twitter mit dem aktuellen Hype um den Microblogging-Dienst zusammen. Das ist normal und ebbt auch wieder ab. Gleichwohl hat Twitter durchaus das Potenzial zum Personal Branding und ist damit ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Eigenmarketingstratgie, die wiederum darauf abzielt, gefunden zu werden. Es ist daher nur konsequent, wenn auch die Arbeitgeber beziehungsweise Personaler nachsehen, wer und was dort gefunden werden kann.
Hinzu kommt: Stellenbörsen werden im Bereich Recruiting zunehmend unattraktiver. Das bestätigen mir zumindest die Personaler. Stattdessen setzen die Unternehmen derzeit verstärkt auf eigene, aktive Recruiting-Strategien. erst recht in der Krise: Es gibt weniger Jobs zu vergeben, also wird mehr gesiebt. Über die großen Karriereportale kommen aber meist nur Massenbewerbungen. Das ist nicht das, was derzeit gefragt ist. Entsprechend suchen die Personaler auf neuen Kanälen nach Talenten.
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