Sie sollten darauf achten, dass es keine peinlichen Fotos von Ihnen in sozialen Netzwerken gibt. Check. Falls es doch welche gibt, dann sollten Sie wenigstens Ihre Verlinkungen darauf entfernen. Check. Alternativ können Sie Ihre Einstellungen zur Privatsphäre so lange hochschrauben, bis nur noch Ihr engster Freundeskreis überhaupt Fotos von Ihnen betrachten kann. Check. Und absolut alle Ihre Kommentare sollten so harmlos sein, dass niemand, von dem Sie in den nächsten 15 Jahren beruflich abhängig sein könnten, sich daran stört. Check?
Personaler checken unsere Internetprofile, um zu sehen, ob uns irgendwelche Eigenschaften untauglich für eine Stelle machen; Verliebte prüfen ihre Dates, Vermieter ihre Mieter und so weiter. Das kennen wir. Haben wir zur Genüge gelesen. Dennoch mahnte Jeffrey Rosen, Juraprofessor an der George Washington Universität, kürzlich in der New York Times dazu, sich die Tragweite von Handlungen im Netz stetig bewusst zu machen. Denn im Gegensatz zu Menschen vergisst das Internet nichts. Zur Verdeutlichung der Konsequenzen genügt die aus dem TV bekannte Miranda-Warnung: Alles, was Sie tun, kann und wird gegen Sie verwendet werden.
mehr →
Das Internet und die darin ermittelbaren Persönlichkeitsprofile haben einen immer größeren Einfluss auf das Berufs- und Privatleben, wie jetzt auch eine Microsoft-Studie zeigt. Die Ergebnisse im Telegrammstil:
Geradezu blauäugig gehen die 14- bis 20-Jährigen mit ihren sensiblen privaten Informationen im Internet um. Allenfalls 28 Prozent ist bewusst, welche Folgen es haben kann, wenn Privatfotos, Videos oder Kontaktdaten im Web kursieren, so das Ergebnis einer Umfrage der Personensuchmaschine Whoozy unter 3000 Personen. Das Bemerkenswerte daran: Die 14- bis 30-Jährigen gehören zu jenen Internetnutzern, die mit einem Anteil von 45 Prozent die meisten privaten Daten ins Web stellen. So betreiben 35 Prozent der Befragten eine eigene Webseite oder ein Blog, auf denen man auch etwas über ihr Privatleben erfahren kann. Zudem haben die Befragten im Schnitt bereits 3,3 Profile bei sozialen Netzwerken, die Gruppe der 20- bis 30-Jährigen legt dabei die meisten Profile an (3,97), gefolgt von den 30- bis 40-Jährigen (3,7). Und siehe da: Ein gutes Drittel der Studienteilnehmer, die schon einmal nach ihrem Namen im Netz gesucht hatten, waren denn auch über die Fülle der dort kursierenden Daten erstaunt.
Rund 700 Millionen Menschen weltweit nutzen heute soziale Netzwerke im Internet. Sie stellen ihre persönlichen Daten ins Netz, laden Fotos von sich hoch, vernetzen sich mit Freunden – und hinterlassen einen Eindruck. Der kann so oder so ausfallen. Und wie hier schon oft beschrieben wurde, lässt sich das dabei entstehende Image zum Teil sogar beeinflussen. Entscheidender ist aber der sprichwörtliche erste Eindruck.
Ihm haftet mitunter die unerträgliche Bedeutungsschwere eines Finals an. Studien zufolge benötigt er allenfalls rund 150 Millisekunden, um sich zu manifestieren. Danach steht für uns nahezu unveränderlich fest, wie wir eine Person einschätzen, wer uns als attraktiv, sympathisch, vertrauenswürdig erscheint und wer nicht. Das Bemerkenswerte daran ist: Der digitale erste Eindruck – er stimmt. Wie wir die anderen auf Facebook, Xing, StudiVZ und Co. spontan (und überwiegend anhand ihrer Fotos) einschätzen, kommt der Realität erstaunlich nahe.
Dazu gibt es ein beängstigendes Experiment, über das die Newsweek kürzlich berichtete: Die Forscher zeigten ihren Probanden Ganzkörper-Fotos von Unbekannten aus Profilen der Personensuchmaschine 123people. mehr →
Falls Sie Twitter nutzen, haben Sie sicher schon bemerkt, dass Sie dort seit kurzem gelistet werden. Seitdem kann man Nutzern bei dem Mikronachrichtendienst nicht nur einfach folgen, sondern diese auch in persönliche Listen eintragen und so deren Tweets sortieren, organisieren – und diese Listen (pro Nutzer sind bis zu 20 erlaubt) sogar veröffentlichen und anderen zugänglich machen.
Auf den ersten Blick ist das eine überfällige Erweiterung, um dem stetig lauter werdenden Gezwitscher wenigstens etwas Herr zu werden. Das Angebot hat jedoch weitreichende Folgen. So entwickeln sich die Twitter-Listen inzwischen schon zu einer Art heimlichem Reputationsindex für einzelne Nutzer, Motto: Sage mir, auf wie vielen Listen du stehst, und ich sage dir, wie einflussreich du bist. mehr →
Bereits 40 Prozent der deutschsprachigen Internet-Nutzer kümmern sich um ihren Online-Ruf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Personensuchmaschinenbetreibers Yasni. Rund 23 Prozent der Befragten wenden zur Reputationspflege wöchentlich bis zu drei Stunden auf, 18 Prozent sogar mehr.
Die Umfrage zeigt aber auch: Fast 60 Prozent der Internet-Nutzer ist ihr Ruf egal. Fatal. Denn der sorglose Umgang mit dem Internet kann – wie hier schon merhfach beschrieben – negative Folgen für Beruf und Privatleben haben.