Zeitmanagement ist die Kunst, seine Zeit optimal zu nutzen. Das jedenfalls behaupten die einen. Zeitmanagement ist definitorischer Quatsch, sagen die anderen. Denn Zeit kann man nicht managen. Sie vergeht immer gleich schnell – unabhängig davon, was wir damit anstellen. Jeder Tag hat für jeden Menschen gleich viele Stunden, egal, ob man ihn managt oder nicht. Das ist wohl unbestreitbar richtig und auch höchst gerecht. Andererseits lässt sich nicht verleugnen, dass einige Menschen mit dieser Zeitfreiheit mehr Probleme haben als andere.
Um es kurz zu machen: Diese Menschen verzetteln sich. Und zwar regelmäßig. Schon morgens erwarten die Betroffenen jene Aufgaben, die gestern im Arbeitswust liegen geblieben sind oder aufgeschoben wurden, weil sie so viel Annehmlichkeit verheißen wie mit den Fingernägeln über eine Schiefertafel zu kratzen. Über den Tag kommen dann neue dringende Jobs dazu: Der Chef schneit rein und braucht umgehend einen Lagebericht zu Projekt XY, der Kollege bittet um Rat, der Kunde hofft auf schnelle Hilfe und aus dem E-Mail-Eingang piept unerbittlich Post mit der Dringlichkeitsstufe „hoch“. Aufschub unmöglich. Just do it. Wer also nicht gerade über vier Arme wie der indische Gott Vishnu verfügt, den umgibt spätestens am Nachmittag ein veritables Büro-Tohuwabohu.
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Vor kurzem führte ich ein Interview mit Cordula Nussbaum über Zeitdiebe und die Kunst, als Chaot Prioritäten zu setzen. Denn die meisten Zeitmanagement-Tipps gehen so: Analysieren Sie Ihren Alltag! Zerlegen Sie große Aufgaben in kleine Teilschritte! Setzen Sie Prioritäten! Alles nicht falsch, aber es funktioniert nicht bei jedem. Rund die Hälfte aller Erwachsenen scheitert am herkömmlichen Zeitmanagement, weil sie schlicht anders Denken, Arbeiten und Organisieren. Stellen Sie sich vor, Sie sollen eine Orange ohne Hilfsmittel schälen? Ihr Gehirn entscheidet blitzschnell, wie Sie das Problem lösen. Die Einen gehen diese Aufgabe eher rational an, die anderen lieber kreativ. Typ eins ist ein Linkshirner, bei ihm dominiert die linke Gehirnhälfte. Beim Kreativ-Spontanen ist es die rechte. Diese Dominanz sorgt auch dafür, wie man sich und seinen Alltag organisiert. Bei rund 25 Prozent aller Erwachsenen dominiert die linke Gehirnhälfte. Bei 34 Prozent ist das Verhältnis ausgewogen und bei gut 41 Prozent überwiegt die rechte Hemisphäre. Damit ist klar: Viele Zeitmanagement-Ratgeber mit klassisch-analytischen Tools zielen an der Mehrheit vorbei. Ihre Tipps wirken auf sie so als würde man einem Depressiven raten: „Sei doch mal froh!“ Um herauszufinden, welcher Typ Sie sind und welche Hemisphäre bei Ihnen überwiegt, können Sie auf der Webseite von Cordula Nussbaum einen kostenlosen Test mit 21 kurzen Fragen absolvieren.
Manche Büros erinnern an Mitarbeiter-Intensivhaltung, andere an Freizeitparks. So etwa das Google Office in Zürich – inklusive Rutschen, Massagestühlen, Billardtischen, Privatkabinen und vielem mehr. Es gibt aber auch Berichte, die sagen: Das alles ist nur ein goldener Käfig, der Mitarbeiter dazu animieren soll, auch bis spät in die Nacht oder an Wochenenden für die company zu schuften.
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Cordula Nussbaum hat mehrere Bücher zum Thema Selbst- und Team-Management sowie Unternehmens-Management geschrieben und trainiert Selbständige und Angestellte in Seminaren. In ihrem neuen Buch „Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?“ zeigt die Wirtschaftsjournalistin, dass Arbeitsorganisation durchaus mit Spaß, Abwechslung und kreativen Kniffen möglich ist.
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