Länger bleiben, kürzer treten – fast jeder zweite Arbeitnehmer leistet unvergütete Überstunden, so das Ergebnis einer Stepstone-Umfrage unter 8025 Fach- und Führungskräften. 49 Prozent der Befragten gaben an, dass Überstunden von ihrem Arbeitgeber erwartet und daher auch nicht honoriert werden. Lediglich drei von zehn Arbeitnehmern können ihre Überstunden abfeiern, während 10 Prozent sie ausbezahlt bekommen. Nur 11 Prozent machen angeblich gar keine Überstunden. In tabellarischer Übersicht: mehr →
Fleißige Südkoreaner – und faule Deutsche:
Zum Vergrößern anklicken, Quelle: OECD
41,2 Stunden pro Woche – auf so viele Wochenarbeitsstunden kommt ein deutscher Arbeitnehmer derzeit im Durchschnitt. Im europäischen Vergleich ist das ein (trauriger) Spitzenplatz. Das hat jetzt eine EU-Studie zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen ermittelt.
Demnach gehören die Deutschen zusammen mit den Rumänen, Tschechen und Österreichern zu den Langarbeitern in Europa. Spitzenreiter ist übrigens Rumänien mit durchschnittlichen 41,8 Wochenarbeitsstunden. Das Schlusslicht bilden indes die Franzosen mit gerade mal 38,4 Wochenstunden. Vielleicht müsste es heißen: Arbeiten wie Gott in Frankreich…
Hierzulande liegt die von den Tarifparteien vereinbarte Wochenarbeitszeit zwar im Schnitt bei 37,6 Stunden. Doch machen derzeit viele Beschäftigte tatsächlich Überstunden. Die Krise und so… Fairerweise muss man dazu aber sagen, dass Deutschland bei der Anzahl der bezahlten Urlaubstage EU-weit ebenfalls weit vorne liegt. Während die Arbeitnehmer in Frankreich oder Österreich nur 25 Urlaubstage haben, die Briten sogar nur 24,6 und der EU-Durchschnitt bei 25,2 Tagen liegt, kommen die meisten Deutschen auf 30 Urlaubstage im Jahr.
Ein Arbeitnehmer, der Überstunden mit dem Argument verweigert, dass er sonst die gesetzlich zulässige Arbeitszeit von täglich 10,5 Stunden überschreitet, darf nicht wegen Arbeitsverweigerung fristlos entlassen werden (Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, 6 Sa 53/07).
Die Zahl der geleisteten Überstunden in Deutschland steigt. Das hat jetzt Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ermittelt. Demnach werden dieses Jahr 1,474 Milliarden bezahlte Überstunden geleistet gegenüber 1,413 Milliarden im Vorjahr. Im Schnitt kommt jeder Arbeitnehmer damit auf 41,8 Überstunden für 2007. Begründet wird der Anstieg mit der guten Konjunkturlage: Die Auftragsbücher sind voller als 2006, deswegen stellen die Unternehmen aber nicht sofort mehr Mitarbeiter ein. Ergo verteilt sich die Mehrarbeit auf vorhandene Schultern.
Was die Untersuchung nicht zeigt, sind jedoch die unbezahlten Überstunden. Die gute Nachricht zuerst: Diese sinken – und zwar um acht Prozent in den vergangenen beiden Jahren, wie die Jobbörse Stepstone bei einer Umfrage unter 9880 Fach- und Führungskräften herausfand. Jetzt die schlechte Nachricht: Sie sinken auf hohem Niveau. Immerhin 30 Prozent der Befragten sagten, dass sie bis zu 49 Stunden pro Woche arbeiten, ohne einen Cent mehr zu verdienen. Bei 19 Prozent waren es sogar 50 Wochenstunden und mehr (siehe Grafik, zum Vergrößern anklicken).