Ich muss gestehen, ich passe in keine Schublade. In Standardformate sowieso nicht. Konfektionsware – wenn es nicht gerade Jeans oder T-Shirts sind – passen mir nie so richtig. Die Ärmel zu kurz, die Schultern zu eng, der Kragen zu weit, die Kleidung wirft Falten wo sie nicht soll… Kurzum: Ich trage lieber Maßkonfektion, lasse mir Hemden und Anzüge auf den nicht genormten Leib schneidern. Dann sitzen sie. Aber nicht, dass Sie denken, das sei ein früher Anflug von Dekadenz. Maßhemden und Maßanzüge sind heute nicht teurer als Stangenware in Sondergrößen.

Im Gegenteil: Ein Baumwoll-Maßhemd bekommen Sie heute schon für um die 40 Euro. Vor einiger Zeit habe ich auf den Tipp eines Freundes hin das Berliner Startup YouTailor getestet – und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Inzwischen gibt es eine Reihe weiterer Mitbewerber auf dem Markt. Und so wurde ich kürzlich erneut eingeladen, mich von einem neuen Angebot zu überzeugen – diesmal von dem Schweizer Maßkonfektionierer Tailor4Less.

Dessen Hemdpreise beginnen bei 36 Euro – ein Kampfpreis, der unter den 39 Euro von YouTailor liegt. Bei dem Preis kommen die Hemden freilich nicht aus der Schweiz, sondern aus Schanghai. Deshalb dauert es auch mindestens zwei Wochen, bis die Hemden nach der Bestellung da sind. Hinzu kommen noch einmal Versandkosten von 12 Euro. Jedoch nur bis zu einem Bestellwert von 100 Euro, danach ist der Versand gratis.

Testobjekt: Ein schwarzes Hemd

Für den Test habe ich mir ein schwarzes Manschettenhemd bestellt. Das muss zunächst konfiguriert werden – ein etwas technischer, sperriger Begriff, hinter dem sich nichts anderes verbirgt, als seine Körpermaße und das Wunschdesign einzugeben. Erstere hatte ich dank meines letzten Testberichts schon und musste sie nur noch übertragen. Zweiteres ist wirklich einfach und binnen 10 Minuten durchgeklickt.

Im Gegensatz zu YouTailor ist die Vorschaufunktion bei Tailor4less allerdings nicht ganz so schön. Statt realer Vorschaubilder hangelt man sich durch ein Menü aus eher schematischen Zeichnungen, um festzulegen, was das Hemd alles haben soll: angefangen bei der Kragenform, den Manschetten, Stoffen, Farben und der Knopfleiste bis hin zu Brusttasche, Initialien und Dehnungsfalten. Auch Extras wie eine starke Taillierung des Hemds oder eine erweiterte Manschette links oder rechts für die Armbanduhr lassen sich im Menü und mit wenigen Klicks festlegen sowie im Profil als Favoriten (für spätere Bestellungen) speichern.

Die Menü-Auswahl ist jedoch nicht ganz so groß wie bei YouTailor. Da kann man zum Beispiel bei der Doppelmanschette auch auswählen, ob die Ärmelenden eckig, abgeschrägt oder rund (zu empfehlen!) sein sollen. Das geht hier nicht.

Am Ende wandert das fertig konfektionierte Hemd in den Warenkorb, bezahlen per Paypal, Kreditkarte oder Überweisung – und ab geht die Post…

Das Ergebnis

Knapp drei Wochen später kam das Paket mit meinem neuen schwarzen Maßhemd an: Die Verarbeitung und Stoffqualität sind absolut in Ordnung und vergleichbar mit allen anderen Maßhemden von mir. Und das Wichtigste: Auch dieses Hemd passt.

Nun ist Schwarz eine schwierige Farbe. Bei billigen Hemden wird daraus schnell Grau. Auch diesen Test hat das Hemd gut überstanden (siehe Foto oben – die abgebildeten Hemden sind übrigens ungebügelt). Im Gegensatz zu dem YouTailor-Hemd (links) ist das Schwarz des Tailor4Less-Hemds sogar wirklich Tiefschwarz – und auch geblieben. Fairnesshalber muss man aber sagen, dass beide Hemden nur einmal gewaschen wurden und das Youtailer-Hemd auch vorher schon etwas heller war (was ich nicht so gut finde, Schwarz sollte Schwarz sein).

Gekostet hätte mich das getestete Hemd – trotz der etwas besseren Stoffqualität – 48 Euro, also 36 Euro für das Hemd plus 12 Euro Versand. Das Vergleichshemd war teurer. Deshalb: Daumen rauf. Man bekommt ein gutes Maßhemd zu einem fairen Preis. Ich kann diesen Anbieter daher empfehlen, obgleich die Wahloptionen noch maßvoll sind – und künftig größer sein sollten.