Talent oder harte Arbeit: Worauf kommt es an?
Es sind die Geschichte, von der viele Träumen und die uns alle immer wieder inspirieren, wenn wir sie hören: Angefangen als einfacher Mitarbeiter, viele Schwierigkeiten überwunden, durch Anstrengung immer weiter emporgestiegen, bis zum erfolgreichen Manager. Oder eine kleine Firma am heimischen Schreibtisch gegründet und hart geschuftet, bis sich der Erfolg eingestellt hat und Jahre später ein weltweites Unternehmen daraus wurde. Der amerikanische Traum, möglich scheinbar überall auf der Welt. Aber kommt es wirklich auf harte Arbeit an oder spielt Talent eine größere Rolle?

Warum harte Arbeit uns beeindruckt

loreanto/shutterstock.comBeeindruckende Geschichten von Menschen, die sich scheinbar gegen alle Widrigkeiten durchgesetzt haben und mit harter Arbeit etwas erreicht haben, von dem weder sie noch andere jemals geglaubt hätten, dass es möglich sei.

Voll des Lobes werden die Chroniken solcher Siegeszüge erzählt und jeder zeigt sich beeindruckt vom Durchhaltevermögen, vom Ehrgeiz und nicht zuletzt vom Ergebnis. Kurz gesagt: Harte Arbeit imponiert. Aber warum eigentlich? Sind wir tatsächlich so selbstlos, dass wir es den anderen gönnen und ohne Vorbehalte beeindruckt sind? Leider nein, das Motiv ist rein egoistischer Natur: Wir wollen uns selbst besser fühlen.

Zu sehen, wie ein anderer es durch harte Arbeit geschafft hat, platziert im eigenen Kopf einen kleinen, aber nicht unwichtigen Hintergedanken: Ich könnte das auch! Immer wenn wir von jemandem hören, der von unten kam und es dennoch bis an die Spitze geschafft hat, erkennen wir uns selbst, das eigene Kämpfen, die Überstunden und die nicht anerkannten Leistungen wieder. Vorbilder, die es mit harter Arbeit zum Erfolg gebracht haben, liefern uns den Beweis, dass auch wir es schaffen können.

Gleiches gilt beispielsweise in Filmen oder auch beim Sport: Wir wollen, dass die Außenseiter gewinnen, die, mit denen wir uns identifizieren können, weil sie es eben nicht einfach haben, sondern nur durch große Anstrengungen dorthin gekommen sind, wo sie jetzt stehen.

Gleichzeitig wird das Malochen gern als grundlegender Pfeiler des Erfolgs betitelt, das Fundament der beruflichen Laufbahn. Getreu dem Motto: Nur wer bereit ist, hart zu arbeiten, wird auch etwas erreichen. Ein anderer Aspekt wird dabei übersehen. Einige Menschen sind talentierter als andere. Das bedeutet noch lange nicht, dass ihnen der Erfolg in die Wiege gelegt wurde, manches fällt mit dem nötigen Talent einfach leichter - und macht einen Teil der harten Arbeit obsolet.

Talent oder harte Arbeit: Was zählt mehr?

Brainsil/shutterstock.comSchwierig wird es, wenn man die beiden gegeneinander stellt und im direkten Vergleich aufeinander treffen lässt. Harte Arbeit oder Talent? Wenn man sich festlegen muss, tendieren die meisten Menschen dazu, der harten Arbeit einen höheren Stellenwert einzuräumen. Wir respektieren und belohnen die Anstrengungen, die jemand auf sich genommen hat. Allerdings nur solange es sich um ein reines Gedankenexperiment handelt.

Zu diesem überraschenden Ergebnis kam Chia-Jung Tsay vom University College London. Gemeinsam mit dem Harvard-Psychologen Mahzarin Banaji führte Tsay ein Experiment in zwei Phasen durch: Zunächst sollten die Teilnehmer - alles professionelle Musiker - einen Fragebogen ausfüllen und beurteilen, ob sie Talent oder harte Arbeit zum Erwerb der Fähigkeiten höher bewerten. Erwartungsgemäß wurde Talent durch die Bank ein geringerer Wert zugestanden.

In der zweiten Runde bekamen die Musikexperten zwei Lebensläufe präsentiert: Der eine dokumentierte den Werdegang eines talentierten jungen Musikers, der andere konzentrierte sich auf die investierte Anstrengung. Der Clou: Die jeweiligen Ausschnitte, die den Probanden vorgespielt wurden, kamen vom gleichen Künstler. Trotzdem änderten sich die Beurteilungen drastisch.

Dem "talentierten Musiker" wurden bessere Fähigkeiten bescheinigt und ein größerer Erfolg vorausgesagt. Dieser Widerspruch ist jedoch nicht einmal die wichtigste Erkenntnis der Studie. Ein größeres Gewicht brachte die Erkenntnis, dass die erfahrensten Teilnehmer dem Talent besonders oft und in höherem Maß den Vorzug gaben - also genau die Gruppe, die häufig Personalentscheidungen trifft.

Stellt sich die Frage, ob Bewerber ihre Chancen erhöhen können, indem sie ihre natürlichen Talente in den Vordergrund stellen. In der Praxis wird dies aber nur schwer umzusetzen sein, schließlich drehen sich die meisten Lebensläufe und Anschreiben um die eigenen Erfolge und Leistungen. In Vorstellungsgesprächen könnte man sich eher auf seine Talente beziehen.

Es besteht vielmehr ein Handlungsbedarf auf Unternehmensseite: Die Studien legen den Schluss nahe, dass harte Arbeit zwar geschätzt und bewundert wird, in der tatsächlichen Entscheidung im Vergleich mit natürlichen Talenten aber den Kürzeren zieht. Dies kann soweit gehen, dass Mitarbeiter nicht eingestellt werden, obwohl die Leistungen und Fähigkeiten besser zur ausgeschriebenen Stelle passen würden.

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